Die Stadtwerke München (SWM) setzen nach eigenen Angaben KI in vielen Bereichen ein. „Aktuell haben wir unternehmensintern bereits Dutzende Anwendungsfälle identifiziert – Tendenz steigend“, so die Münchner.
Anwendungsfälle
In der Mobilität nutzen die SWM beispielsweise KI-Modelle für Fahrgastprognosen oder Reichweiteberechnungen von E-Bussen. Im Netzbetrieb werden Freileitungen per KI überwacht, in der Produktion werden Kraftwerke KI-gestützt gesteuert und Kühlwasserprognosen mittels Künstlicher Intelligenz erstellt.
Mittels Cognitive Services werden zudem vermehrt spezifische Anwendungsfälle wie Forecasts von Finanzreihen erstellt oder Schulungsvideos automatisiert vertont. Weitere KI-Anwendungsfälle finden sich in IT-Sicherheitsanwendungen oder der videobasierten Unterstützung der Beckenaufsicht in Bädern wieder.
Bei Wissensarbeiter:innen wird eine konzernweite ChatGPT-Instanz genutzt – hier verzeichnen die SWM inzwischen rund 3500 Anfragen pro Tag.
Art und Weise des Arbeitens wird sich ändern
KI sehen die Stadtwerke München definitiv als dauerhaften, nachhaltigen Gamechanger für Unternehmen und das operative Geschäft. „Wir sind davon überzeugt, dass KI die Art und Weise des Arbeitens, insbesondere bei Wissensarbeitenden, stark verändern wird. Aus Personalsicht erfordert dies neue Skillsets bei Neueinstellungen, entsprechende Weiterbildungsangebote für die Belegschaft und ein effektives Changemanagement für bestehende Prozesse“, erklärten die SWM.
Im operativen Geschäft strömen mehr und mehr KI-Anwendungen auf den Markt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss deren Nutzen schnell bewertet und innovative Lösungen zeitnah implementiert werden. "Dementsprechend sehen wir KI nicht nur als Hype, sondern als wesentliche Technologie, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Wärmewende, die Energiewende und die Mobilitätswende meistern zu können", so die SWM.
Vorbehalte gegen KI
In der Belegschaft gebe es zwar Vorbehalte, allerdings seien diese bisher handhabbar. Die Skepsis, die gegenüber KI geäußert wird, bezieht sich laut den Stadtwerken München zumeist auf folgende vier Punkte: (1) Datenschutzbedenken, (2) Arbeitsplatzverlust durch KI, (3) Sicherheitsbedenken bei Anwendung von KI in kritischer Infrastruktur (zum Beispiel Konsequenzen falscher Entscheidung durch KI bei der Kraftwerksteuerung), (4) ethische Bedenken.
Fortschritte durch KI
Der Mehrwert von KI werde unternehmensweit erkannt und die Technologie wird bereits in mehreren Bereichen erfolgreich genutzt. Sowohl ein zentraler Fachbereich als auch mehrere Satelliten-Bereiche beschäftigen sich mit der (Weiter-)Entwicklung von KI-Anwendungsfällen.
„Es zeigen sich bereits spürbare Fortschritte. Gleichzeitig sehen wir uns derzeit noch am Anfang einer Entwicklung und verfolgen einen unternehmensweiten Ansatz, der sowohl notwendige Rahmenbedingungen schafft, gezielt Anwendungsfälle weiterentwickelt und über Kommunikation und Schulung das gesamte Unternehmen einbezieht.“
Zukunftschancen durch KI
„Wir sehen große Chancen im Bereich Arbeitsproduktivität“, so die SWM. Besonders bei Wissensarbeiter:innen glauben die Stadtwerke an eine deutliche Effizienzsteigerung – so wie in mehreren Studien zu KI antizipiert. Dies werde Bereichen ermöglichen, die steigenden Anforderungen besser mit bestehenden Ressourcen zu bewältigen.
„Wir sehen KI daher auch als Instrument, dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen. In diesem Zusammenhang muss allerdings auch ein konzernweites Daten- und Wissensmanagement als kritischer Faktor für nachhaltig erfolgreiche KI-Anwendung weiter ausgebaut werden.“
Fortbildungsbedarf
Zudem gelte es, Mitarbeiter:innen mit KI-Anwendungen für Wissensmanagement vertraut zu machen und entsprechend zu schulen bzw. weiterzubilden. „Den größten Fortbildungsbedarf sehen wir aktuell bei breiten KI-Anwendungen, die von einem großen Teil der Belegschaft genutzt wird (wie etwa ChatGPT). Ein erstes konzernweites E-Learning zu diesen Themen wurde bereits mehr als 350 Mal gebucht.“
Darüber hinaus bestehe Fortbildungsbedarf für eine effektive Nutzung von KI-Tools, etwa im Bereich Prompting. Grundsätzlich ist es den SWM wichtig, dass die Belegschaft ein gutes allgemeines Verständnis zu KI sowie zu deren Chancen und Risiken erhält.
KI in Verbindung mit Robotik
Auch in operativen Geschäftsbereichen erwarten die SWM einen verstärkten Einsatz von KI in Verbindung mit Robotik. Als Beispiel nennt der Münchner Versorger die vorausschauende und operative Wartung im Netzbetrieb oder die Kraftwerksteuerung per KI.
Konzernweite „Initiative KI“
Für die Einführung von KI-Anwendungen müssen entsprechende unternehmensinterne Richtlinien und ein Informationssicherheits-/Compliance-Prozess aufgesetzt werden. Dies wird aktuell bereits durch die konzernweite „Initiative KI“ bei den SWM erarbeitet. (sg)

