Weiter auf Wachstumskurs: Die Trianel-Geschäftsführer Sven Becker (Sprecher, links) und Oliver Runte

Weiter auf Wachstumskurs: Die Trianel-Geschäftsführer Sven Becker (Sprecher, links) und Oliver Runte

Bild: © Trianel

Flexibilität ist der Schlüssel zur Energiewende. Daran ließen die Verantwortlichen der Stadtwerkekooperation Trianel an der Bilanzpressekonferenz gestern keinen Zweifel. Flexibilität sei für Stadtwerke jeder Größe perspektivisch ein wichtiges strategisches Thema. Wenn Stadtwerke auch künftig im Energiegeschäft tätig sein wollen, müssten sie dieses Geschäftsfeld besetzen und entsprechende Kompetenzen ausprägen, verdeutlichte Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung. Zudem seien die Margen in diesem Bereich deutlich höher als im Commoditygeschäft.

Riesiges Batteriespeicherprojekt in Waltrop nimmt Form an

Trianel steht kurz vor dem Baubeschluss für eines nach eigenen Angaben der größten Batteriespeicherprojekte in Deutschland. Es soll im westfälischen Waltrop gemeinsam mit kommunalen Partnern, dem institutionellen Investor Luxcara und der Schweizer BKW umgesetzt werden. In den nächsten Wochen wird der Investitionsbeschluss für die Anlagen mit einer Gesamtleistung von 900 Megawatt und einer Speicherkapazität von 1800 Megawattstunden erwartet. Im zweiten Halbjahr 2028 ist die Inbetriebnahme geplant.

Ohne ein Einlenken der Bundesnetzagentur beim Thema Vertrauensschutz und eine Fortführung der Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher wäre man längst nicht so weit, verdeutlichte Becker. "Durch die Unsicherheiten hat auch der Investitionsstandort Deutschland Schaden genommen, wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", resümierte er.

Kritik am Entwurf zum Kraftwerksgesetz

Waltrop ist für Trianel ein Leuchtturmprojekt, ebenso wie das geplante Wasserstoff-Kraftwerk in Hamm. Mit dem aktuell im Entwurf zum Kraftwerksgesetz (Strom VKG) vorgesehenen Ausschreibungsdesign wäre eine Teilnahme an einer Ausschreibung schwierig, verdeutlichte Becker. Kleine und mittlere Unternehmen seien massiv benachteiligt, unter anderem bei dem Thema Gebotshöhe und der Höhe der zu stellenden Sicherheiten. Deshalb lobbyiere man im Hintergrund gemeinsam mit anderen Unternehmen für Änderungen und mehr Akteursvielfalt.

Solides Jahresergebnis, fünftes Jahr in Folge über Plan

Neben dem Auf- und Zubau von Flexibilitäten setzt Trianel auch auf Co-Location-Projekte und die Vermarktung flexibler Assets. Flexibilität bildet mittlerweile die dritte Säule im Geschäft der Stadtwerkekooperation. Alle drei Geschäftsfelder lagen im vergangenen Geschäftsjahr über Plan. Das Ergebnis vor Steuern für 2025 halbierte sich für das Gesamtunternehmen zwar auf 46,5 Millionen Euro (2024: 92,5 Mio. Euro), dennoch lag es knapp ein Drittel über dem Planergebnis – "und das in einem herausfordernden Marktumfeld", wie Sven Becker betonte. Ein Trend der seit 2020 anhält.

Die sehr erfolgreichen Abschlüsse in 2023 und 2024 habe man in "absoluten Ausnahmejahren" erzielen können. "Wir wussten, dass wir dieses Niveau nicht werden halten können", so der Sprecher der Geschäftsführung – vor allem aufgrund des niedrigeren Strompreisniveaus. Dies hinterließ auch deutliche Spuren bei der Umsatzentwicklung, der Umsatz sank um knapp ein Viertel auf rund 6,5 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss liegt bei 35, 1 Millionen Euro (2024: 58,8 Mio. Euro). Rund 80 Prozent des Jahresüberschusses wird an die Gesellschafter ausgeschüttet.

