Der Axxcon-Innovation-Benchmark 2026 zeichnet ein ernüchterndes Bild: Kleine Stadtwerke bieten im Schnitt nur rund 20 der 46 untersuchten innovativen Produkte und Dienstleistungen an – die großen Versorger erreichen durchschnittlich 36. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass kleinere Häuser im Innovationswettlauf benachteiligt sind. Doch das Bild ist differenzierter: Wer die richtigen Weichen stellt, kann auch mit begrenzten Ressourcen relevante Innovationen umsetzen. Die entscheidende Frage ist nicht die der Unternehmensgröße – sondern die der Systemarchitektur.

Der eigentliche Engpass liegt nicht im Produkt

Wer heute einem Endkunden einen dynamischen Tarif, ein Self-Service-Portal für Netzanschlüsse oder ein digitales Einspeiser-Management anbieten will, braucht keine Entwicklungsabteilung – er braucht eine Plattform, die diese Prozesse bereits abbildet. Der strukturelle Nachteil vieler kleinerer Versorger liegt im fehlenden Know-how für die erforderliche Skalierung mit neuen Geschäftsmodellen, fehlende Kapazitäten und hohe manuelle Aufwände. Neue Produkte und Tarifmodelle scheitern nicht an der Idee, sondern an der Integration.

Der Benchmark bestätigt, was in der Praxis täglich spürbar ist: Digitale Basisleistungen wie Online-Kundencenter oder digitale Abrechnung sind kein Differenzierungsmerkmal mehr. Der Wettbewerb verlagert sich auf integrierte Energielösungen – und auf die Frage, wie schnell ein Versorger neue Angebote am Markt sichtbar machen kann. Für kleinere Häuser, die neue Themen parallel zum Tagesgeschäft und zu regulatorischen Pflichtaufgaben stemmen müssen, ist das eine besondere Herausforderung. Aber keine unüberwindliche.

Plattformansatz als Ausweg aus dem Ressourcendilemma

Die Antwort liegt nicht in mehr IT-Personal oder aufwendigen Eigenentwicklungen, sondern in der Nutzung von Plattformlösungen, die erprobte Prozesse als Bausteine bereitstellen. Ein moderner Plattformansatz erlaubt es, Netzprodukte, Vertriebsprozesse, Kundenportale und sogar ein eigenes HEMS ohne eigene IT-Ressourcen zu implementieren – und schrittweise zu erweitern. Genau darin liegt der Hebel für kleinere Stadtwerke: nicht alles auf einmal, aber konsequent in die richtige Richtung. Ein konkretes Beispiel liefert die Stadtwerke Bad Bramstedt Netz GmbH.

Der Netzbetreiber aus Schleswig-Holstein hat nach diesem Prinzip die gängigen Netzprodukte umgesetzt: Hausanschlüsse für Strom und Gas, Einspeiseranmeldungen, die Anmeldung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen und Wärmepumpen sowie die Installateursverwaltung. Bald soll ein vollintegriertes Selfservice-Portal dazukommen. Das Ergebnis ist eine vollständig digitale Netzplattform – für Endkunden wie für Fachbetriebe. Technisch entspricht das genau dem Portfolio, das laut Benchmark die Basis für wettbewerbsfähige Netzangebote bildet. Und das ohne ein großes internes Entwicklungsprojekt.

Lokale Stärke und digitale Infrastruktur sind kein Widerspruch

Der Benchmark weist zurecht darauf hin, dass kleinere Stadtwerke ihre lokale Verankerung und Kundennähe als strategischen Vorteil ausspielen können – insbesondere bei integrierten Energiedienstleistungen und der Wärmewende. Dieser Vorteil entfaltet sich aber erst dann vollständig, wenn er durch eine funktionsfähige digitale Infrastruktur unterstützt wird. Wer die Schnittstelle zum Kunden nicht digital besetzen kann, überlässt diesen Raum anderen.

Die Entscheidung für eine sofort einsetzbare Plattform statt einer langwierigen Eigenentwicklung ist gerade für kleinere Häuser eine strategische Wahl: Ressourcen dort einsetzen, wo lokales Wissen und regionale Nähe tatsächlich einen Unterschied machen – und Standardprozesse sowie Neuentwicklungen über eine Plattform laufen lassen, die dafür gebaut ist. Das Beispiel Bad Bramstedt zeigt, dass das keine Frage der Unternehmensgröße ist, sondern der richtigen Entscheidung.

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