Der Rollout läuft: "Der straßenweise Voll-Rollout kostet nur rund ein Viertel im Vergleich zu einem auf wenige Kunden beschränkten Einbau. Wo sonst mehr als 100 € pro Jahr fällig werden, gibt es mit der Hausheld-Technologie Smart Meter entlang der gesetzlichen Preisstaffeln ab 23 € pro Jahr", sagt Hausheld-Vorstand Bouke Stoffelsma.

Der Rollout läuft: "Der straßenweise Voll-Rollout kostet nur rund ein Viertel im Vergleich zu einem auf wenige Kunden beschränkten Einbau. Wo sonst mehr als 100 € pro Jahr fällig werden, gibt es mit der Hausheld-Technologie Smart Meter entlang der gesetzlichen Preisstaffeln ab 23 € pro Jahr", sagt Hausheld-Vorstand Bouke Stoffelsma.

Bild: © Hausheld AG

Herr Stoffelsma, Hausheld verfolgt mit den Stadtwerken Saarlouis, den Stadtwerken Wolfenbüttel oder der VWEW einen Vollrollout. Bei der Datenübertragung setzen Sie ein Mesh-Funknetz ein. In unserer aktuellen ZfK-Umfrage zum Smart-Meter-Rollout haben jedoch viele der Netzbetreiber angegeben, dass sie einen Vollrollout derzeit wirtschaftlich nicht attraktiv bewerten und auch die Technik noch nicht dazu ausgereift ist. Hausheld sagt dagegen, die Vernetzung einzelner Stadtteile bringe auch die Wirtschaftlichkeit mit sich. Könnten Sie Ihr Konzept genauer erklären?
Bouke Stoffelsma, Vorstand von Hausheld: Hausheld arbeitet seit 2015 an den Smart Metern. Wir kommen aus der digitalen Welt, hatten schon viele Jahre Bezahlsysteme für die Deutsche Telekom oder Funksysteme für den kommunalen Verkehrsbetrieb entwickelt. Wir hatten das Glück, früh Stadtwerke zu gewinnen, die uns vertraut haben und uns geholfen haben, Lösungen für den Rollout zu entwickeln und auszuprobieren. Deshalb haben wir viel Erfahrung und eine passende Technik entwickelt. Bei unserem Geschäftsmodell verdienen wir erst, wenn die Systeme MsbG-konforme Messwerte liefern. Das hat von Anfang an für eine Interessengleichheit gesorgt.
 
Teil-Rollouts sind unglaublich ineffektiv: Wer nur den Pflicht-Rollout macht, schickt Monteure große Strecken zum Kunden und wenn jemand nicht zuhause ist, ist der Business Case schon kaputt. Beim Voll-Rollout bleiben die Monteure die ganze Woche vor Ort und tauschen Haus für Haus, Straße für Straße alle Zähler. Die fahren weniger und installieren mehr. Ist ein Kunde nicht zuhause, versuchen sie es später nochmal.
 
Auch technisch erlaubt der Voll-Rollout eine andere Herangehensweise: Per Funk können viele Zähler mit einem Smart Meter Gateway verbunden werden. Man braucht dann weniger Smart Meter Gateways, weniger WAN-Verbindungen und die „sichere Lieferkette“ ist nicht beim reinen Zählerwechsel notwendig. Man installiert das Smart Meter Gateway dann mit SilKe in der Ortsnetzstation statt beim Kunden im Keller. Sind die Daten einmal oberirdisch, lassen sich bestehende Glasfasernetze oder LTE sehr gut nutzen, um die Messwerte von Smart Meter Gateway abzutransportieren. So aufgebaut, funktionieren die Smart Meter hervorragend, auch aus Kellern und Tiefgaragen, wo kein Handy mehr Empfang hat.
 
 






Und wie lässt sich so ein Vollrollout angesichts der aktuellen Lieferprobleme von intelligenten Messsystemen bewerkstelligen?
Die vom Gesetzgeber vorgegebenen Mengen sind seit 2016 bekannt. Hausheld hat entsprechend früh und für ein junges, zunächst branchenfremdes Unternehmen große Rahmenverträge mit den führenden Herstellern geschlossen. Als wir das gemacht haben, haben sich viele gewundert. Heute ist klar, dass das für unsere Kunden ein großer Vorteil ist. Wir können die Stückzahlen sicher liefern und garantieren unseren Kunden, dass sie die Pflichteinbauquoten bis Februar 2023 erfüllen. Das ist wichtig, weil Versorger sonst ihre Rolle als grundzuständiger Messstellenbetreiber verlieren dürften.

