Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur (BNetzA) haben im ersten Halbjahr 2026 rund 1,1 Millionen Haushalte ihren Gasanbieter gewechselt – zwei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei den Stromkunden zeichnet sich eine andere Tendenz ab: Hier ging die Zahl der Lieferantenwechsel leicht zurück.
Der Wettbewerb auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt bleibt intensiv. Für Stadtwerke und andere Versorger ist der Lieferantenwechsel ein Seismograf für die Marktlage. Kunden reagieren auf Preisabstände, aber auch auf Sicherheit und Transparenz. Die BNetzA-Daten zeigen, dass der Wettbewerb Haushalte besonders dann mobilisiert, wenn Einsparungen klar erkennbar sind.
Im Durchschnitt konnten Stromkunden zwischen 143 und Gaskunden zwischen 110 Anbietern wählen. Insgesamt sind in Deutschland mehr als 1400 Stromlieferanten und knapp 1100 Gaslieferanten tätig. Die Preisangaben der BNetzA beziehen sich auf den Stichtag 1. April 2026, die Wechselzahlen auf das erste Halbjahr.
Preisrückgänge vor Eskalation in Iran
Die geopolitischen Krisen wirkten sich im Jahresverlauf vor allem auf die Neukundenpreise aus. Beim Strom stieg der modellierte Tarif von durchschnittlich 35,39 Cent je Kilowattstunde im ersten Halbjahr auf 38,62 Cent im September – ein Plus von rund neun Prozent. Die BNetzA verweist dabei unter anderem auf den Iran-Konflikt und gestiegene Beschaffungskosten.
Beim Gas erhöhte sich der modellierte Neukundenpreis im selben Zeitraum von 10,13 auf 11,33 Cent je Kilowattstunde. Da die Großhandelspreise zeitverzögert auf die Endkundentarife durchschlagen, rechnete die Behörde für Oktober mit weiteren Anstiegen. Damit dürfte auch der finanzielle Anreiz für einen Lieferantenwechsel abnehmen.
Weniger Wechsler bei Strom
Im Strombereich wechselten im ersten Halbjahr 2026 rund 3,7 Millionen Haushalte ihren Lieferanten. Im Vorjahreszeitraum waren es 3,8 Millionen. Die Zahl der Wechsel ging damit um rund zwei Prozent zurück.
Die Bundesnetzagentur schätzt den durchschnittlichen Neukundenpreis für das erste Halbjahr auf 35,39 Cent je Kilowattstunde. Daraus ergibt sich für die Wechsler eine geschätzte Entlastung von insgesamt rund 331 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch etwa 454 Millionen Euro. Ausschlaggebend war vor allem der kleinere Abstand zwischen Neu- und Bestandskundentarifen.
Der durchschnittliche Bestandskundenpreis sank zum 1. April auf 37,96 Cent je Kilowattstunde, nach 40,05 Cent im Vorjahr. In der Grundversorgung kostete Strom 41,23 Cent, bei einem anderen Lieferanten 36,85 Cent. Der Abstand entsprach bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden einem Sparpotenzial von rund 153 Euro.
Der Strompreisrückgang war allerdings nicht allein ein Ergebnis des Wettbewerbs. Die durchschnittlichen Netzentgelte sanken um rund 14 Prozent auf 9,17 Cent je Kilowattstunde. Hauptgrund war der Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzkosten.
Im Jahresverlauf drehte sich der Markt: Im September lag der modellierte Neukundenpreis bereits bei 38,62 Cent. Gestiegene Beschaffungskosten dürften die Wechselbereitschaft künftig dämpfen.
Mehr Kunden wechseln Gasanbieter
Bei Gas zeigt sich ein anderes Bild. Rund 1,1 Millionen Haushalte wechselten im ersten Halbjahr ihren Lieferanten – zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Gemessen an rund 12,8 Millionen Haushalten wechselte damit fast jeder neunte Kunde.
Der durchschnittliche Bestandskundenpreis blieb mit 12,16 Cent je Kilowattstunde nahezu stabil. In der Grundversorgung waren es 13,01 Cent, bei einem Wettbewerber 11,86 Cent. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entsprach der Preisabstand einem Sparpotenzial von etwa 230 Euro.
Der größere Preisvorteil schlug auch in der Gesamtbilanz durch: Nach dem BNetzA-Modell zahlten Neukunden im ersten Halbjahr durchschnittlich 10,13 Cent je Kilowattstunde. Für die Wechsler ergibt sich daraus eine geschätzte Entlastung von rund 455 Millionen Euro – deutlich mehr als die 285 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Maßgeblich war der größere Abstand zwischen Neu- und Bestandskundenpreisen.
Die stabile Gasrechnung verdeckt gegenläufige Entwicklungen. Zwar sanken die Beschaffungskosten bis zum 1. April um etwa zehn Prozent. Gleichzeitig stiegen die Netzentgelte um rund 13 Prozent, die CO₂-Abgabe um etwa 18 Prozent. Auch KANU 2.0 treibt die Netzentgelte zunächst nach oben, weil Netzbetreiber Gasnetze schneller abschreiben können. Langfristig soll dies überhöhte Entgelte bei einer schrumpfenden Nutzerbasis vermeiden.
Hinzu kommen unterschiedliche Beschaffungsstrategien: Grundversorger kaufen häufig langfristiger und konservativer ein und geben Marktbewegungen verzögert weiter. Wettbewerbliche Anbieter reagieren stärker auf Großhandelspreise. Im September lag der modellierte Gas-Neukundenpreis bei 11,33 Cent und damit rund zwölf Prozent über dem Halbjahresdurchschnitt. Seit April waren die Gasgroßhandelspreise um rund 60 Prozent gestiegen. Das dürfte die Preisvorteile im weiteren Jahresverlauf schmälern.