Wenn Kundinnen und Kunden über Chat GPT und Co. auf die Website eines Energieversorgers kommen, dann hat dieser bei der Generative Engine Optimization (GEO) vieles richtig gemacht. "GEO" bezeichnet die Optimierung der Unternehmenswebsites mit dem Ziel, in den Antworten von generativen KIs genannt zu werden. Ein Energieversorger aus Celle (Niedersachsen) kann damit schon Erfolge vermelden: Holger Schwenke, Geschäftsführer der SVO, berichtet im Interview ausführlich über die Hintergründe zum Energievertrieb in Zeiten von KI.
Welche Rolle nehmen Large Language Models (LLMs) heutzutage bei der Kundengewinnung ein?
Noch eine unterstützende – aber die Richtung ist klar. Kunden fragen zunehmend, statt zu suchen. Systeme wie Chat GPT oder die KI-Antworten bei Google treffen eine Vorauswahl, bevor überhaupt jemand klickt. Wer dort nicht vorkommt oder falsch erscheint, verliert Kontaktchancen – oft unbemerkt. Das erinnert an die Einführung der Vergleichsportale, folgt aber einer anderen Logik. Der entscheidende Unterschied: KI bewertet nicht nur den Preis. Sie gewichtet Relevanz, Glaubwürdigkeit und inhaltliche Tiefe. Das sehen wir bereits: Nutzer, die über KI zu uns kommen, sind besser informiert, bleiben länger und schließen eher ab. Für regionale Versorger ist das eine echte Chance.

Unsere Inhalte folgen den Prinzipien der Generative Engine Optimization: modular, klar strukturiert, mit belastbaren Quellen.
Holger Schwenke
SVO-Geschäftsführer
Wie hat sich das Unternehmen darauf vorbereitet und wie bereitet es sich weiterhin darauf vor, dass LLMs in den Customer-Journeys eine zunehmende Rolle spielen?
Ehrlich gesagt: Es gab keinen großen GEO-Masterplan. Wir haben vor einigen Jahren unsere kundenseitigen Fähigkeiten neu aufgestellt – technisch, inhaltlich und personell. Neue Website, digitaler Service, klarere Vertriebsprozesse. Gleichzeitig haben wir gezielt neue Rollen aufgebaut: eine Content- & SEO-Managerin, eine Customer-Experience-Managerin, einen neuen Teamleiter im Neukundenvertrieb. Unser Ausgangspunkt war nie die Sichtbarkeit in Suchmaschinen, sondern eine andere Frage: Wie erreichen und bedienen wir Kunden wirklich gut? GEO spielte damals keine Rolle.
Heute sehen wir: Kundenzentrierung und Auffindbarkeit in KI-Systemen haben dieselbe Wurzel – Relevanz. Dieses Fundament entwickeln wir jetzt gezielt weiter. Unsere Inhalte folgen den Prinzipien der Generative-Engine-Optimization: modular, klar strukturiert, mit belastbaren Quellen. Gleichzeitig investieren wir in Vertrauen – also in Expertise, Autorität und Glaubwürdigkeit. Genau diese Signale bevorzugen KI-Modelle. Und hier hat ein regionaler Versorger einen Vorteil: Wir sind vor Ort verankert und wirken glaubwürdiger als jeder überregionale Discounter.
Welche Bedeutung haben LLMs für den Energievertrieb in Zukunft – werden sie die Vergleichsportale ablösen können?
Mittelfristig zumindest teilweise. Vergleichsportale bündeln Daten, LLMs geben personalisierte Empfehlungen – perspektivisch vielleicht bis zum Vertragsabschluss. Für uns ist das eine Chance: Regionalität, Nachhaltigkeit und Service lassen sich hier besser zeigen als in einer Preistabelle. Statt reiner Tarifvergleiche bekommen Kunden künftig ganzheitliche Beratung – basierend auf ihrem Verbrauch und lokalen Gegebenheiten. Genau dort liegen unsere Stärken.
