Im März 2026 veröffentlichte die Bundesregierung eine Nationale Rechenzentrumsstrategie. Bis 2030 sollen sich die Rechenkapazitäten verdoppeln, für künstliche Intelligenz (KI) und High-Performance-Computing (HPC) sogar vervierfacht werden. Diese Strategie adressiert auch die öffentliche Hand.

Eine richtige Initiative. Doch dieser so wichtige Impuls wird durch die deutsche Umsetzung im Rahmen der Novelle des Energieeffizienzgesetzes in ihrer aktuellen Kabinettsfassung konterkariert. Die darin enthaltenen Grenzwerte verstoßen gegen marktwirtschaftliche Vernunft und führen die eigenen Ausbauziele ad absurdum.

Solche unerfüllbaren Vorgaben drohen, deutsche Hostinganbieter aus dem Markt zu drängen, unsere digitale Souveränität zu torpedieren und die Abhängigkeit von US-Tech-Anbietern zu verschärfen.

Hohe Anforderungen an Neubauten

Zentraler Kritikpunkt ist dabei die Power Usage Effectiveness (PUE), die Kennzahl für die Energieeffizienz von Rechenzentren. Neubauten müssen einen jährlichen Schnitt von 1,2 PUE einhalten, allerdings erst in vier Jahren statt in zwei. Die praktischen Konsequenzen sind dramatisch. Hier anhand eines einfachen Beispiels erklärt: Benötigen Server 100 Watt Strom, dürfen essenzielle zugehörige Systeme wie Kühlung, Beleuchtung und Sicherheitstechnik addiert maximal 20 Watt verbrauchen.

Besonders absurd: Selbst dann, wenn ein Rechenzentrum kaum ausgelastet ist, muss der PUE-Wert eingehalten werden – dann verteilt sich der unvermeidbare Energiebedarf für Kühlung, Sicherheit und Infrastruktur auf nur wenige laufende Server.

Existenzbedrohende Bußgelder möglich

Angesichts hoher Energie- und Investitionskosten in Deutschland ist das für den heimischen IT-Mittelstand kaum erfüllbar. Auch für Bestandsanlagen drohen drastische Folgen. Für diese gelten künftig Grenzwerte von 1,6 (ab 2027) und 1,4 (ab 2030). Lassen sich diese strengen Vorgaben in älteren Gebäuden baulich nicht umsetzen, drohen existenzbedrohende Bußgelder für diese Rechenzentren, die teilweise seit vielen Jahren erfolgreich in Betrieb sind.

Diese Lage, die den Rechenzentren-Hochlauf massiv behindern würde, ist dabei hausgemacht. Denn die EU-Energieeffizienzrichtlinie verlangt lediglich Messung, Dokumentation und Berichterstattung der Verbrauchswerte. Einen verbindlichen, harten PUE-Grenzwert schreibt Brüssel gar nicht vor.

Deutschland betreibt 'Goldplating'

Was wir hierzulande machen, ist klassisches, überambitioniertes 'Goldplating'. Gemeint ist: Die europäische Gesetzgebung wird national übererfüllt und verschärft, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft im Blick zu behalten. Anstatt den bereits strengen EU-Rahmen harmonisiert zu nutzen, wählt Deutschland einen Sonderweg, der dem Mittelstand die Luft abschnürt. Kein anderes Land in der EU verhängt solche scharfen Gesetzesvorgaben, ohne deren Erfüllung ein Rechenzentrum nicht betrieben werden darf. Das konterkariert die digitale Souveränität.

Dazu kommt, dass Rechenzentrumsbetreiber auch ohne zusätzliche Regulierung auf Energieeffizienz setzen werden. Denn die Stromkosten sind ein wesentlicher Kostenfaktor für den Betrieb. Durch diesen Anreiz werden die Unternehmen auch ohne staatliches Eingreifen effiziente Rechenzentren bauen.

Laut "NDR" und "SZ" wird über ein Drittel der Rechenzentrums-Bauvorhaben in Deutschland von Nicht-EU-Unternehmen geplant oder umgesetzt – vorwiegend US-Tech-Konzernen. Mit riesigen Kapitalreserven stoßen sie in die Lücken, die wir durch regulatorische Überforderung des Mittelstands nicht füllen können.

Risiko für kommunale Unternehmen

Diese Folgen für Wirtschaft und Verwaltung hat ein Rechtsgutachten der Universität Köln für das Bundesinnenministerium belegt: US-Behörden können auf EU-gehostete Daten von US-Unternehmen und deren europäischen Töchtern zugreifen.

Datensouveränität und Datenschutz sind aber eine entscheidende Grundlage für unsere digitale Resilienz – doch diese bedarf entsprechender Lösungen anstatt Regulierungen.

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Mit unerfüllbaren Grenzwerten überlassen wir aber den heimischen Markt Big Tech und geben damit unsere Datensouveränität ab. Gerade für Verwaltungen und kommunale Unternehmen ist das ein unkalkulierbares Risiko. Das digitalpolitische Ziel muss folglich lauten, einheimischen, europarechtstreuen und digitalsouveränen Anbietern den Weg nicht durch deutsche Sonderregeln, wie diese Grenzwerte, zu verbauen.

PUE-Grenzwert streichen

Andernfalls entsteht nie ein starkes europäisches Gegengewicht zu Big Tech. Nicht falsch verstehen: Der IT-Mittelstand bekennt sich ausdrücklich zu 'GreenTech' und will seinen Beitrag zu Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit leisten. Wer aber den digitalen Ausbau beschleunigen will, darf den Akteuren nicht die regulatorische Luft durch absurde Grenzwerte abschnüren.

Der verpflichtende PUE-Grenzwert muss daher aus dem deutschen Gesetz gestrichen werden; die reine EU-Richtlinie genügt. Denn nur mit Pragmatismus statt 'Goldplating' wird digitale Souveränität 'Made in Germany' mehr als nur ein Lippenbekenntnis.

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