Viele von uns sind sich bewusst, dass IoT-Geräte ein Sicherheitsrisiko darstellen können, aber diese Forschung zeigt, wie selbst die banalsten, scheinbar ‚dummen‘ Geräte, wie Glühbirnen, von Hackern ausgenutzt werden können, um Netzwerke zu übernehmen oder Malware zu verbreiten“, erklärt Yaniv Balmas, Head of Cyber Research bei Check Point. Der nach eigenen Angaben weltweit führende Anbieter von Cyber-Sicherheitslösungen hat sich darauf spezialisiert, Schwachstellen aufzudecken. In diesem Fall entdeckte das Unternehmen eine Lücke, mit der Hacker Lösegeld oder andere Malware an Geschäfts- und Verbraucher-Netzwerke schicken hätten können, indem sie intelligente Glühbirnen und deren Controller übernommen hätten. Betroffen war Philips Hue.
Der Hersteller hat nun eine gepatchte Firmware-Version herausgegeben, die über ein automatisches Update verfügbar ist. Jüngere Modelle der Hue-Glühbirnen würden zudem die Schwachstelle nicht mehr besitzen. „Es ist entscheidend, dass Unternehmen und Einzelpersonen sich vor diesen möglichen Angriffen schützen, weswegen sie ihre Geräte mit den neuesten Patches aktualisieren und zusätzlich von anderen Maschinen in ihren Netzwerken trennen sollten, um die mögliche Verbreitung von Malware zu begrenzen. In der komplexen Angriffslandschaft der fünften Generation können wir es uns nicht leisten, die Sicherheit von irgendetwas, das mit unseren Netzwerken verbunden ist, zu vernachlässigen“, rät Fachmann Balmas.
Hintergrund
In einer Analyse zur Sicherheit von ZigBee-gesteuerten, intelligenten Glühbirnen, die 2017 veröffentlicht wurde, konnten Forscher bereits die Kontrolle über eine Philipps-Hue-Glühbirne in einem Netzwerk übernehmen, bösartige Firmware darauf installieren und sich auf benachbarte Glühbirnen ausbreiten. Unter Ausnutzung dieser verbleibenden Schwachstelle beschlossen die Check-Point-Forscher, einen Schritt weiter zu gehen und die Glühbirne als Plattform zu verwenden, um die Kontrolleinheit der Glühbirnen zu übernehmen und schließlich das Heimnetzwerk anzugreifen.
Das Angriffsszenario sah im Detail laut Check Point folgendermaßen aus:
- Hacker kontrollieren die Farbe oder Helligkeit der Glühbirne, um die Benutzer glauben zu machen, die Glühbirne habe eine Störung. Sie erscheint in der Kontrollanwendung als 'Unerreichbar', weswegen der Käufer versuchen wird, das Leuchtmittel ‚zurückzusetzen‘.
- Die einzige Möglichkeit, die Glühbirne ‚neuzustarten‘, ist, sie aus der Anwendung zu löschen und den Controller anzuweisen, die Glühbirne wieder zu finden.
- Der Controller entdeckt die kompromittierte Glühbirne wie gewohnt und der Benutzer fügt sie in sein Netzwerk ein.
- Die von Hackern kontrollierte Lampe mit schädlicher Firmware nutzt dann die Schwachstellen des ZigBee-Protokolls, um einen Pufferüberlauf auf der Steuerung auszulösen, wofür sie eine sehr große Datenmenge sendet. Diese Datenpakete ermöglichen es dem Hacker zudem, heimlich eine Malware auf dem Controller zu installieren – der wiederum mit dem restlichen Netzwerk verbunden ist.
- Die Malware verbindet sich mit dem Hacker und kann über eine bekannte Schwachstelle (wie EternalBlue) von der Kontrollbrücke aus in das Ziel-IP-Netzwerk eindringen, um Ransomware oder Spyware zu verbreiten. (sg)
