Öffentlich geförderte Softwareprojekte stehen häufig vor der Frage, wie es nach dem Ende der Förderung weitergeht. Sicherheitsupdates, Fehlerbehebungen und technische Weiterentwicklungen verursachen dauerhaft Aufwand. Mit einem neuen Beteiligungsmodell will der Verein Civitas Connect die Pflege der kommunalen Open-Source-Datenplattform Civitas/Core langfristig organisieren. Beim Dienstleistertreffen am 12. Oktober in Berlin unterzeichneten 15 Unternehmen einen entsprechenden Letter of Intent (LOI).
Insgesamt nahmen 40 Personen aus 24 Unternehmen an dem Treffen im City-LAB Berlin teil, teils digital. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kommunen und IT-Dienstleister gemeinsam Verantwortung für eine Softwarebasis übernehmen können, die sie für unterschiedliche Anwendungen nutzen.
Wer ist Civitas Connect?
Hintergrund
Civitas Connect ist ein 2020 gegründeter Verein mit Sitz in Münster. Er versteht sich als Kooperationsplattform für Kommunen und kommunale Unternehmen, darunter zahlreiche Stadtwerke. Ziel ist es, die digitale Daseinsvorsorge gemeinsam zu gestalten, Ressourcen zu bündeln und die Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern zu verringern. Ein zentrales Projekt ist die offene Datenplattform Civitas/Core. Für deren Pflege und Weiterentwicklung wurde 2025 eine eigene Abteilung innerhalb des Vereins gegründet. Sie wird von Kommunen und kommunalen Unternehmen getragen.
Kommunen sollen über Weiterentwicklung entscheiden
Die Plattform dient als offene technische Grundlage, auf der Kommunen, kommunale Unternehmen und weitere öffentliche Einrichtungen eigene Anwendungen und Dienstleistungen aufbauen können. Dazu gehören unter anderem Funktionen zur Anbindung unterschiedlicher Systeme, Datenmodelle, Berechtigungen und Schnittstellen.
Künftig sollen die Mitglieder der Community im Rahmen der Vereinsstrukturen über die strategische Ausrichtung der Software, die Entwicklungsplanung und das gemeinsame Budget entscheiden. Civitas Connect übernimmt die Koordination der Produktentwicklung sowie die Organisation von Wartung, Qualitätssicherung, Softwareversionen und Sicherheitsprozessen.
Auch IT-Dienstleister sollen sich stärker an diesen Aufgaben beteiligen. Sie können technische Kompetenzen, Erfahrungen aus Kundenprojekten und eigene Entwicklungsleistungen einbringen. Gleichzeitig bleibt es ihnen möglich, auf Grundlage der gemeinsamen Software eigenständig Dienstleistungen anzubieten, etwa für Betrieb, Integration oder die Entwicklung von Fachanwendungen.
Civitas Connect will dabei als neutraler Träger der gemeinsamen Softwareentwicklung auftreten und nicht selbst mit den beteiligten Dienstleistern um Kundenaufträge konkurrieren.
Finanzierung und Aufgabenverteilung noch offen
Mit dem Letter of Intent erklären die Unternehmen zunächst ihre grundsätzliche Bereitschaft, die Plattform durch fachliche, technische, personelle oder finanzielle Beiträge zu unterstützen. Konkrete Verpflichtungen entstehen daraus noch nicht. Welche Aufgaben und Ressourcen die einzelnen Beteiligten übernehmen, soll in weiteren Gesprächen geklärt werden.
Ein wesentlicher Grundsatz ist dabei "Upstream first": Verbesserungen, die im Rahmen einzelner Kundenprojekte entstehen und auch für andere Nutzer relevant sind, sollen möglichst in die gemeinsame Softwarebasis zurückfließen. Dadurch können andere Kommunen und Unternehmen von bereits finanzierten Entwicklungen profitieren.
"Der größte Erfolg des Treffens ist für uns, dass wir offen und lösungsorientiert über diese Herausforderungen sprechen konnten", erklärt Ralf Leufkes, Geschäftsleiter von Civitas Connect. Die Beteiligten hätten ein eigenes Interesse am Erfolg der Plattform und seien bereit, an einer nachhaltigen Lösung mitzuarbeiten.
Weitere Unternehmen können sich der Initiative anschließen. Die nächste Abstimmung ist für den 9. November vorgesehen. Bis zum Jahreswechsel wollen die Beteiligten eine gemeinsame Lösung für die künftige Zusammenarbeit entwickeln und den Übergang in die neuen Strukturen vorbereiten.