Die Krefelder SWK will auch nach ihrer Umstrukturierung wachsen, aber nicht um jeden Preis. Im zweiten Teil des Interviews mit der ZFK erklärt SWK-Chef Carsten Liedtke, warum Skaleneffekte im Vertrieb wichtig sind und sein Unternehmen auf langfristige Partnerschaften mit dem Mittelstand setzt.
Die SWK hat ihre Kundenzahl in den vergangenen Jahren stark erhöht. Muss sie weiter wachsen?
Wir wollen wachsen – aber nicht um jeden Preis, sondern weil wir Marktchancen sehen und unsere Stärken ausbauen können. Gleichzeitig brauchen wir zusätzliche Skaleneffekte, um die steigende Komplexität und die Kosten für IT, Abwicklung und Kundenservice zu bewältigen. Die Kundenzahl ist ein Mittel zum Zweck.
Unser Ziel ist profitables Wachstum. Wir gewinnen Kunden organisch und übernehmen auch Kundenportfolios anderer Energieversorger. Solche Portfolios können wir schnell integrieren, wenn ein Anbieter etwa wegen einer nicht tragfähigen Beschaffungsstrategie aus dem Markt ausscheidet.
Wir wollen wachsen – aber nicht um jeden Preis
Wie groß ist das Risiko, dass weitere Anbieter ihre Kunden nicht mehr beliefern können?
Das Risiko ist derzeit erhöht. Die Preise an den Beschaffungsmärkten sind bereits länger hoch und die Krisen überlagern sich. Anbieter, die kurzfristig beschafft haben, müssen möglicherweise feststellen, dass sie ihre Kunden nicht mehr zu kostendeckenden Preisen versorgen können.
Wir haben inzwischen ein besseres Instrument als in der letzten Krise: die Ersatzversorgung. Wenn ein Anbieter seinen Bilanzkreis schließt und Kunden zu uns kommen, können wir sie zu einem Tarif aufnehmen, der sich an den aktuellen Beschaffungskosten orientiert. Wir überprüfen diesen Tarif laufend und beschaffen dann kurzfristig die benötigten Mengen.
Eine langfristig orientierte, zwei Jahre nach vorn greifende Beschaffung bleibt die beste Krisenabsicherung.
Hat die SWK ihre Beschaffungsstrategie nach der Krise verändert?
Nur graduell. Wir sind weiterhin der Meinung, dass eine langfristig orientierte, zwei Jahre nach vorn greifende Beschaffung die beste Krisenabsicherung ist. Kurzfristige Preisvorteile können verlockend sein, sollten aber mit großer Vorsicht genutzt werden.
Worauf müssen sich Kunden bei den Energiepreisen einstellen?
Auf steigende Preise, auch beim Gas. Die Beschaffungssituation wird sich über die langfristige Beschaffung in den nächsten ein bis drei Jahren auf die Kunden auswirken. Bei Strom kann eine niedrigere Stromsteuer dämpfend wirken. Beim Gas gibt es diesen Effekt nicht.
Hohe Gaspreise werden die Wärmewende beschleunigen – hin zu Wärmepumpen, Fernwärme und anderen Lösungen. Staatliche Preisbremsen halte ich allerdings für das falsche Instrument. Besser wäre es, Haushalte, die tatsächlich in eine soziale Schieflage geraten, gezielt zu unterstützen.
Welche Voraussetzungen braucht der Ausbau der Fernwärme?
Die Fernwärme befindet sich mitten in der Transformation. Entscheidend ist, wie die Bundesregierung den rechtlichen Rahmen gestaltet und ob sich der Business Case tatsächlich rechnet. Gleichzeitig müssen Fragen der Preisaufsicht, der Transparenz und möglicher Schlichtungsstellen geklärt werden.
Ein entscheidender Punkt ist außerdem die Geschwindigkeit, mit der Gasnetze stillgelegt werden. Wir können nicht gleichzeitig Stromnetze ausbauen, Gasnetze weiter betreiben und Fernwärmenetze ausbauen. Dann hätten wir drei Wärmeangebote für einen schrumpfenden Markt.
Ein entscheidender Punkt ist die Geschwindigkeit, mit der Gasnetze stillgelegt werden
In dem Maße, in dem die Politik bereit ist, die Stilllegung von Gasnetzen zu forcieren, werden wir auch das Wachstum der Fernwärme sehen. Beides parallel zu finanzieren, halte ich weder für wirtschaftlich noch volkswirtschaftlich sinnvoll.
Was bedeutet dieser Wandel für die Rolle eines Stadtwerks?
Ein Stadtwerk muss die gesamte Wertschöpfungskette und die verschiedenen Medien zusammen denken. Gerade für die Wärmewende müssen Erzeugung, Netze und Vertrieb zusammenspielen. Wenn eine Straße geöffnet wird, müssen Strom, Wärme, Wasser und gegebenenfalls Glasfaser gemeinsam betrachtet werden. Das spart Kosten und macht Investitionen effizienter.
Der Kunde sucht nicht nur einen Lieferanten, sondern einen Partner, der ihn durch volatile Strom- und Gasmärkte führt, Beschaffungs- und Erzeugungsrisiken bewertet und die passende Lösung entwickelt. Diese Partnerschaften können im Contracting zehn Jahre oder länger dauern.
Lesen Sie im ersten Teil des Interviews mit Carsten Liedtke, warum die SWK ihr Vertrieb und Erzeugung neu aufstellt.