Lebhafte Diskussionen (von links): Moderatorin Susanne Schöne führte gekonnt durch das Gespräch, hier mit Volker Specht von Westenergie Metering, Jochen Buchloh von der Horizonte Group, Christian Hofmann von Robotron, Joachim Kopp von aktiver EMT und Michał Sobótka von Gwadriga.

Lebhafte Diskussionen (von links): Moderatorin Susanne Schöne führte gekonnt durch das Gespräch, hier mit Volker Specht von Westenergie Metering, Jochen Buchloh von der Horizonte Group, Christian Hofmann von Robotron, Joachim Kopp von aktiver EMT und Michał Sobótka von Gwadriga.

Bild: © Stephanie Gust

Nachdem die Aussagen des Bundesnetzpräsidenten Klaus Müller auf den Metering Days hohe Wellen schlugen, ließen entsprechende Antworten auf der Veranstaltung nicht warten. Zum Hintergrund: Der Chef der Regulierungsbehörde hatte kritisiert, dass der Rollout aktuell noch zu ineffizient und zu kostenintensiv sei. So würden aktuell 500 Messstellenbetreiber noch nicht einmal 3 Prozent der intelligenten Messsysteme ausgerollt haben. Vor allem kleinere Messstellenbetreiber wären hier hintendran.

Bis Ende 2025 muss dies allerdings bei 20 Prozent der Pflichteinbauten bei den Verbrauchsstellen von 6000 bis 10.000 kWh, steuerbaren Verbrauchseinrichtungen sowie Erzeugungsanlagen der Fall sein. Zudem brachte Müller die Möglichkeit ins Spiel, technische Übergangslösungen einzusetzen, was auch durch das Europarecht gedeckt sei. „Wir werben dafür pragmatische Denkräume zu schaffen“, so der BNetzA-Präsident.

Realistische Rahmenbedingungen gefordert

Das Echo fiel deutlich aus: So wehrte sich etwa Sebastian Kaden, Leiter Materal / Lieferantenmanagement bei Eon Grid Solutions gegen die Behauptung der Ineffizienz: Wir haben keine Zeit nicht effizient zu sein. Nichtdestotrotz muss es einen Rahmen geben, der realistisch ist.“ Dafür gab es großen Applaus vom Publikum. Ebenso betonte Kaden, dass man schon viel geschafft habe, etwas die vereinfachte sichere Lieferkette, SilKe, zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Man habe hier viele Themen mit der Sicherheitsbehörde auf den Weg gebracht. „Ich hatte das Gefühl, dass beide Seiten den unbedingten Willen haben, an Lösungen zu arbeiten“.

Allerdings: Es reiche nicht nur die Zertifizierungen, es müssen auch die Prozesse stehen, mahnte Kaden. Aktuell gebe es viele Verfahren: Qualifikationsverfahren oder Stichprobenverfahren, die man durchzuführen habe, die viel Zeit kosten und oftmals nichtvorhandene Probleme lösen. Die Erfahrung sei, dass man weg von diesem Bürokratiewahnsinn müsse. Der Schlüssel für das Gelingen der Energiewende sei Standardisierung und Digitalisierung. Beides wäre elementar wichtig.

Auch kleine Messstellenbetreiber sind hoch motiviert

Fritz Wengeler, Geschäftsführer vom Stadtwerkenetzwerk Smartoptimo nennt als große Herausforderung für die Messstellenbetreiber den Einbau auf Kundenwunsch. Bei den ERP-Systemen sei eine Automatisierung unabdingbar. Thomas Grau von den Frankennetzen, die ein Zusammenschluss von kleineren Stadtwerken sind, zeigte Einblicke auf die Sicht der kleineren Messstellenbetreiber. Ihm zufolge sind diese aktuell bei Frankemeter kräftig am Testen. Dies sei unabdingbar, vor allem, wenn man unterschiedliche Hersteller nutzt. „Wir haben uns hier auch verkalkuliert“.

Er wehrte sich gegen die Darstellung von Bundesnetzagentur-Präsident Müller: Viele Einbauzahlen würden auch noch nicht erfasst werden, da man eben noch in der Testphase sei. „Wir fühlen uns missverstanden. Wir sind dabei, und auch die kleinsten unserer Unternehmen gehen mit viel Motivation hinein und versuchen die Anforderungen umzusetzen.“

Vom Smart Meter Rollout zum Smart Grid Rollout

Interessante Einblicke gewährte auch die Diskussion der Smart-Meter-Gateway-Hersteller. Es habe sich mit der Gesetzes-Novelle gezeigt, „dass Steuerbarkeit kein Luxusthema ist, sondern unabdingbar, dass wir die Energiewende und den Betrieb der Netze wirklich stabil auf den Boden bringen“, sagt PPC-Chef Ingo Schönberg. Anders als in europäischen Ländern, wo es nur um Zähler-Auswertung oder vielleicht mal einen variablen Tarif gehe, kombiniere man in Deutschlan den Markt und die Netze. „Das ist einmalig und genau das, was wir für die Energiewende brauchen.“ Und weiter: Wir haben die Produkte dafür, wir haben geübt und können damit rausgehen.

Peter Heuell, Geschäftsführer von EMH Metering, machte es nachdenklich, dass es beim Thema Smart Metering nicht nur um „uns geht, sondern darum, die Energiewende voranzutreiben. Und wenn wir das nicht schaffen, gibt es einen Blackout“. „Wir sollten uns nicht um uns drehen, sondern es ist wichtig, dass wir die PS auf die Straße bekommen, wir haben Gesamtverantwortung“, so Heuells Appell.

Der EMH-Metering-Chef ist sich auch sicher, dass die Wirtschaftlichkeit des Rollouts nicht an den Geräten hängt. „Die Gerätekosten sind ein Bruchteil der Gesamtkosten“. Ruwen Konzelmann, Geschäftsführer von Theben ergänzte, dass sein Unternehmen viel für die Standardisierung mache und auch viel im Bereich Testing, damit nicht jeder Test nochmal wiederholt werden muss. Auch werde der Rollout nicht an den Kapazitäten der Hersteller scheitern, versicherte Heuell, es liege eher an den Monteuren aktuell.

Neue Rolle VNB und MSB

Auf die neuen Rollen von Netzbetreiber und Messstellenbetreiber ging eine weitere Diskussion ein. Michał Sobótka, Geschäftsführer von Gwadriga, wies darauf hin, dass die Verteilnetzbetreiber künftig die Auftraggeber der Messstellenbetreiber sind. Dazu müssen auch interne Changeprozesse in den Häusern angestoßen werden. Jochen Buchloh, Verwaltungsrat der Horizonte Group bestätigte dies: „Es ist nicht bei allen Unternehmen klar, wo die Grenzen zwischen Messstellenbetrieb und Verteilnetzbetrieb sind. Die Realität ist, dass oft ein und dieselbe Person in beiden Bereichen unterwegs ist und gar nicht weiß, dass sie unterschiedliche Rollen ausfüllt.“ Das müsse man im Blick haben bei der Weiterentwicklung des Systems.

Viele Unternehmen seien in ihrer Organisation nicht so aufgestellt, dass sie eine Trennung der Marktrollen über die Marktkommunikation realisiert haben. Da gibt es gewachsene andere Datenbeziehungen zwischen den unterschiedlichen Marktrollen, die plötzlich in Konflikt stehen. Daran muss man arbeiten, dass man sich hier sauber aufstellt und intern und extern mit identischen Prozessen arbeitet. Sonst belastet das die gesamte Organisation“, so Buchohs Fazit.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper