Die ZfK hat insgesamt elf Unternehmen – Stadtwerke, Dienstleister und Verteilnetzbetreiber zu ihren Einschätzungen des Smart-Meter-Rollouts befragt. Etwa, welche Schritte Stadtwerke jetzt als nächstes setzen sollten.
Meterpan rät dazu, die jeweilige Strategie für den Rollout intelligenter Messsysteme gut zu durchdenken und vor allem, diesen auch festzulegen. Zwischen reinem Pflichtrollout als Minimalprogramm und umfassender Digitalisierung sämtlicher Unternehmensbereiche besteht eine große Spannbreite erfolgsversprechender Ansätze. Hier müssen von vorneherein konsequent die eigenen Ziele verfolg werden. Ein eventueller Zickzackkurs in der Umsetzungsphase würde unnötig teuer werden«, so Meterpan-Geschäftsführer Steffen Heudtlaß.
Schon jetzt starten
Soluvia Energy Services empfiehlt Stadtwerken, nicht auf den offiziellen Rollout-Start zu warten. Da die nötige Technik nun schon mit den ersten zertifizierten Gateways zur Verfügung stehe, sei auch jedes Stadtwerk schon heute in der Lage, alle praktischen Erfahrungen unabhängig von einer Markterklärung zu sammeln. »Im Vordergrund steht dabei der Test der neuen Beschaffungsprozesse und die Sichere Logistikkette. Absolutes Neuland ist die Aufgabe als Gateway-Administrator. Die Anforderungen an Informationssicherheit und Datenschutz sind entsprechend hoch, gerade für kleine und mittlere Stadtwerke sei es daher wirtschaftlicher, diese Aufgabe mit einem Partner zu erfüllen – auch weil sie so keine eigene BSI-Zertifizierung brauchen.
Eon Metering hebt ein strukturierendes Schritt-für-Schritt-Vorgehen sowohl bei den Prozessen, als auch den Mitarbeitern vor. Vor allem müssten sich Stadtwerke Gedanken über die WAN-Strategie machen, also die Anbindung von Externen Marktteilnehmern und Gateway-Administrator an das Gateway . »In Pilotprojekten kann darüber hinaus das Zusammenspiel von Geräten Prozessen, und IT im kleinen Rahmen getestet werden«, so Eon-Metering Geschäftsführer Paul-Vincent Abs.
Mehr als nur die geforderten Leistungen nötig
Und Dienstleister Voltaris rät dringend dazu, auch wenn es am Anfang zunächst erst darum gehe die zehn Prozent Einbau-Quote zu erfüllen, nicht nur die Berechnungsleistungen innerhalb der gesetzlichen Preisobergrenze (POG) anzubieten. »Stadtwerke haben nur die Chance, Mehrwertdienste zu entwickeln, die den Kunden begeistern und gleichzeitig die Energiewende voranbringen: flexible Stromtarife oder Kombis aus Stromlieferung, Messdienstleistungen und Mehrwertprodukten.
Bevor der Rollout allerdings überhaupt losgehe, sei es wichtig, die Prozesse zur Bestellung und sicheren Lieferkette bereits getestet und ebenso weitere hausinterne Prozesse geklärt zu haben sagt Thüga Smart Services (TSG). Auch EnW rät dazu, die Infrastruktur – Stichwort sichere Lieferkette (SiLKE) – möglichst schon vorbereitet zu haben. Dazu gehöre auch die Schulung des Personals – und zwar nicht nur die der Monteure, sondern auch aller anderen in der Prozesskette bis hin zur Abrechnung.
Stimmen zu SiLKE
Die sichere Lieferkette (SiLKE) wird von allen Befragten recht kritisch bewertet. So teilten die Stadtwerke München mit, man habe die Anforderungen dazu für die erste Rolloutphase umgesetzt. »Die SWM bewerten die Anforderungen im Vergleich zu den Sicherheitsrisiken aber als nicht sachgerecht und unnötig kostensteigernd für Messstellenbetreiber«, wird der Versorger aus München deutlich. Die SWM nehmen an der Task-Force teil, bei der Hersteller sowie Anwender sich austauschen und mit dem BSI künftige Anforderungen festlegen.