Was ist die richtige Strategie für Stadtwerke, um sich nicht zu abhängig von großen Plattformen zu machen und gleichzeitig Kunden zu gewinnen?
Ein hybrider Ansatz – digital und analog. Plattformunabhängigkeit heißt nicht weniger Internet, sondern mehr eigene Substanz. Wir setzen auf regionales Sponsoring, Veranstaltungen vor Ort, Präsenz in der lokalen Presse, ein gedrucktes Kundenmagazin und persönliche Beratung in unseren Kundencentern. Das schafft Vertrauen. Und Vertrauen lässt sich nicht einfach ersetzen. Eine starke regionale Marke wird auch von KI-Systemen anders bewertet. Digital sehe ich vier Hebel.
1. Die eigene Website stärken – sie ist unsere zentrale Datenquelle und vollständig unter unserer Kontrolle.
2. Sichtbarkeit diversifizieren, also nicht nur auf einzelne Plattformen setzen.
3. Lokale Autorität ausbauen – mit stadtspezifischen Inhalten, regionalen Themen und transparenten Informationen.
4. Eigene KI-Kompetenz entwickeln, etwa im Kundenservice oder in unseren Abschlussstrecken.
Das reduziert Abhängigkeiten und liefert wertvolle Erkenntnisse über Kundenbedürfnisse.
Wie schätzen Sie Ihre eigene Auffindbarkeit bei SEO und GEO ein – und woher kommt der GEO-Erfolg aus Ihrer Sicht?
Wir sind aktuell gut aufgestellt. Auch eine Einschätzung vom Marketingexperte Moritz Bleines bestätigt das – aber SEO und GEO sind nie "fertig". Unser Erfolg hat drei Gründe: Wir haben früh stadtspezifische Inhalte aufgebaut, die KI-Systeme gut verarbeiten können. Wir liefern Antworten statt Werbebotschaften. Und unsere regionale Präsenz schafft Vertrauen – genau das, was KI-Modelle bevorzugen.
Macht sich der GEO-Erfolg bei Ihnen bemerkbar?
Ja und nein. Wir werden häufiger in KI-Antworten genannt, und die Qualität unserer Kontakte ist gestiegen. Nutzer, die über KI zu uns kommen, haben eine längere Verweildauer und tendenziell eine höhere Abschlussrate – sie sind bereits informiert, wenn sie ankommen. Ob das direkt auf GEO zurückgeht, ist schwer sauber zu messen, weil KI-Systeme oft keine klaren Herkunftsdaten liefern. Die Messbarkeit bleibt eine Herausforderung. Wir werden nicht plötzlich von Neukunden überrannt. Aber wir bauen eine Position auf, die mittelfristig trägt. Entscheidend ist die Haltung: testen, lernen, besser werden. Wir werden Fehler machen – aber schneller lernen als diejenigen, die abwarten.
Im GEO-Zeitalter ist die Website die zentrale Informationsbasis für KI-Modelle.
Sie haben es bereits erwähnt, die SVO setzt auf Inhalte für einzelne Städte. Sie arbeiten dafür mit stadtspezifischen Landingpages. Wie und wann haben Sie mit diesen angefangen und wie wichtig ist die eigene Website für den Energievertrieb?
Die Seiten sind im Zuge der Neuaufstellung unseres Neukundenvertriebs entstanden – von Anfang an als Vertriebsinstrument. Unser Ziel: in konkreten Orten sichtbar und relevant sein. Dass das auch für GEO wirkt, ist eine Folge, nicht der Ausgangspunkt. Die Website ist dabei das Herzstück: unsere einzige vollständig kontrollierte Quelle. Im GEO-Zeitalter wird sie zur zentralen Informationsbasis für KI-Modelle. Ohne starke Website keine starke Sichtbarkeit. Das gilt über den digitalen Kanal hinaus. Unsere Website ist Teil eines größeren Ganzen: Wir sind in der Region präsent – digital und vor Ort. Beides zusammen schafft die Marke, die Menschen kennen und der KI-Systeme vertrauen.