Auf der 7. Prüfstellentagung der "a:m+i"  in Düsseldorf wurden unterschiedliche Perspektiven des Mess- und Eichrechts diskutiert.

Auf der 7. Prüfstellentagung der "a:m+i" in Düsseldorf wurden unterschiedliche Perspektiven des Mess- und Eichrechts diskutiert.

Bild: © Gennady Danilkin/AdobeStock

Der Steuerungsrollout tritt in eine neue Phase ein. Noch ist er nicht flächendeckend hochskaliert, zugleich ist die Branche aus Sicht des VDE FNN über den Punkt hinaus, an dem grundsätzliche technische Fragen geklärt werden müssen. "Es ist alles da, was man braucht, um anzufangen und zu starten", erklärte Frank Borchardt vom VDE FNN auf der 7. spartenübergreifenden Prüfstellentagung der Agentur für Messwertqualität und Innovation ("a:m+i") in Düsseldorf.

Die Herausforderung sieht Borchardt weniger bei der Hardware als bei Prozessen und Regelwerken. Netzorientierte Steuerung, EEG-Anlagen, Redispatch und weitere Eingriffe folgten teils unterschiedlichen Logiken. Der FNN will sie stärker zusammenführen und die Steuerung am Netzanschlusspunkt zum zentralen Bezugspunkt machen.

Vom Einzelgerät zum Netzanschlusspunkt

Der Verteilnetzbetreiber soll am Netzanschlusspunkt die physikalischen Leitplanken setzen. Das früher als Hüllkurve bezeichnete Modell entwickelt der FNN inzwischen zum Flexbandkonzept weiter. Es beschreibt den Leistungsbereich, in dem sich Kunden, Lieferanten und Energiemanagementsysteme frei bewegen können, ohne dass der Netzbetreiber eingreift. Erst wenn diese Grenzen erreicht werden, greift das Netz ein.

Besonders relevant wird das in Mehrparteienhäusern. Hier diskutiert der FNN einzelne Steuerungen je Einheit oder eine gemeinsame Steuerung über ein Energiemanagementsystem. Aus technischer Sicht favorisiert Borchardt die gemeinsame Variante. Die intelligenten Messsysteme dürften nicht nur "in der Zahnarztallee" landen. Offen ist allerdings, wer in größeren Gebäuden die Steuerungsrolle übernimmt – etwa Vermieter, Wohnungsunternehmen oder Eigentümergemeinschaften.

WSW warnt vor Einheitslösungen

Wie unterschiedlich die Praxis aussieht, zeigte Bernd Forner von WSW Energie & Wasser. Das Mehrspartenunternehmen setzt bei Strom, Gas, Wärme und Wasser bewusst nicht auf eine einheitliche Kommunikationslösung. Beim Strom steht das intelligente Messsystem im Mittelpunkt, bei Wärme nutzt WSW Narrowband-IoT, bei Wasser bleibt die Fernübertragung eine Nische.

Forner machte zugleich deutlich, dass Digitalisierung nicht automatisch wirtschaftlicher ist. Im dicht besiedelten Wuppertaler Netzgebiet könne ein jährlicher Zählerstand weiterhin günstiger per Ableser oder Selbstablesung beschafft werden. "Die Praxis schlägt die Theorie", fasste er seine Beobachtungen zusammen. Eine Plattform für alles gebe es zwar – "aber das ist unser ERP-System".

Forner verwies zugleich auf die aus seiner Sicht nicht ausreichend stabilen gesetzlichen Rahmenbedingungen. WSW gehe deshalb davon aus, verschiedene Lösungen noch längere Zeit parallel zu betreiben.

Verbraucherzentrale fordert funktionierende Prozesse

Henning Herbst vom Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) setzte einen anderen Schwerpunkt. Aus Sicht des Verbands wird die Debatte zu stark über Einbauzahlen geführt. Entscheidend sei, ob Verbraucher ein installiertes intelligentes Messsystem anschließend tatsächlich nutzen können – etwa für dynamische Tarife, reduzierte Netzentgelte oder mehr Verbrauchstransparenz.

"Das entscheidende Kriterium ist, wie das ganze System zum Laufen kommt und wie die einzelnen Akteure ineinandergreifen", sagte Herbst. Der Verband beobachte Fälle, in denen Haushalte nach dem Einbau lange auf nutzbare Folgeprozesse warten. Herbst brachte deshalb eine stärkere Qualitätsregulierung ins Spiel und stellte die Frage, ob bei nicht funktionierenden Abläufen teilweise über Schadensersatz gesprochen werden müsse.

Einen möglichen Vollrollout mit herkömmlichen intelligenten Messsystemen sieht der VZBV aus Kostengründen kritisch. Eine Light-Variante lehnt der Verband für optionale Einbaufälle nicht grundsätzlich ab. Voraussetzung seien Freiwilligkeit, geringere Kosten, Datenschutz, Cybersicherheit und Eichrechtskonformität. "Wenn der Smart-Meter-light genauso viel kostet wie der Smart Meter, dann braucht man ihn nicht", sagte Herbst.

