Der Bau von Rechenzentren scheitert seltener am teuren Strom, sondern eher am zähen Netzanschluss.

Der Bau von Rechenzentren scheitert seltener am teuren Strom, sondern eher am zähen Netzanschluss.

Bild: © spainter_vfx/AdobeStock

Der Ausbau europäischer Rechenzentren scheitert nach einer Analyse der Unternehmensberatung Kearney weniger am Geld als am Strom. Die Anschlussleistung von Co-Location-Anbietern, also Betreibern, die IT-Infrastruktur für Kunden zur Verfügung stellen, soll laut Branchenverband European Data Centre Association bis 2030 von 8,2 auf 20 Gigawatt steigen. Ob sie entsteht, hängt aber vor allem an Netzanschluss, Genehmigung und Akzeptanz vor Ort.

Wie knapp Strom ist, zeigt der Preis für Powered Land, also Grundstücke mit gesichertem Netzanschluss. In Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Irland, Österreich und Belgien kostet das Megawatt im Schnitt 2,25 bis 2,30 Millionen Euro. In skandinavischen Lagen sind es dagegen eher 600.000 bis 800.000 Euro. Kearney spricht von einer Knappheitsprämie vom Drei- bis Vierfachen. "Ein Rechenzentrum entsteht dort, wo Strom, Lage, Fläche und Genehmigung zusammenkommen. Diese Kombination ist in Deutschland teuer geworden", sagt Kearney-Partner Christoph Neunkirchen.

Aber diese Kosten sind offenbar nicht einmal das Hauptproblem. Am Gesamtbudget hat die Stromversorgung samt Netzanschluss, Notstrom und Speicher nur neun bis zwölf Prozent Anteil; die Technik für Server und Netzwerk macht dagegen 60 bis 70 Prozent aus. Entscheidend ist der Zeitfaktor: Ohne Anschluss liegt das übrige Kapital brach. Die Studie nennt den Netzanschluss in vielen Märkten als den Engpass. Umspannwerke und starke Netzknoten würden zu strategischen Gütern.

Hybride Modelle für die Stromversorgung

Als Ausweg beschreibt die Kearney-Studie hybride Modelle: Betreiber sichern sich feste Netzleistung für Zeiten unterhalb der Spitze und decken den Rest mit eigener Erzeugung und Speichern. Das könne die Inbetriebnahme um Jahre beschleunigen und umgehe die mehrjährigen Lieferzeiten für Turbinen und Transformatoren.

Eine weitere Hürde aus Sicht der Rechenzentrumsbetreiber sind die deutschen Vorgaben: Neue Anlagen müssen je nach Inbetriebnahme ab Juli 2026, 2027 oder 2028 mindestens zehn, 15 oder 20 Prozent ihrer Abwärme wiederverwenden. Ab 1. Januar 2027 müssen Betreiber zudem ihren Strombedarf bilanziell vollständig aus erneuerbaren Quellen decken. Ob die Abwärme zum Kostenblock oder Erlösmodell wird, hängt laut Kearney davon ab, ob es einen Abnehmer vor Ort gibt.

Kearney rät den Betreibern, die Rechenlast nach Bedarf zu verteilen. Anwendungen mit strengen Latenz- oder Rechtsvorgaben bleiben nah an den Nutzern, das Training neuer KI-Modelle zieht aber dorthin, wo Energie günstig und CO2-arm ist, etwa nach Norwegen oder Spanien. Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin bleiben die größten Märkte, zusätzliche Flächen entstehen dort aber schwerer.

Für Energieversorger sieht die Studie Chancen: Wer wetterabhängigen Ökostrom mit Speichern oder Wasserkraft in verlässlichen Rechenzentrumsstrom verwandelt, habe einen Vorteil. An die Politik gerichtet fordern die Autoren, Netzzugang nach öffentlichem Interesse zu vergeben, nicht nach spekulativer Nachfrage.

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