Im Smart City Lab können Stadtwerke Anwendungen zur intelligenten Stadt austesten.

Im Smart City Lab können Stadtwerke Anwendungen zur intelligenten Stadt austesten.

Bild: © ldprod/AdobeStock

"Nach dem Motto 'von Stadtwerken für Stadtwerke' werden wir zum einen ein Beratungsangebot aufbauen, mit dem wir sowohl Stadtwerke als auch Kommunen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten unterstützen", sagt Daniel Paulmaier, Geschäftsführer von KIK-S – Kommunale IT-Kooperation Stadtwerke. Zum anderen können sowohl die Gesellschafter als auch andere Stadtwerke das Smart-City-Lab nutzen und den Einsatz von LoRa in praxisorientierten Szenarien testen.

Das Angebot erstrecke sich von Sensor-Hardware über Portal-Software bis zur Visualisierung der Messwerte, konkretisiert Paulmaier. Er ist zugleich Leiter für strategische Produktentwicklung bei Wilken. Die IT-Schmiede aus Ulm hat sich Ende Oktober an dem zuvor rein kommunal geführten IT-Verbund mit 25 Prozent beteiligt, nachdem die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen ausgestiegen waren. Die anderen drei Gesellschafter sind die Stadtwerke Lindau, Schifferstadt und Waiblingen.

Smart-City-Lab zum Testen

Künftig übernimmt daher KIK-S auch die Verantwortung für das Smart-City-Lab, das Wilken erstmals auf der E-World vorgestellt hatte. Das Ludwigsburger Unternehmen will damit sein bisheriges Portfolio, das vom strukturierten Abarbeiten technischer und rechtlicher Fragestellungen bis zur Übernahme des kompletten IT-Betriebs für die Branchenlösung NTS.suite reicht, ergänzen.

"Die Wilken Software Group bringt in diesem Zusammenhang als Gesellschafter ihr IT-Know-how ein. In enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Lindau, Schifferstadt und Waiblingen will das KIK-S praxisgerechte Lösungen, die vor allem für kleinere und mittlere Stadtwerke handhabbar sind erarbeiten", erklärt KIK-S-Geschäftsführer Clemens Dorda.

Nicht jeder LoRa-Sensor ist "Stadtwerke-tauglich"

Denn sobald man sich ernsthaft an den Aufbau einer stabilen und belastbaren LoRa-Infrastruktur mache, werde schnell klar, dass es LoRA noch längst nicht von der Stange gibt, sagt sein Kollege Daniel Paulmaier. Dies sei der Auslöser für den Aufbau der Smart-City-Labs gewesen, die als Versuchsfeld für Stadtwerke fungieren.

So sei zum Beispiel nicht jeder LoRa-Anbieter "Stadtwerke-tauglich", erläutert Paulmaier gegenüber der ZfK. Der Anbieter habe zwar die bestellte Hardware im Sortiment, liefere darüber hinaus aber keinerlei zusätzliche Informationen zur schnellen Inbetriebnahme der Geräte. "Gerade das ist für Stadtwerke aber essenziell, vor allem, wenn entsprechende Stückzahlen ausgerollt werden sollen", so Paulmaier. Hinzu komme: "Sensor ist nicht gleich Sensor. Gerade bei günstigen Geräten kam es teilweise zu extremen Messfehlern. Auch die Lebenszeit der eingesetzten Akkus für die Stromversorgung ist durchaus unterschiedlich. Diese sollte bei mindestens zehn Jahren liegen – ein Anspruch, den nicht jeder Sensor erfüllt", konkretisiert Paulmaier.

Suche nach dem richtigen Sensor

Auch müsse man den richtigen Sensor finden. Paulmaier spricht aus eigener Erfahrung: "Bei unserer Wasserstandsmessung in der firmeneigenen Zisterne wählte das Team einen Ultraschall-Sensor, wie er in der Industrie beispielsweise für die Überwachung von Füllständen von Bio-Reaktoren im Einsatz ist. Doch obwohl die Technik bewährt und die Messung absolut genau ist, kam es immer wieder zu unerklärlichen Abweichungen."

Man habe nicht berücksichtigt, dass eine Zisterne nicht mit einem Bioreaktor vergleichbar sei. Im Gegensatz zum Reinraum leben dort Spinnen, Laub wird hereingeweht und auch die Temperatur und Feuchtigkeit schwanken sehr stark. Mittlerweile sei KIK-S mit einer Reihe von Sensorherstellern im Kontakt, um ihre Anforderungen in die Weiterentwicklungen einfließen zu lassen.

Verein IoT for Citizens geplant

"Bis jetzt sind Themen wie Smart-City und LoRaWAN meist rein technologiegetrieben. Wir sehen es dagegen als unsere Aufgabe, diese Ansätze sinnvoll in die Stadtwerke-Prozesse zu integrieren", beschreibt sein Kollege Daniel Paulmaier die Zielsetzung. Versorger können somit künftig auch als digitale Infrastruktur-Dienstleister ihre Kommunen bei der Umsetzung von Smart-City-Projekten unterstützen. Das KIK-S positioniert sich dabei künftig als "SmartCity Competence-Center".

Um das Thema voranzutreiben, sei derzeit auch der Verein "IoT for Citizens" in Gründung, erzählt Paulmaier. Die Idee dahinter sei, dass die Digitalisierung am Ende den Bürgern zugutekommen soll. "Und es spricht ja auch nichts dagegen, wenn sich Stadtwerke und Kommunen im Rahmen eines solchen Vereins austauschen. Da die Angebote in der Regel lokal und regional umgesetzt werden, kommen sich die Vereinsmitglieder hier kaum ins Gehege", sagt Paulmaier zur ZfK. Im Gegenteil: Sei ein Konzept an einem Ort erfolgreich, spreche nichts dagegen, wenn es auch andernorts umgesetzt werde. (sg)

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