"Ein sinnvoll eingesetzter Batteriespeicher führt keinesfalls zu einer Netzbelastung", sagt Solar-Unternehmer Gerd Schöller. Das Foto zeigt einen Batteriespeicher-Park auf dem Gelände seines Unternehmens Schoenergie in Föhren bei Trier.

"Ein sinnvoll eingesetzter Batteriespeicher führt keinesfalls zu einer Netzbelastung", sagt Solar-Unternehmer Gerd Schöller. Das Foto zeigt einen Batteriespeicher-Park auf dem Gelände seines Unternehmens Schoenergie in Föhren bei Trier.

Bild: © Dana Schöller

Um die Stromnetze dauerhaft zu entlasten und deren Ausbau mit dem der Erneuerbaren besser zu synchronisieren, braucht es eine neue Diskussionskultur und ein anderes Mindset – und mehr Offenheit und gegenseitiges Verständnis zwischen Projektierern und Verteilnetzbetreibern. Davon ist Gerd Schöller, Geschäftsführer des Solarunternehmens Schoenenergie, überzeugt. Flexibilitäten würden auch für kleinere und mittlere Stadtwerke ein wichtiges strategisches Thema.

Nur weil Netzbetreiber ein Vielfaches an Anschlussanfragen haben, müssen sie nicht handlungsunfähig sein.


Viele Verteilnetzbetreiber fühlten sich angesichts einer Fülle von Anschlussanfragen, gerade auch für Speicher, zeitweilig überfordert. "Nur weil die Netzbetreiber ein Vielfaches an Anfragen haben, müssen sie nicht handlungsunfähig sein. Sie können die Spielregeln mitbestimmen und müssen beim Thema Flexibilitäten perspektivisch Herr im Hause sein", sagt der Projektierer aus Föhren bei Trier.

Viel beachteter Feldversuch zur Netzentlastung durch Großbatteriespeicher mit insgesamt rund 45 Partnern (von links): Gerd Schöller (CEO Schoenergie), Volker Schöller (CTO Schoenergie), Jana Messmer (Referentin Innovationsmanagement Westnetz), Ingo Liere-Netheler (Referent Innovationsmanagement Westnetz). Jana Messmer und Ingo Liere-Netheler sind die Projektverantwortlichen für das Forschungsprojekt Surevive bei Westnetz (Konsortialführer des Forschungsprojektes).Bild: © Dana Schöller

Für viele Stadtwerke seien Flexibilitäten, insbesondere Batteriespeicher, zweifellos ein neues Thema. Oft fehle die Zeit für eine intensive Beschäftigung damit angesichts der Fülle an anderen Herausforderungen in der Energieversorgung und Daseinsvorsorge. Dennoch müssten kommunale Versorger hier eine Strategie entwickeln und den Fahrersitz übernehmen.

Eine Möglichkeit, um hier wirksam Entlastung im Verteilnetz zu schaffen, sieht er in flexiblen Netzanschlussverträgen (FCA). "Es geht darum zu schauen, wie diese FCAs sinnvoll aussehen können, so dass Speicher noch betrieben werden können", so Schöller. In der Pfalz etwa unterstützt Schoenergie in einem Pilotprojekt einen Versorger, dessen Umspannwerk in den Hochzeiten der Stromerzeugung durch Erneuerbare voll ist, mit Hilfe von Speichern für Entlastung zu sorgen und entsprechende Fahrpläne zu erstellen.

Die aktuelle Konfrontation zwischen Netzbetreibern und Erneuerbarenbranche bringt die Energiewende keinen Schritt weiter.

"Ein gut eingesetzter Batteriespeicher führt auf gar keinen Fall zu einer Netzbelastung", ist Schöller überzeugt. Aktuell gebe es aber noch viele Akteure im Markt, die einfach von zwangsläufigen Marktreaktionen ausgingen, die dazu führten, dass Batteriespeicher auf eine bestimmte Art und Weise liefen. "Das führt aber dazu, dass Batteriespeicher eigentlich genau das Gegenteil von dem tun, was sie tun sollen und die guten Eigenschaften des Speichers gar nicht ausgespielt werden." 
 
Die aktuelle Konfrontation zwischen Netzbetreibern und Erneuerbarenbranche bringe die Energiewende keinen Schritt weiter. Er verstehe beide Positionen. Den geleakten Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums (Stichwort Netzpaket) hält er zwar für unausgewogen und einseitig zu Gunsten der Netzbetreiber – denn die begrenzte Netzanschlusskapazität sei ein kostbares Gut, mit dem es hauszuhalten gelte – aber ein Redispatch-Vorbehalt werde allein schon deshalb nicht funktionieren, weil die größten Stromverbräuche in den Ballungszentren anfielen.

"Miteinander, statt übereinander reden"

Um aus dem Teufelskreis von gegenseitigen Schuldvorwürfen heraus und nach vorne zu kommen, müsse das Thema Netzkapazitäten mehrdimensional betrachtet werden und man müsse miteinander und nicht übereinander reden. "Wichtig ist es, offene Räume und Gelegenheiten zu schaffen, um Fragen zu stellen und miteinander über Flexibilitäten zu reden", sagt Schöller.
 
