An den Großhandelsmärkten ist der Preis für Erdgas am Mittwoch (28. Oktober) erstmals seit dem Jahr 2022 bis auf 100 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen. Zuletzt lag der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam bei 100,30 Euro je MWh. Das waren 4,12 Prozent mehr als am Vortag. Am frühen Nachmittag sank die Notierung dann wieder auf 99,69 Euro ab.
Der Gaspreis hat zuletzt mehrfach mehrjährige Höchststände erreicht. Zum Monatsanfang hatte der Preis noch bei 70 Dollar gelegen. Seit Beginn des Jahres hat sich der Erdgaspreis für den Rohstoff mehr als verdreifacht.
Auch länger laufende Terminprodukte auf hohem Niveau
Dass die Marktteilnehmer weiterhin nicht von einer schnellen Entspannung ausgehen, zeigt der Blick auf länger laufende Terminprodukte: Der Kontrakt für's erste Quartal 2027 notierte bei über 97 Euro, für das zweite Quartal 2027 immerhin noch bei über 77 Euro. Für das Gesamtjahr 2027 kostet der Terminkontrakt mittlerweile über 79 Euro, für das CAL 2028 immerhin über 49 Euro.
Zuletzt hatte sich Erdgas zu Beginn des Ukraine-Kriegs kräftig verteuert. Damals im Jahr 2022 war der Preis noch viel höher, bis auf über 300 Euro je MWh, gesprungen.
USA sollen neuen Militärschlag gegen Iran planen
Wesentlicher Preistreiber bleibt der Iran-Krieg. Die USA haben einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge mehrere Staaten am Persischen Golf aufgefordert, sich auf einen Militäreinsatz gegen den Iran nach den US-Zwischenwahlen vorzubereiten. Die Zeitung berief sich auf nicht namentlich genannte Personen, die über die Gespräche informiert worden seien.
Dem Bericht zufolge gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass die USA und Israel eine neue Phase intensiver Kampfhandlungen vorbereiten. US-Präsident Donald Trump habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen, neige aber zu einem umfangreichen Angriff nach den Wahlen am 3. November.
Niedrige Gasspeicher-Füllstände bergen zusätzliche Preisrisiken
Ein weiterer Preistreiber ist das verstärkte Auffüllen der deutschen Gasspeicher vor dem Winter. Deutschland ist als größte europäische Volkswirtschaft seit Wochen bemüht, die Gasreserven zu erhöhen. Im vergangenen Monat wurde das staatliche Unternehmen SEFE Securing Energy for Europe angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicherbestände zu beschaffen. Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu mehr als 61 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr hatte der Speicherstand bei etwa 75 Prozent gelegen.