Glasfaser für alle? Vielen Kundinnen und  Kunden reicht die aktuelle Internetgeschwindigkeit über Kupferkabel aus. Für Glasfasernetzbetreiber wird das zum Problem.

Glasfaser für alle? Vielen Kundinnen und Kunden reicht die aktuelle Internetgeschwindigkeit über Kupferkabel aus. Für Glasfasernetzbetreiber wird das zum Problem.

Bild: © Metelevan/AdobeStock

Glasfaser ist kein Selbstläufer. Davor warnen die Berater von PwC und das bekommen zunehmend auch kommunale Betreiber zu spüren. "Wer heute nicht die Monetarisierung seiner Netze in den Fokus stellt, riskiert morgen deren Wert", sagt Michael Driemeyer, Director Deals TMT bei PwC angesichts der neuen Studie des Beratungshauses.

Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Glasfasernetz der Stadtwerke Ahrensburg. Diese betreiben ein fortschrittlich ausgebautes Netz, das wurde bereits seit 2014 forciert. Nun zeigte sich: Die Anschlussquote ist zu gering, um den teuren Netzausbau zu refinanzieren. Die Glasfasersparte ist defizitär und belastet die Bilanz der Stadtwerke. Es wurde auch Thema der Politik: Die Stadtverordneten haben mittlerweile beschlossen, dass sich die Stadtwerke von dem Netz trennen oder es verpachten sollen.

PwC: Einbruch der wirtschaftlichen Realität

"Hohe Wachstumserwartungen prägten Anfang der 2020er-Jahre den deutschen Glasfasermarkt", heißt es in der PwC-Studie. Ein attraktives Zinsumfeld und Private-Equity-Investoren förderten expansive Ausbauambitionen. Deutschland galt demnach trotz langsamen Ausbaufortschritts als attraktiver Zukunftsmarkt. In den letzten Jahren erschwerten operative Hürden und begrenzte Marktdynamiken den Glasfaserausbau allerdings, seit 2025 erhöhe sich der Finanzierungs- und Restrukturierungsdruck, heißt es.

Aktuelle Beispiele zeigen demnach Insolvenzen (etwa Ruhrfibre und Metrofibre), Restrukturierungen sowie signifikante Abschreibungen. Viele Glasfaserunternehmen reduzierten ihre Ausbauziele.

Die Studie fokussiert drei Hypothesen zum aktuellen Glasfasermarkt:

  • Eine schwierige Monetarisierung des Ausbaus der Netzebene 4 (NE4) wird den Ausbau von Fiber-to-the-building (FTTB) zu FTTH deutlich verzögern.
  • Ohne Open Access lassen sich viele Netzinvestitionen nicht erfolgreich monetarisieren.
  • Das Abschreibungsrisiko von Glasfaserinfrastruktur steigt weiter an.

Kooperation als Lösung

Glasfaserunternehmen müssen sich laut den Beratern entweder optimieren, indem sie gezielte Maßnahmen zur Kundenaktivierung oder marktorientierte Preisstrukturen betreiben, oder Kooperationen eingehen. Alternativ bleibe nur der Ausstieg aus dem Geschäft.

Langfristig sind demnach mehrere Szenarien für den deutschen Glasfasermarkt denkbar, zum Beispiel ein fragmentierter Markt mit funktionierendem Open Access oder eine Konsolidierung auf wenige große Marktteilnehmer.

Open Access scheitere aktuell vor allem oftmals an zwei Punkten: Zum einen würden große Telekommunikationsanbieter ungern mit kleineren Netzbetreibern verhandeln, zum anderen fehle es an einheitlichen Standards für Kooperationsverträge und teilweise auch Technik.

Branchenreaktion: "Kein Stillstand"

Vom Branchenverband VATM hieß es, die Studie bestätige Entwicklungen, auf die man seit Jahren hinweise. "Von einem Stillstand kann dennoch keine Rede sein", betont VATM-Geschäftsführer Dr. Frederic Ufer. "Der Markt und seine Geschäftsmodelle verfügen über erhebliches Potenzial. In den vergangenen Monaten haben ausbauende Unternehmen finanzkräftige und langfristig orientierte Investoren gewonnen." Anfang dieser Woche sicherte sich Westconnect zusätzlich 1,2 Milliarden Euro frisches Kapital für den Glasfaserausbau. "Das zeigt: Die Finanzmärkte vertrauen auf den deutschen Glasfaserausbau", ergänzt Ufer. Damit dieses Vertrauen erhalten bleibe, brauche es verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen sowie eine deutlich höhere Take-up-Rate.

Nach wie vor nutzen viele Haushalte weiterhin das alte Kupferkabel, obwohl Glasfaser verfügbar ist. Ein erheblicher Teil der neuen Infrastruktur bleibt ungenutzt. Für die Unternehmen entsteht ein Dilemma: Die hohen Investitionen fallen beim Bau an, Einnahmen erst bei ausreichender Nachfrage. "Wenn in Ausbaugebieten weniger als 15 Prozent der potenziellen Kundinnen und Kunden Glasfaser buchen, reicht das nicht aus, um den kapitalintensiven Ausbau wirtschaftlich zu tragen", so der Geschäftsführer. 

Angespannte Lage, aber starker Wettbewerb laut Verband

Die angespannte Lage dürfe jedoch nicht als Schwäche des Wettbewerbs missverstanden werden. "Die Unternehmen bauen weiter, gewinnen starke Investoren und bringen Glasfaser bis in Gebäude und Wohnungen", betont Ufer. Weniger Wettbewerb und eine Stärkung des Ex-Monopolisten wären daher der falsche politische Schluss. "Eine Schwächung der Wettbewerber würde Investitionen und Auswahlmöglichkeiten insgesamt gefährden und den Glasfaserausbau in weiten Teilen zum Erliegen bringen."

Auch die Behauptung in der Studie, Kooperationen und offene Netzzugänge funktionierten nicht, greift laut VATM zu kurz. Zahlreiche Wettbewerber setzten auf Open Access, Wholesale-Vereinbarungen, gemeinsame Vermarktung und gegenseitige Netznutzung. Das verbessere die Auslastung und vergrößere die Auswahl für Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Wettbewerber hätten ein großes Eigeninteresse, die gebauten Netze mit Partnern auszulasten.

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