Nach einem Hackerangriff auf zwei Berliner Senatsverwaltungen kommt es zu schweren Beeinträchtigungen. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur (DPA) gibt es in den beiden Behörden keine Internetverbindung und keine Mailkommunikation nach außen. Auch Arbeit im Homeoffice ist nicht möglich. "Wir sind praktisch arbeitsunfähig", zitiert der Tagesspiegel einen Mitarbeiter der Verkehrsverwaltung. Sogar die Auszahlung von Sozialleistungen ist in Gefahr, heißt es beim Tagesspiegel, etwa beim Wohngeld.
Die Senatskanzlei hatte mitgeteilt, bei forensischen Untersuchungen sei eine "Inkriminierung des Landesnetzes" festgestellt worden. Betroffen sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Beide seien aus Sicherheitsgründen bereits am Freitag vom Landesnetz abgetrennt worden, um weiteren Schaden abzuwenden.
Sensible Daten abgeflossen?
Die Senatskanzlei macht wenig Angaben – "aus ermittlungstaktischen Gründen". Unklar bleibt auch, ob Daten abgeflossen sind. "Die forensischen Untersuchungen dauern an", teilte eine Senatssprecherin mit. Nach RBB-Informationen sollen jedoch sensible Daten abgeflossen sein.
„Der Hackerangriff auf die Berliner Senatsverwaltungen zeigt, wie schnell ein Cybervorfall nicht nur einzelne IT-Systeme, sondern die Handlungsfähigkeit einer ganzen Organisation beeinträchtigen kann", kommentiert Benjamin Schilz, Chef des IT-Dienstleisters Wire. Behörden und Unternehmen müssten sich darauf vorbereiten, dass zentrale Systeme im Ernstfall ausfallen, kompromittiert seien oder aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden müssen.
"Genau für diesen Moment müssen belastbare Fallback-Strukturen bereitstehen", erklärt Schilz. Kritische Funktionen und Kommunikationswege dürften nicht von derselben Infrastruktur abhängen, die im Ernstfall ausfallen kann. Alternativen müssen vorher eingerichtet, getestet und den relevanten Teams vertraut sein. "Wer erst während eines Angriffs nach einer funktionierenden Ausweichlösung sucht, hat sich nicht ausreichend auf den Ernstfall vorbereitet“, so der Wire-Chef.
Auch der IT-Experte Manuel Atug kritisiert die Cybersicherheit der Verwaltung. Bei Anhörungen durch das Abgeordnetenhaus seien andere Experten und er einig gewesen, dass Berlin in diesem Bereich "sehr schlecht" aufgestellt sei. "Als man ein paar Jahre später uns noch mal gebeten hat, ein Update dazuzugeben, weil man ja gewisse Maßnahmen ergriffen hätte, haben wir feststellen müssen, dass die Cybersicherheit in Berlin noch schlechter geworden ist", sagte Atug dem RBB. Verbesserungsvorschläge seien nicht umgesetzt worden.
Atug kritisierte zudem die derzeitige Krisenkommunikation. "Für gewöhnlich stellt man eine Webseite auf, wo man ein FAQ einsetzt. Also was sind die regelmäßig gestellten Fragen, was sind die Antworten, die man zu diesem Zeitpunkt geben kann", sagte Atug.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Laut Senatskanzlei sind das Landeskriminalamt (LKA), die Staatsanwaltschaft Berlin und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingeschaltet. Aufgrund des Vorfalls sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Laut Senat wurde ein Notfallkrisenstab unter Leitung des Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit eingerichtet, der die weiteren Schritte koordiniert.