Die VNG-Tochter verfügt nunmehr über ein Portfolio aus 27 Biogasanlagen.

Die VNG-Tochter verfügt nunmehr über ein Portfolio aus 27 Biogasanlagen.

Bild: © VNG

Der Gasversorger VNG blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück. "In allen Geschäftsbereichen haben wir unsere Ziele nicht nur erreicht. Unsere Erwartungen wurden sogar noch übertroffen", freute sich Vorstandsvorsitzender Ulf Heitmüller im Rahmen eines telefonischen Pressegesprächs anlässlich der Vorstellung der Unternehmensbilanz.

Der europaweit aktive Unternehmensverbund mit aktuell 1155 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte im Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn von 117 Mio. Euro (Vorjahr: 142 Mio. Euro). Dass der Wert für 2019 unter dem des Vorjahres lag, ist laut VNG im Zusammenhang mit den starken Effekten durch den Verkauf des Explorations- und Produktionsgeschäfts (E&P) zu sehen. Die Umsatzerlöse lagen 2019 mit 10,5 Mrd. Euro leicht über dem Vorjahr (10 Mrd. Euro).

Neue Geschäftsfelder erschließen

"Unser Jahresergebnis ist damit zum vierten Mal in Folge positiv ausgefallen", erläuterte Heitmüller, der seit 2016 an der VNG-Spitze steht. Zufrieden zeigte sich der Unternehmenschef auch, weil es gelungen sei, die Konzernstrategie "VNG 2030+" umzusetzen. "Wir haben uns vorgenommen, unsere etablierten Geschäftsbereiche zu stärken, aber auch neue voranzutreiben", führte Heitmüller weiter aus.

Dazu hat VNG im vergangenen Jahr in großem Stil auch in neue Geschäftsfelder investiert. Insgesamt wurden 345 Mio. Euro in die Hand genommen. Zum Vergleich: 2018 lagen die Investitionen noch bei nur 296 Mio. Euro.

VNG setzt auf Biogas

Stark ausgebaut wurde laut Heitmüller vor allem der Biogasbereich, der seit Anfang des Jahres als eigener Geschäftsbereich geführt wird. Über ein Tochterunternehmen hat VNG ihren Biogasanlagenbestand mehr als verdreifacht. Mit einer insgesamt erreichten Feuerungswärmeleistung von 95 Megawatt gehört das Unternehmen nun nach eigenen Angaben zu den größten Anlagenbetreibern Deutschlands. "Darauf wollen wir uns nicht ausruhen. Wir möchten in diesem Bereich weiter gesund wachsen", kündigte Heitmüller an.

Gute Kostendisziplin

Auch Bodo Rodestock, als Vorstandsmitglied verantwortlich für die Bereiche Finanzen und Personal, ist mit den Geschäftszahlen rundum zufrieden. Alle drei etablierten Geschäftsbereiche – Transport, Speicher sowie Handel und Vertrieb – hätten Gewinne erzielt. Der Konzerntochter VNG Gaspeicher GmbH (VGS) sei es gelungen, das günstige Marktumfeld erfolgreich zu nutzen. Auch eine gute "Kostendisziplin" habe zu dem nach längerer Zeit wieder positiven Ergebnis in diesem Bereich beigetragen.

Trotz des positiven Jahresergebnisses blickt die VNG mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. "Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die gesamte Weltwirtschaft, aber auch auf die Gasbranche sind derzeit noch nicht absehbar", sagte Heitmüller. Grundsätzlich sei nicht auszuschließen, dass sich auch für VNG punktuell negative wirtschaftliche Effekte infolge der Pandemie ergeben können.

Sinkende Nachfrage durch Corona

Schließlich würde der Energiebedarf aufgrund von Kurzarbeit oder Stilllegungen sinken. "Das werden auch wir zu spüren bekommen", sagte Rodestock. "Wir sehen uns aber dennoch gut gerüstet und verfügen über ein sehr stabiles Fundament", betonte VNG-Chef Heitmüller.

VNG selbst habe sehr früh auf die Herausforderungen durch das neuartige Virus reagiert. Notfallpläne würden in der Branche ohnehin zum Standard gehören. 80 Prozent der VNG-Mitarbeiter seien derzeit im Homeoffice. Auch dank einer schon vor Wochen eingerichteten Task Force sei VNG jederzeit in der Lage, angemessen und flexibel auf die Krise zu reagieren. Klar sei, dass die Versorgungssicherheit mit Gas und Strom hierzulande auch in Zeiten einer solchen Krise nicht gefährdet ist, betonte Heitmüller.

Zukunftsthema Wasserstoff

Mit Blick auf die strategische Ausrichtung der VNG kündigte Heitmüller an, noch stärker auf Engagement für die Region, aber auch auf Nachhaltigkeit setzen zu wollen. Im Fokus seien die Zukunftsthemen Power-to-Gas, grüner Wasserstoff und Sektorenkopplung.

VNG engagiert sich bereits mit den Tochterfirmen VGS und Ontras im Power-to-Gas-Projekt "Energiepark Bad Lauchstädt". Dort werden die Herstellung, der Transport, der wirtschaftliche Einsatz und perspektivisch die Speicherung von grünem Wasserstoff im industriellen Maßstab untersucht.

"All electric" als Irrweg

"Wasserstoff wird eine entscheidende Rolle im Rahmen der Energiewende spielen", sagte Hans-Joachim Polk, der im VNG-Vorstand die Bereiche Technik und Infrastruktur verantwortet. Mit Strom alleine werde man die Klimaziele nicht erreichen. Allerdings müsse die Politik nun endlich aktiv werden und für gute Rahmenbedingungen sorgen. "Dabei gilt es vor allem, technologieoffen zu sein und eine möglichst breite Nutzung von Wasserstoff zu ermöglichen", führte er aus. Um günstigere Preise für grünen Wasserstoff zu ermöglichen, müsse die Politik den Markt anreizen – etwa durch eine Umlagebefreiung für den von Elektrolyseuren genutzten Strom.

Zugleich müsse aber auch die Nachfrage stimuliert werden. Hier mahnte unter anderem eine schnelle Umsetzung der RED2 an. "Und natürlich sollte auch die Wasserstoffstrategie schnell verabschiedet werden. Wir brauchen Planungssicherheit. Wer eine deutsche Wasserstoffwirtschaft will, muss jetzt mit dem Aufbau beginnen", mahnte Polk. (amo)

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