OMS als Brücke zwischen Kommunikationswegen

Wolfgang Esch von Weptech verwies in der Debatte auf das Open-Metering-System (OMS). Der offene Kommunikationsstandard soll dafür sorgen, dass Zähler und Sensoren verschiedener Hersteller und Sparten dieselbe "Sprache" sprechen – unabhängig davon, ob die Daten beispielsweise über Wireless M-Bus, LoRaWAN, NB-IoT oder Mioty übertragen werden.

Vieles von dem, was heute unter Smart-Meter-light diskutiert werde, lasse sich mit OMS und Dual-Stack-Lösungen bereits abbilden. Zähler könnten zunächst über andere Kommunikationswege angebunden und später auf das Smart-Meter-Gateway wechseln. "Das, was man heute im Bereich Smart-Meter-light diskutiert, haben wir vor Jahren eigentlich in der OMS schon umgesetzt", sagte Esch.

Mess- und Eichrecht gerät unter Druck

Beim Skalieren rückt für den FNN auch das Mess- und Eichrecht in den Fokus. Borchardt kritisierte, dass digitale Messgeräte durch Software-Updates länger genutzt werden könnten, die Verfahren dafür aber teilweise noch an einer analogen Gerätewelt orientiert seien. "Hier tun wir oft immer noch so, als wären wir noch im 20. Jahrhundert hängengeblieben", sagte er.

Wie konkret diese Reibungen sind, zeigte Peter Georg, Prüfstellenleiter bei der Deutschen Zählergesellschaft. Bei den von ihm befragten Mitgliedern von FNN und "a:m+i" waren seit 2019 insgesamt 130 Qualifikationsverfahren gestartet worden. 25 davon waren abgeschlossen, 24 erfolgreich. Ein Verfahren war wegen fünf Totalausfällen vorzeitig beendet worden. Wenn alle 400 Prüflinge ohne Totalausfall auf die Werkbank kämen, liege "die Chance, so ein Verfahren erfolgreich abzuschließen, bei nahezu 100 Prozent", sagte Georg.

Messtechnisch hätten die Geräte nach sechs Jahren sehr gut abgeschnitten. Probleme bereitete vielmehr die Organisation: Je Verfahren mussten 400 Geräte über sechs Jahre nachverfolgt werden. Zudem fehlte eine zentrale Übersicht. Teilweise seien baugleiche Geräte doppelt oder dreifach untersucht worden. Georgs Fazit: "Hier fehlt ganz klar die zentrale Steuerung: Sprich, welches Gerät ist überhaupt angemeldet? Wer weiß, was wo läuft? Keiner weiß es."

FNN, PTB und die Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen haben erste Punkte aufgegriffen. Die Darstellung von Messgerätefamilien wurde nach Georgs Angaben bereits vereinheitlicht, der jeweilige Verfahrensführer soll künftig im Extranet sichtbar werden. Georg stellte zugleich die grundsätzlichere Frage, welchen zusätzlichen Verbraucherschutz das Qualifikationsverfahren gegenüber dem etablierten Stichprobenverfahren tatsächlich schafft. Nach Georgs Darstellung hatte die PTB dafür eine Datenbasis mit rund 30 Millionen Stromzählern ausgewertet. Demnach waren zum Zeitpunkt der Stichprobenprüfung rund 98,5 Prozent der elektronischen Geräte messtechnisch in Ordnung gewesen. Offen bleibe, wie sich diese Qualität über die anschließende Verlängerungsdauer entwickelt.

Sicherheit endet nicht an der Steuerbox

Noch eine Baustelle wurde in Düsseldorf sichtbar: die Cybersicherheit hinter der abgesicherten Steuerungsinfrastruktur. Aus dem Publikum kam die Frage, welchen Nutzen eine hochsichere Steuerbox hat, wenn Wallboxen oder Wärmepumpen zugleich über Hersteller-Clouds erreichbar bleiben.

Borchardt vom VDE FNN bezeichnete das als ein Thema, das ihn "sehr massiv" umtreibe. "Wofür machen wir die Haustür sicher wie einen Panzerschrank, wenn hinten die Terrassentür sperrangelweit aufsteht." Die Steuerbox könne zwar eine Art Firewall für den Netzbetreiber bilden. Mit zusätzlichen Zugriffswegen über Herstellerplattformen müsse sich die Branche aber weiter beschäftigen.

Beim weiteren Hochlauf dürfte deshalb weniger die verfügbare Technik entscheiden als die Frage, wie schnell Prozesse, Regulierung und Sicherheitsanforderungen zusammengeführt werden.

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