Die Zukunftsfähigkeit der Energiewirtschaft erreicht einen Wert von 6,2. Das entspricht dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft mit 6,3, erklärt die Unternehmensberatung KPMG anlässlich ihres aktuellen Future Readiness Indexes. Der Höchstwert liegt bei zehn. Der Index soll Auskunft darüber geben, wie sich die Branche in Bezug auf die Welt von Morgen selbst einschätzt. Der Optimismus, was die Zukunft anbetrifft, übertrifft mit 7,2 den Gesamtdurchschnitt mit 7,1. Der Großteil der Energieversorger habe die nötigen Veränderungen im Blick und sieht sich diesbezüglich bereits gut aufgestellt, folgern die Berater daraus.
Der Reifegrad erreicht mit 6,4 einen soliden Index-Wert (Schnitt: 6,5). Das heißt die Befragten sehen sich sehr gut oder gut aufgestellt für die Zukunft. Das Investitionsniveau liegt mit 6,0 minimal unter dem Durchschnittsniveau mit 6,2. Viele Akteure würden wegen der volatilen Entwicklung des Marktes zurückhaltend investieren, aber dafür gezielt und fokussiert, so das Fazit. Einige Unternehmen würden wichtige Zukunftstrends wie disruptive Geschäftsmodelle und Technologien, abnehmende Innovationszyklen und Konvergenz noch nicht ausreichend priorisieren, heißt es weiter.
Trends werden noch unterschätzt
Der Wert für Trend-Sensitivität liegt gleichauf mit dem Durchschnitt mit 5,7 der untersuchten Branchen. Die Berater bewerten dies als relativ niedrig. So würden viele wichtige Trends und Herausforderungen nicht ausreichend priorisiert. Tendenziell würden bezogen auf die Gesamtwirtschaft die Möglichkeiten und Interdependenzen von Automatisierung und Datenexplosion sowie die Auswirkung steigender Sicherheitsrisiken tendenziell unterschätzt.
Im Hinblick auf die Entwicklung im Wettbewerb sehen sich lediglich 58 Prozent der Befragten gut oder sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Die Branche ist damit 13 Prozentpunkte pessimistischer als der Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. In letzter Konsequenz finde nun bei den kapitalmarktorientierten Unternehmen im Sektor eine weitere, differenzierte Fokussierung statt, heißt es weiter.
Einschätzung zum Klimaschutz top
In Sachen Klimaschutz liegt die Energiewirtschaft hingegen 20 Prozentpunkte vor der Gesamtwirtschaft: 60 Prozent der befragten Energiefachleute sehen ihr Unternehmen aktuell gut oder sehr gut vorbreitet, um sich ökologischen Veränderungen flexibel anzupassen. Zwei Drittel identifizieren das Thema zudem als künftig (sehr) relevant.
Sektoren wie Strom, Wärme und Verkehr wachsen zunehmend zusammen. 38 Prozent der Befragten sehen diese Entwicklung als wichtige Herausforderung der nächsten fünf Jahre.
Kunden im Fokus
Für 84 Prozent der befragten Fachleute sind Investitionen in aktuelle und künftige Kundenbedürfnisse entscheidend. Kein anderes Thema war hinsichtlich Reife- und Investitionsgrad für die Befragten wichtiger.
81 Prozent der Befragten sehen sich bei der Entwicklung der Kunden zum Prosumer gut aufgestellt. Mehr als vier von fünf Unternehmen wollen künftig stark oder sehr stark investieren. Drei Viertel der Energieversorger konzentrieren sich laut Studie auf zukunftsweisende Investitionen in innovative Produkte und Dienstleistungen, um sich an den technologischen Fortschritt anzupassen.
Wo sich Energieversorger gut aufgestellt sehen
Kundenbedürfnisse zu bedienen – hier sehen sich 76 Prozent der Befragten gut oder sehr gut für die Zukunft aufgestellt. An zweiter Stelle wird mit 70 Prozent das Produkt- und Dienstleistungsportfolio genannt, gefolgt von Organisationsstrukturen mit 66 Prozent sowie Innovationsfähigkeit mit 64 Prozent.
Im Bereich Regulierung schneiden die Energieversorger ebenfalls gut ab: So fällt es der Mehrheit mit 60 Prozent entsprechend leicht, sich gut oder sehr gut an regulatorische und ökologische Veränderungen anzupassen und deren Bedeutung für die Zukunft (66 Prozent) zu erkennen. An diesen Stellen liegt der Sektor 12 beziehungsweise 15 Prozentpunkte vor der Gesamtwirtschaft.
Nachhaltigkeit gilt als größte Herausforderung
Größte Herausforderung bei den künftigen Entwicklungen aus Sicht der Energiewirtschaft sind laut KPMG-Studie die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeit, der demografische Wandel, die veränderten Kundenbedürfnisse, die Datenexplosion und zuletzt die Automatisierung. Genau umgekehrt sieht es die KPMG-Trendanalyse, die Automatisierung hier an erster Stelle nennt; gefolgt von abnehmenden Innovationszyklen, Datenexplosion, disruptiven Geschäftsmodellen und Konvergenz.
Datengetriebene Geschäftsmodelle gelten laut KPMG branchenübergreifend als vielversprechende Ideen, um das eigene Kerngeschäft um eine neue Wertschöpfungskomponente zu erweitern. Dazu gehöre es, Kundenbedürfnisse in Echtzeit zu erkennen. Dies wiederum setze innovative Geschäftsmodelle und neue Technologien voraus. Zu den neuen Veränderungen gehören Blockchain-basierte Peer-to-peer-Kundenlösungen, individuell zugeschnittene Energiedienstleistungen oder der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur. Um diese Veränderungen zu bewältigen, würden die Versorger mit hauseigenen Innovationshubs oder mittels Kooperation mit spezialisierten Start-ups reagieren.
Hin zur kompletten Automatisierung
Laut den Beratern werden künftig sämtliche Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft digital oder automatisiert organisiert. Dazu zählen virtuelle Kraftwerke, Smart Grids und automatisierter Energiehandel. Smart Home und Smart City könnten erst der Anfang einer neuen Energiewelt mit einem Internet der Dinge und der entsprechenden Machine-to-Machine-Kommunikation sein: Autos laden sich per Induktion an der roten Ampel auf, sogenannte Wearables sorgen für tragbare Stromproduktion in jeder Lebenslage und der intelligente Kühlschrank bestellt nicht nur eigenständig Lebensmittel, sondern kann vom Netzbetreiber angesteuert werden, blickt KPMG in die Zukunft. Dabei bestimmen demnach die Schlüsselbegriffe Konvergenz, digitale Transformation und Nachhaltigkeit die Zukunft der Energiewirtschaft. (sg)