Als Gründe für die soliden Zahlen führt Trianel unter anderem die erfolgreich umgesetzte Handelsstrategie und sehr erfolgreich umgesetzte Optimierungsgeschäfte an. Auch die Projektentwicklung habe hier wichtige Ergebnisbeiträge geleistet.

Integration in europäische Handelsmärkte als Erfolgsfaktor

"Positiv auf unser Geschäft hat sich die weitere regionale Diversifikation des Energiehandels im europäischen Umfeld ausgewirkt", erklärte Geschäftsführer Oliver Runte, dessen Vertragsverlängerung bis Ende 2030 bereits am Vortag bekannt gegeben worden war. Als Beispiele nannte er die Aktivitäten in Tschechien und die Eröffnung eines Handelsbüros in London. Es werde angestrebt, weitere osteuropäische Märkte sinnvoll in die Handelsstrategie einzubinden. Die europäischen Handelsaktivitäten ermöglichten es, die Marktexpertise deutlich auszubauen und Trends zu identifizieren.

Gut gefüllt ist weiterhin die Pipeline für Wind, PV- sowie Batteriespeicherprojekte. Knappe 170 MW an PV-Anlagen wurden laut Sven Becker im vergangenen Jahr in den Markt gebracht, zudem befinden sich 120 MW an neuen Windanlagen im Bau. Zusätzlicher Spielraum in diesem Geschäftsfeld wird durch die Gewinnung neuer Investoren ermöglicht.

Wie künstliche Intelligenz den Energiehandel verändert

Neben der Projektentwicklung wird Trianel auch weiter ihre handelsnahen Dienstleistungen ausbauen, um mit ihren Kunden die Integration der Erneuerbaren zu ermöglichen. "Ein wesentlicher Baustein für die Weiterentwicklung unserer Handelsaktivitäten wird in den nächsten Jahren die Integration von künstlicher Intelligenz in unsere Prozesse sein", hebt Oliver Runte hervor. Das Handelsgeschäft sei heute schon stark datengetrieben und könne von den neuen Möglichkeiten stark profitieren. Entsprechend analysiere man gerade die Möglichkeiten, "die sich konkret für unsere Prozesse daraus ergeben".

Geopolitische Ereignisse gewinnen im Handel an Bedeutung

Die Situation am Gasmarkt bewertet Runte als "weitgehend entspannt". Der Markt gehe davon aus, dass der Iran-Krieg in absehbarer Zeit beendet sein wird und man zu einem Preisniveau wie vor dem Beginn des Konflikts zurückkehren werde. "Ich kann nur jedem raten, nicht zu warten, sondern sukzessive Mengen zu kaufen", so der Handelschef der Trianel. Die Gasspeicher seien derzeit zu einem Drittel gefüllt, es gebe genügend LNG im Markt. Sollte der Konflikt kurzfristig wieder aufflammen, könne sich die Lage schnell wieder ändern. Generell seien die Märkte immer stärker von geopolitischen Ereignissen geprägt. "Es gibt starke globale Effekte aus dem LNG-Markt heraus, wir müssen uns auch künftig auf entsprechende Volatilitäten einstellen", betonte Runte.

Elektrolyseur-Projekt in Hamm liegt weiter auf Eis

Auch im laufenden Jahr will Trianel den Wachstumskurs fortsetzen und peilt ein Planergebnis über dem von 2025 an. "Viel hängt für unsere weitere strategische Planung von den bevorstehenden Reformen beim EEG, beim Strommarktdesign sowie bei den Netzentgelten ab. Die Novellierungen müssen auch in Zukunft Investitionen ermöglichen und den Netzausbau und die Versorgungssicherheit wirksam im Blick halten", erklärte Sven Becker.

Der Bau eines Elektrolyseurs in Hamm ist aber weiterhin vorerst auf Eis gelegt. "Wir beobachten die regulatorische Entwicklung", erklärte Becker. Wichtig sei jetzt ein Anschub, der eine Nachfrage nach Wasserstoff generiere. So könnten Projekte in den Markt kommen und eine Wasserstoffinfrastruktur refinanziert werden. Die bisher vorliegende Nachfrage für den Standort Hamm, unter anderem durch die Stadtwerke Hamm, reiche aktuell nicht aus, um künftig einen Elektrolyseur in der Größenordnung von 20 Megawatt zu bauen.

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