Das Kraftwerk in Flensburg bereitete seinem Betreiber Anfang 2025 Schwierigkeiten.

Das Kraftwerk in Flensburg bereitete seinem Betreiber Anfang 2025 Schwierigkeiten.

Bild: © Stadtwerke Flensburg

Die Stadtwerke Flensburg stellen sich beim Kundenwachstum hohe Ansprüche, bleiben aber dahinter zurück. Am Freitag, 26. Juni, berichtete der Vorstand zur Unternehmensbilanz für 2025 und gab Eindrücke in das Endkundengeschäft. So hätten die Flensburger mit 330.000 Kundinnen und Kunden zwar um vier Prozent zugelegt, aber eigentlich gerne mehr Wachstum gesehen, erklärte der Kaufmännische Geschäftsführer Julian Wollscheidt.

Ein Grund dafür, neben höheren Verlustübernahmen für den ÖPNV, sei ein technischer: "Die Umstellung auf den 24-Stunden-Lieferantenwechsel hat uns systemseitig viele Probleme bereitet, sodass wir zeitweise gar keine Lieferantenwechsel im System durchführen konnten." Am 1. Oktober hätte der Energievertrieb daher komplett eingestellt werden müssen – unpassend in der Wechselsaison rund um das Jahresende.

Julian Wollscheidt hat vor einem Monat die Geschäftsführung von Interimsmanager Dirk Thole übernommen. Der hinterlässt ihm ein stabil aufgestelltes Haus. Ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2025 haben sie Stadtwerke mit 838 Millionen Euro (2024: 865 Millionen Euro) stabil gehalten. Das Jahresergebnis nach Steuern sank um 3,3 Millionen Euro auf 7,2 Millionen Euro. Grund dafür sind laut Technischem Geschäftsführer Karsten Müller-Janßen Einschränkungen bei der Anlagenverfügbarkeit im Flensburger Kraftwerk, weshalb geplante Strommengen nicht am Markt platziert werden konnten.

Während der Stromverkauf, der fast zwei Drittel des Umsatzes der Stadtwerke Flensburg ausmacht, aufgrund der erwähnten Sondereffekte stagnierte, konnten laut Bericht vor allem die Kunden- und Absatzzahlen in den Bereichen Gas und Telekommunikation deutlich gesteigert werden. Auch die enormen Investitionen in den so gut wie abgeschlossenen flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes in Flensburg, Glücksburg und Harrislee machten sich demnach im Geschäftsjahr 2025 bezahlt. "Mit über 22.000 Kunden im Bereich Telekommunikation konnten wir im Geschäftsjahr 2025 einen entscheidenden Schritt hin zur Profitabilität dieses jungen Geschäftsbereiches gehen und für unsere Stadt und Region einen gewaltigen Standortvorteil aufbauen", so Wollscheidt.

Herausforderung ÖPNV und Zukunftsinvestitionen

Wie überall in der Branche kommen die Stadtwerke Flensburg in den Investitionshochlauf, der ist allerdings auch an Bedingungen geknüpft. "Im Moment gehen wir davon aus, dass wir die Transformation aus dem Konzern heraus finanzieren", sagt Wollscheidt. "Möglich ist das aber nur über die Zuwendung, die wir von der Stadt für den öffentlichen Personennahverkehr bekommen. Ohne Unterstützung – von der Kommune direkt oder vom Land und Bund in Richtung der Kommunen – würden wir uns wahrscheinlich sehr wenig leisten können, bis hin zu einer Angebotsreduzierung."

Julian Wollscheidt ist seit 2022 Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen im Saarland.

Ohne Förderung müssten wir die Beschaffung von Elektrobussen erst einmal auf Eis legen.

Julian Wollscheidt

Kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg

Es gäbe einen klaren Plan aus dem Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs heraus. "Wir haben bereits viel investiert und wollen über die neue Förderkulisse versuchen, eine Förderung zu bekommen, um die nächste größere Charge an Elektrobussen mit Förderung beschaffen zu können", so der Geschäftsführer, "doch ohne Förderung müssten wir die Beschaffung von Elektrobussen erst einmal auf Eis legen. Dann müssten wir hinsichtlich der Finanzierung deutlich genauer schauen."

Kredite können die Stadtwerke im Moment finanzieren, doch werden auch sie aufpassen müssen, wie sich ihr Eigenkapital in der Zukunft entwickelt. Die Eigenkapitalquote des kommunalen Unternehmens liege mit rund 39 Prozent aufgrund deutlich gestiegener Investitionen und dem Anstieg der Bilanzsumme um 56,5 Millionen Euro auf 723,3 Millionen Euro unter dem Vorjahr (43 Prozent), bewege sich aber immer noch in einem sehr guten Bereich.

"Der Gesellschafter ist hundert Prozent committed, die Stadtwerke zu behalten – als hundertprozentige Tochter", erklärt Jörg Blumenberg, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Flensburg. Umgekehrt sei das Management hundert Prozent committed, die Versorgung in der Stadt sicherzustellen, "möglichst ohne den Haushalt weiter zu belasten, sondern eventuell wie in der Vergangenheit zum Haushalt beizutragen." Man habe Wollscheidt unter anderem deshalb nach Flensburg geholt, weil er sich mit komplexen Finanzierungskonstrukten auskenne.

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