Kommunale Unternehmen, aber auch Gemeinden oder Städten, decken eine Vielzahl von Themen ab. Der Anspruch ist oftmals, diese Vielfalt auch auf der Website vollständig zugänglich zu machen, was die Navigation komplex machen kann.

Kommunale Unternehmen, aber auch Gemeinden oder Städten, decken eine Vielzahl von Themen ab. Der Anspruch ist oftmals, diese Vielfalt auch auf der Website vollständig zugänglich zu machen, was die Navigation komplex machen kann.

Bild: © Rawpixel.com/AdobeStock

Von:
Ole Besendahl,
ist Gründer und Geschäftsführer des Design- und Tech-Studios 5AM
mit Sitz in Hamburg.


Wer als User an die Websites von Apple oder die Apps von Spotify gewöhnt ist, hat hohe Erwartungen und möchte bei lokalen Angeboten die gleiche Präzision erleben. Die gute Nachricht: Die Budgets der großen DAX- oder NASDAQ-Unternehmen sind gar nicht nötig, um als kommunales Unternehmen den Bürger:innen ein zufriedenstellendes digitales Angebot zu machen. Wenn Sie bereits diese vier Aspekte beachten, machen Sie Ihr Angebot deutlich freundlicher für Nutzende.

Weniger ist mehr: Informationen kleiner als 7

Das Kurzzeitgedächtnis des Menschen kann nur etwa sieben Informationen gleichzeitig verarbeiten – diese Aussage geht auf den Psychologen George Miller zurück. Die nach ihm benannte Miller’sche Zahl wird zwar heute oftmals auch noch weiter nach unten korrigiert, macht aber anschaulich: Websites sollten eine überschaubare Anzahl von Optionen anbieten, um Überforderung zu vermeiden und die Benutzerführung intuitiv zu gestalten. Das gilt nicht nur für die Navigation. Auch auf Unterseiten sollten die Buttons, Grafiken, Links zu Formularen usw. nicht dafür sorgen, dass der Fokus verloren geht.

Nicht überfrachten: Städteplanung als Analogie zur Seiten-Navigation

Kommunale Unternehmen, aber auch Gemeinden oder Städten, decken eine Vielzahl von Themen ab. Der Anspruch ist oftmals, diese Vielfalt auch auf der Website vollständig zugänglich zu machen, was die Navigation komplex machen kann. Hier kann eine Analogie aus der Städteplanung helfen: Dort, wo viele Menschen schnell hinwollen, baut man eine ICE-Strecke mit Halten an den wichtigsten Punkten.

Analog dazu sollten Hauptthemen auf der Website prominent und klar zugänglich sein. Unterthemen, die weniger relevant sind oder weniger häufig gesucht werden, werden entsprechend nicht Teil der Hauptnavigation. Sie bekommen keinen (metaphorischen) ICE-Halt. Damit sie dennoch auffindbar sind, braucht es eine gute Seitensuche oder einen Chat mit einer künstlichen Intelligenz, die die Detailsuche übernimmt.

Klarheit in der Sprache: Fokus auf die Kunden, nicht auf Stakeholder

Oft werden Texte von Fachleuten geschrieben, die tief in einem Thema drin sind. Die Folge: Es werden Fachbegriffe genutzt, die gar nicht dem entsprechen, was Nutzende suchen. Das hat zwei gravierende Nachteile: Zum einen wird die Seite bei Google nicht mit den richtigen Keywords gefunden. Zum anderen ist es viel effektiver, Vorteile anstelle von Features zu verkaufen. Beispielsweise haben nur wenige Endverbraucher:innen eine Vorstellung, was “1000 MBit/s” bedeutet, wohingegen “Lade einen ganzen Film in 1:30min runter und mache dabei noch einen Video-Call” einen wahren, gesuchten Mehrwert bietet.

Es ist also als kommunales Unternehmen eine Übersetzungsleistung erforderlich – die Website muss die Sprache der Kunden sprechen, nicht die der internen Stakeholder. Hier hilft oftmals auch eine externe Perspektive durch Testlesende einzuholen, die inhaltliches Feedback geben. Auch bei Texten gilt, wie überall im Internet, weniger ist mehr. Kaum ein User liest einen Text ganz. Skim-Reading, also als User Texte nur nach den wichtigsten Aspekten zu durchsuchen, ist das Stichwort.

Änderungen möglich machen: Flexibles System statt starrem CMS

Kommunale Unternehmen wie Stadtwerke nutzen oft diverse Tools für ihre Angebote, etwa für Stellenausschreibungen, zum Management von Stromverträgen oder dem Wallboxen-Verkauf. Sie alle müssen in die Website integriert werden. Ein flexibles, „headless“ Setup, bei dem das Frontend nicht fest mit dem CMS verbunden ist, bietet hier enorme Vorteile.

Daten können flexibel aus verschiedenen Quellen abgerufen und in die Website eingebunden werden, ohne dass das Backend neu programmiert werden muss. Gute Erfahrungen haben wir hierbei mit CMS-Lösungen wie Storyblok gemacht, die hohe Standards bieten, aber auch Flexibilität und die Möglichkeit, schnell auf Änderungen zu reagieren.

Das sind die Basics. Darüber hinaus gilt wie bei allem: Ausprobieren, Messen, Auswerten, Verbessern. Für spezielle Zielgruppen ergeben auch spezielle Inhalte Sinn. Es gilt also eine sinnvolle Datenbasis für aufgestellte Hypothesen zu treffen und diese dann zu validieren. (sg)

Ole Besendahl ist Gründer und Geschäftsführer des Design- und Tech-Studios 5AM mit Sitz in Hamburg. Seit über einer Dekade sind digitale Experiences sein Steckenpferd, denn bereits mit 16 Jahren gründete der gebürtige Hanseat seine erste Digital-Agentur. Nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Kitesurf-Karriere noch vor der Volljährigkeit, folgte Ole seiner Leidenschaft für Marken und digitale Erlebnisse. Mit seinem Team bei 5AM löst er seit 2021 Probleme von Unternehmen durch eine klare Markengestaltung und digitale Kundenerlebnisse. Zu den Auftraggebern zählen unter anderem die Stadtwerke Lübeck, CAPAROL ICONS und THONET.

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