Deutliche Worte findet auch Stromnetz Hamburg: »Das Design von SiLKE berücksichtigt nicht die tatsächlichen Gegebenheiten und Erfordernisse für eine effiziente Logistikkette und eine effiziente Montage. Nicht nur der Umgang mit den neuen sicheren Verpackungen will geübt sein, sondern auch die Verwaltung der Schlüsselberechtigten sei neben der Herrichtung der Lagerräume auf das geforderte Sicherheitsniveau sei ein wichtiger Bestandteil des neuen Logistikprozesses. »SiLKE ist ein gutes Beispiel, an dem deutlich wird, wie weit wir uns in der realen Umsetzung von den Annahmen der Kosten- und Nutzenanalyse(KNA) von Ernst&Young entfernt haben. Die durch SiLKE verursachten Kosten sind erheblich – weder KNA noch POG berücksichtigen diese.
Hoheit der Prozesse liegt beim Hersteller
Digimeto – die Messdienst-Kooperation, an der die Drewag Netz, Enso Netz, die Energie- und Wasserwerke Bautzen, die Meißener Stadtwerke, die Stadtwerke Elbtal und die Stadtwerke Zittau beteiligt sind – fügt einen weiteren Kritikpunkt an: »es ist für alle Parteien unverständlich und auch unnötig, dass die Hoheit über die Prozess- und Maßnahmendefinitionen bis in die Montage hinein hier beim Hersteller liegt. Sichere, unternehmensindividuelle Lager- und Montageprozesse müssen perspektivisch möglich sein«, fordert Digimeto-Geschäftsführer Steffen Böttcher.
EnBW schätzt den Aufwand, sowohl baulich als auch von der Logistik, generell als enorm ein. Stadtwerke haben dem Energiekonzern gegenüber Flächenversorgern in der aktuellen Ausprägung den Vorteil, dass sie die nach Dienstende geforderte Rückfahrt der Monteure zum Lager viel leichter bewerkstelligen können.
Ineffizientes Verfahren
Auch bei den Dienstleistern ist das Thema nicht mit Freude verbunden: Das derzeitige Verfahren ist anhand der bisher gesammelten Erfahrungen für den Messstellenbetreiber ineffizient, heißt es bei TSG. Die Thüga-Tochter betont aber auch, dass SiLKE auf jeden Fall relevant und sinnvoll sei. »Wir hoffen, dass sich hier in der Zukunft praxistauglichere Prozesse durchsetzen werden«, erklärt TSG.
»co.met« aus Saarbrücken sieht in SiLKE die Verkomplizierung eines ohnehin bereits für viele Betroffenen komplexes Themenfeld mit zusätzlichen Prozessen und Kosten, deren Ausiwrkungen bis dato noch nicht zu Ende dekliniert sind. Gefordert sei eine kurzfristige einheitliche Vorgehensweise, um die damit bereits einhergehende Verteuerung in Grenzen zu halten und um den Gesamtprozess nicht noch unwirtschaftlicher zu machen.
Prozessvereinfachung für Kleinmengen gefordert
Meterpan verweist darauf, dass je nach gewählter strategischer Ausrichtung das Thema höchst unterschiedlich angegangen werden müsse. »Grundsätzlich empfehle sich hier die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Dienstleister, der die unterschiedlichen Gateway-Hersteller genau kennt, und für das einzelne Stadtwerk eine effiziente Abbildung gewährleisten kann«, rät Geschäftsführer Heudtlaß.
Full-Service-Dienstleister Gwadriga erwartet ebenfalls noch Optimierungen zu SiLKE – an der letztlich aus Gründen der Zertifizierung für das Gateway kein Weg vorbei führe. Die Berliner begrüßen, dass die Hersteller in diesem Zusammenhang anstreben, Mietermodelle oder Kauf-Lösungen mit einem umfassenden-Service in ihrem Portfolio aufzunehmen. Aus Sicht von Soluvia Energy Services bedarf es dringend einer Prozessvereinfachung für Kleinmengen bis zehn Geräte, wie es typischerweise der Standard werden wird.
Nicht so schlimm, wie gedacht
Eines ist klar, die sichere Lieferkette wird eine weitere Hürde für Stadtwerke auf den Weg in das intelligente Messwesen sein. Dienstleister Schleupen erklärte allerdings auch unlängst auf seiner Anwendertagung, dass das Feedback seiner Kunden dazu durchaus positiv gewesen sei, und die Stadtwerke sich das Thema zum Teil schlimmer vorgestellt hätten, als es sei. Ähnliche Äußerungen gibt es von den beiden inzwischen zertifizierten Geräteherstellern PPC und Sagemcom Dr. Neuhaus. (sg)