Inwiefern löst ein Mesh-Funknetz das Datenübertragungsproblem? Was brauche ich als Netzbetreiber um ein solches Funknetz aufzustellen? Kann es wirklich alle Zähler abdecken? Ist Hausheld das einzige Unternehmen, das auf diese Funknetztechnik setzt und was sagt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dazu?
Ja, das Mesh-Netzwerk löst das Problem der Datenübertragung wirkungsvoll. Als Netzbetreiber brauchen Sie die Entschlossenheit zum Voll-Rollout, weil sich das Netzwerk im Wesentlichen von Zähler zu Zähler aufbaut. Wenn man alle Zähler zu Smart Meter macht, vernetzen sich die Zähler untereinander. Das Funknetz wird anschließend durch Steuerboxen oder durch Repeater verdichtet, wo das notwendig ist. Anders als beim klassischen Mobilfunk ist es also möglich, den Empfang durch weitere Repeater einfach herzustellen oder zu verbessern. Meines Wissens nach ist Hausheld das einzige Unternehmen, das vor einigen Jahren so „verrückt“ war, an einen Voll-Rollout zu glauben. Wir haben dafür Risiko-Kapital eingesammelt und durften gegen alle Zweifel eine super Lösung für die Branche entwickeln. Das BSI hat uns hierbei beraten, die Physikalische-Technische Bundesanstalt (PTB) hat die Konformität der Funktechnik für die intelligenten Messsysteme bestätigt und wir haben einige Patente zugesprochen bekommen. Viel wichtiger aber ist: Mit unserer innovativen Lösung lässt sich die Digitalisierung der Energiewende erheblich beschleunigen und wir stellen diese Lösung dem Markt zur Verfügung.
 
Als weiteres großes Problem wird die Anbindung ans ERP angesehen. Ist das für Hausheld kein Problem?
Sagen wir mal so: Hausheld hat mit bestehenden ERP-Systemen wie Schleupen tausende Smart Meter in Betrieb. Die ERP-Systeme sind oft aus den 1990er Jahren und es wurde lange nicht viel daran gemacht. Natürlich ist das ein Problem. Man kann das aber in den Griff bekommen, insbesondere, wenn man die bestehenden Standard-Prozesse nutzt. Einige unserer Kunden haben auch mit Robotics gute Erfahrungen gemacht. Generell kann man sagen, dass das einer der Schwerpunkte der Projektarbeit ist. Das erfordert aber meines Erachtens nur Fleiß und Nerven und ist grundsätzlich eine lösbare Aufgabe.



Vielleicht ist aber auch unser Herangehen für Stadtwerke hilfreich: Wir setzen schnell alle Messstellen um, die schon gut im ERP abbildbar sind, zum Beispiel alle Verbraucher mit TAF1 und die Einspeiseanlagen mit TAF7. Besonderheiten wie Messstellen mit HT/NT legen wir im Rollout zeitlich später an und ersetzen dann aber auch gleich die veralteten Rundsteuersysteme durch SMGW-Steuerboxen. So kommt man beim Rollout zügig voran und kann gleichzeitig sein ERP-System und immer mehr Anwendungen für die intelligenten Messsysteme weiterentwickeln. Wichtig ist das Ziel: Die volle Digitalisierung des Messwesens durch das Stadtwerk.

Auch die unklare Rechtslage angesichts des OVG-Eilbeschlusses und der fehlenden Gesetze etwa für steuerbare Verbraucher wird beklagt.
Die Rechtslage halte ich für eindeutig. Der Gesetzgeber hat entschlossen nachgebessert und lässt auch in seinem Koalitionsvertrag keinen Zweifel an der entschlossen Digitalisierung der Energiewende als unverzichtbare Notwendigkeit für den Klimaschutz. Klar gibt es immer Juristen, die vom Aufzeigen von Problemen und Risiken leben. Aber selbst die sehen mittlerweile, dass das Risiko für Stadtwerke, durch Zögern beim Rollout den Markt und den Anschluss zu verlieren, enorm gestiegen ist. Die laufenden Fristen für die Mindestausstattung und der abzusehende Markteintritt der Wohnungswirtschaft ist für Stadtwerke mit langsamem Rollout strategisch mit dem Verlust des Messwesens belastet. Ich werbe nicht nur in der ZfK schon wirklich lange dafür, den Rollout beherzt anzupacken. Wir sind spezialisiert auf dieses Thema und helfen Stadtwerken, wo wir können bzw. wo man uns fragt.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper