Bremst der Light-Rollout mehr als er hilft? Frank Borchardt vom VDE FNN meint ja.

Bremst der Light-Rollout mehr als er hilft? Frank Borchardt vom VDE FNN meint ja.

Bild: © Robert Poorten/AdobeStock

Mit "Smart Meter Light" will die Bundesregierung endlich den stockenden Rollout beschleunigen und mehr Haushalten dynamische Stromtarife ermöglichen. Einfacher soll es damit für Kundinnen und Kunden werden, die nicht dem verpflichtenden Rollout unterliegen – eigentlich.

Doch die Pläne sind stark umstritten und haben eine hitzige Debatte entfacht. Der Elektrotechnikverband VDE hat nun seine Kritik bekräftigt: Die Light-Variante könnte den Rollout insgesamt sogar bremsen und verteuern.

Denn: Messstellenbetreiber müssten parallel neue Systemlandschaften aufbauen und skalieren. Aber die verfügbaren Ressourcen seien bei allen Beteiligten schon jetzt knapp. Darauf verweist Frank Borchardt, Leiter des Fachbereichs Metering und Digitalisierung im Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE).

Neue Systeme, neue Sorgen

Komme ein weiteres System hinzu, müssten Handwerk und Dienstleister zusätzliche Technikvarianten beherrschen und installieren. Hersteller wiederum müssten nicht nur intelligente Messsysteme (iMSys)‑Komponenten weiterentwickeln, sondern auch neue Produkte dafür entwickeln, testen und zertifizieren, betont Borchardt im Gespräch mit der ZFK.

Es ist nicht erkennbar, wie 'Smart Meter Light' schneller zum Einsatz kommen soll als die bestehende Lösung mit iMSys.

Gleichzeitig brauche es Standardisierung – auch das binde Kapazitäten, die dann nicht in die Weiterentwicklung und Skalierung des bestehenden iMSys‑Rollouts fließen.

Zusätzliche Kosten erwartet Borchardt auch durch die IT: Für ein weiteres System müssten Backends aufgebaut und in die Marktkommunikation integriert werden. Das seien "langlaufende und sehr teure IT‑Projekte".

Es sei darum nicht erkennbar, warum Smart Meter Light schneller in die Fläche kommen solle als die bestehende iMSys‑Lösung.

Keine Steuerung vorgesehen

Besonders kritisch sieht Borchardt das Risiko doppelter Investitionen. Wer später etwa eine Photovoltaikanlage, eine Wallbox oder eine Wärmepumpe installiert, braucht aus seiner Sicht die Steuerungsfunktion des iMSys.

Denn Netzbetreiber müssen bei Netzengpässen notfalls auf solche Anlagen zugreifen können. Dazu braucht es intelligente Messsysteme, die eine Steuerung aus der Ferne zulassen.

Die sieht der Light‑Rollout aber nicht vor. Somit könnten Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich ein entsprechendes Light‑System einbauen lassen, später erneut vor einem Gerätewechsel stehen.

Anreize für Messstellenbetreiber

Statt Smart Meter Light schlägt der VDE FNN eine bereits im Messstellen-Betriebsgesetz verankerte Lösung vor: die 1:n‑Anbindung, bei der sich mehrere Zähler ein Smart‑Meter‑Gateway teilen. Gerade in Mehrfamilienhäusern könne das Kosten sparen.

Das Problem liege heute weniger in der Technik als in den Anreizen: In Mehrfamilienhäusern träfen oft wenige Pflichteinbaufälle auf viele optionale Einbaufälle. Messstellenbetreiber hätten dann keinen Anreiz, die optionalen Fälle "mitzunehmen".

Borchardt plädiert daher dafür, dass optionale Einbaufälle bei 1:n regulatorisch auf die Quote angerechnet werden, um den Rollout entlang bestehender Strukturen zu beschleunigen.

VZBV mit klaren Forderungen

Die Debatte reißt seit Monaten nicht ab. So fordert etwa der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) unter anderem Freiwilligkeit in optionalen Fällen, spürbar niedrigere Kosten und mehr Datenschutz. Zugleich dürfe der reguläre iMSys‑Rollout nicht ausgebremst werden, so der VZBV.

Die Bundesregierung hatte die Light-Variante im Juli angekündigt. Einen Zeitplan dafür gibt es Stand heute nicht. Das VDE FNN vereint als technisches Netzwerk für die Stromnetze mehr als 500 Hersteller, Netzbetreiber, Versorger, Anlagenbetreiber, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen.

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