Hacker erbeuteten im August 2026 große Datenmengen der Berliner Verwaltung.

Hacker erbeuteten im August 2026 große Datenmengen der Berliner Verwaltung.

© Bild: ImageFlow/Adobestock

Die Hackergruppe Rhysida hat am Freitag Daten der Berliner Verwaltung veröffentlicht – darunter anscheinend auch sicherheitsrelevante Informationen zur kritischen Infrastruktur der Hauptstadt.

Die geleakten Daten enthalten laut "B.Z." Dokumente mit Sicherheitseinstufung, Analysen zum Stromausfall im Südwesten Berlins und Strategiepapiere für Ausfälle kritischer Infrastrukturen. Die Unterlagen sollen sich auf Stromnetze, Heizkraftwerke, Tanklager, Notstromanlagen und Umspannwerke beziehen. Darüber hinaus sollen auch Informationen über die Wasserversorgung der Hauptstadt enthalten sein.

Geleakte Informationen zum Wassernetz

Jochim Selzer vom Chaos Computer Club (CCC) hat die Daten gesichtet. Die Hackervereinigung ist die größte in Europa und gilt als Expertin in Fragen der IT-Sicherheit. Selzer hält die geleakten Datensätze für plausibel: "Ich gehe deswegen nicht davon aus, dass ausgerechnet der Teil zur Wasserinfrastruktur gefälscht ist."

Die ZFK hat ihn gefragt, welche Daten zur Berliner Wasserinfrastruktur in dem geleakten Paket enthalten sind: Selzer nannte Dateinamen mit Begriffen wie "Trinkwassernotbrunnen", "Brunnen", "Tiefspiegelbrunnen", "Notbrunnen" und "Bundesbrunnen". Außerdem seien ein Mängelbericht zum Zustand von Wasserentnahmestellen sowie Informationen zum Zivil- und Katastrophenschutz, zu Betriebswasser und zur Notfallplanung enthalten. Den konkreten Inhalt der Dateien konnte die ZFK bis Redaktionsschluss nicht selbst überprüfen oder einsehen.

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Darüber hinaus erläuterte der Sprecher der Hackervereinigung, dass die Daten unterschiedlich alt seien: "Einige Mängelberichte kündigen eine Behebung im Jahr 2025 und 2026 an, was die Vermutung nahelegt, dass die Daten mindestens ein bis zwei Jahre alt sind."

Mögliche Bedrohung für die Wasserversorgung

Eine unmittelbare Gefahr für den Betrieb der Berliner Wasser- und Abwasserinfrastruktur sehe Selzer nicht. Er gehe aber von einer mittelbaren und mittelfristigen Gefahr aus: "Die Daten sind draußen und lassen sich nicht wieder einsammeln. Sie geben Hinweise auf mögliche Schwachstellen kritischer Infrastrukturen und Angriffspunkte des Zivil- und Katastrophenschutzes", sagte Selzer.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wollte sich auf ZFK-Nachfrage nicht zu dem konkreten Fall äußern. Dennoch weist die Behörde darauf hin, dass die Veröffentlichung sensibler Daten die Bedrohungslage erhöhen kann: "Betroffene sollten daher auswerten, ob sie von einem Datenleak betroffen sind und welcher Art die veröffentlichten Daten sind."

Das betroffene Unternehmen in diesem Fall sind die Berliner Wasserbetriebe (BWB). Eine Pressesprecherin sagte gegenüber der ZFK: "Wir nehmen den Vorfall sehr ernst und haben Vorkehrungen getroffen, um unsere Resilienz zu erhöhen." Weitere Informationen könne man aber nicht bereitstellen. Die Sprecherin verwies an die Berliner Senatskanzlei, von der bis Redaktionsschluss keine Antwort einging.

Aus dem Angriff lernen

CCC-Sprecher Selzer forderte eine vertrauenswürdige IT-Infrastruktur. Unternehmen müssten ihre
gespeicherten Daten, insbesondere Office-Dateien, auf Schadcode prüfen, der mögliche Sicherheitslücken in der IT-Infrastruktur ausnutzen könnte. Zudem müssten besonders kritische Netzbereiche gegebenenfalls physisch vom Internetanschluss getrennt werden.

Zudem seien bessere Schulungen für Mitarbeitende nötig. Besondere Sorge bereite ihm eine veröffentlichte Excel-Datei mit Klartextpasswörtern, darunter laut Selzer auch das Passwort für einen Passwortmanager.

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Außerdem müsse der Angriff uneingeschränkt transparent aufgearbeitet werden, "um systemische Schwächen zu entdecken und anderen Behörden, die mit Sicherheit nicht besser aufgestellt sind als Berlin, die Möglichkeit zu geben, ihr Netz abzusichern, bevor sie Opfer des nächsten Angriffs werden", erklärte Selzer.

Verbände: Transparenzpflichten einschränken

Der Energie- und Wasserverband BDEW sagte auf ZFK-Nachfrage, ihm lägen keine eigenen belastbaren Erkenntnisse zu dem Datenleak vor, die über die öffentlich bekannten Informationen hinausgingen.

Nach Einschätzung des BDEW können aber durch die Verknüpfung einzelner Angaben zusätzliche Risiken entstehen. Der Verband hatte sich in der Vergangenheit für einen restriktiven Umgang mit sensiblen Infrastrukturdaten auf "Need-to-know"-Basis ausgesprochen.

Ähnlich sieht das auch der Gas- und Wasserverband DVGW. Er teilte der ZFK mit, dass gewisse Informationen Rückschlüsse ermöglichen auf Lage, Funktion, Leistungsfähigkeit und betriebliche Abhängigkeiten. Der Verband fordert ebenfalls eine Einschränkung von Transparenzpflichten bei kritischer Infrastruktur.

Berlin lehnte Lösegeldzahlung ab

Der Angriff auf das Datennetz der Berliner Verwaltung war am 14. August bekannt geworden. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hatte erstmals am 7. August einen ungewöhnlichen Abfluss von Daten festgestellt. Am 17. August wurden die betroffenen Systeme vom Berliner Landesnetz getrennt.

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Der Berliner Senat hatte die Forderung von 30 Bitcoin von der Hackergruppe Rhysida abgelehnt. Das sind rund zwei Millionen Euro. Daraufhin veröffentlichte die Gruppe die Daten vergangene Woche.

Bedrohungen für Kritis auch in Bayern

Auch andernorts zeigt sich eine gestiegene Bedrohungslage: Die Stadtwerke Landsberg am Lech wurden nach eigenen Angaben in der Nacht zum 1. September Ziel eines Cyberangriffs. Zentrale IT-Systeme seien dabei verschlüsselt worden.

Die Versorgungsleistungen seien bislang nicht beeinträchtigt. Es sei jedoch unklar, ob Daten erbeutet und missbraucht wurden. Das Unternehmen trennte sämtliche Internetverbindungen, fuhr die Systeme herunter und setzte einen Krisenstab ein.

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