Das hat er auf kleiner Ebene mit der Bank DKB und dem Wechselrichtersteller SMA und Stadtwerkevertretern vor einigen Monaten bei einer Informationsveranstaltung gemacht. "Da ging es vor allem darum, dass die Stadtwerke einmal offen Fragen stellen konnten und man über die konkreten Problemstellungen vor Ort und die technischen, kaufmännischen, aber auch die Finanzierungsfragen sprechen konnte", verdeutlicht Schöller.

Viel beachtetes Forschungsprojekt mit Großbatteriespeicher

Wie man ganz konkret die Gräben zwischen Erneuerbarenbranche und Netzbetreibern überwinden und gemeinsam nach Lösungen suchen kann, beweist Schöller aktuell in einem gemeinsamen Pilotprojekt seit Oktober vergangenen Jahres in Föhren mit rund 45 Partnern, darunter auch Westnetz, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, die Universität Stuttgart, SMA und die Stadtwerke Trier.
 
Dort wird getestet, wie ein Großbatteriespeicher mit einer Leistung von 55 Megawattstunden gesteuert werden kann, um Engpässe im Netz zu entlasten. Das Besondere an dem Projekt: Es geht um eine neue, netzbildende Rolle des Speichers und seiner Steuerungstechnik. Er nimmt Strom auf, wenn lokal viel Energie vorhanden ist und gibt ihn später wieder ab. Das hilft, Engpässe im Netz zu entlasten und den Ausbaubedarf der Energienetze zu verringern. "Surevive" heißt das Forschungsprojekt, in dem erprobt wird, wie der Speicher das Stromsystem selbst aktiv stabilisieren und so helfen kann, Frequenz und Spannung auch bei Schwankungen konstant zu halten.

Buch zeigt Sicht eines Praktikers auf die Energiewende

"Unter Hochspannung"

»Heiz-Hammer«, Windräder-Abriss-Träume und Mythen über Solaranlagen: Die Debatte über die deutsche Energiewende ist nach Einschätzung des Solar-Unternehmers Gerd Schöller aus dem Ruder gelaufen. Zwischen Panikmache und blauäugigem Optimismus fehle oft das Wichtigste: die Sicht der Praktiker. In seinem ersten Buch "Unter Hochspannung" zeigt Schöller auf, wie die Energiewende gelingen kann. Das Buch liefere "Antworten für alle, die nicht nur debattieren, sondern endlich Lösungen sehen wollen", heißt es in der Pressemitteilung des Oekom-Verlags. Der Titel ist Ende August 2025 erschienen und schaffte zeitweilig den Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher.

Erste Tests im Mittelspannungsnetz waren laut Westnetz erfolgreich. Der Speicher könne perspektivisch Aufgaben übernehmen, die heute noch vor allem konventionelle Kraftwerke erfüllten, heißt es.
Der erste Feldtest fand in einem sicheren Versuchsnetz statt, bei dem keine weiteren Verbrauchs- und Erzeugungseinheiten einbezogen waren. In den nächsten Schritten sollen die umliegenden Photovoltaikanlagen (PV) in die Versuche integriert werden. Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Ausbildung bei den Stadtwerken Trier

"Wir testen im Reallabor die netzbildenden Funktionen eines Speichers", verdeutlicht Schöller. Dabei gehe es auch um die Bereitstellung von Momentanreserve und die sogenannte Schwarzstartfähigkeit, um die Netze wieder hochfahren zu können.

 Für Schöller steht das Projekt sinnbildlich dafür, wie man gemeinsam, die Energiewende vorantreiben kann. "Es geht um das Interesse an Neuem, um Offenheit füreinander. Die Netzbetreiber verdeutlichen, was sie brauchen und wir zeigen, dass wir etwas können und das probieren wir in einem gemeinsamen Feldversuch aus", bekräftigt er.

Dass Gerd Schöller aktiv versucht, Brücken zwischen Erneuerbarenbranche und Netzbetreibern zu schlagen, hängt auch mit seinem Werdegang zusammen. Sein Vater war Leiter der Erzeugung bei den Stadtwerken Trier. Gerd Schöller selbst hat dort eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. Sein Bruder Volker wurde bei der Westenergie ausgebildet. Die insgesamt vier Brüder führen gemeinsam das mittelständische, inhaberfinanzierte Unternehmen mit rund 370 Mitarbeitenden, das auf Lösungen im Bereich Kombi-Kraftwerke, Solaranlagen und Batteriespeicher spezialisiert ist. Ursprünglich machten Kombi- und Solarkraftwerke den Löwenanteil der Geschäftsaktivitäten aus, das werde sich in den kommenden Jahren aber immer stärker in Richtung Speicher und Flexibilitäten verlagern, prognostiziert Gerd Schöller.



 

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