Einbau eines Smart Meters: In der Energy Systems Alliance ergänzen Metrify und Inexogy das Angebot um intelligenten Messstellenbetrieb und Steuerungstechnik.

Einbau eines Smart Meters: In der Energy Systems Alliance ergänzen Metrify und Inexogy das Angebot um intelligenten Messstellenbetrieb und Steuerungstechnik.

Bild: © Metrify

Wer einem Kunden heute eine Wärmepumpe oder Photovoltaikanlage verkauft, liefert längst nicht mehr nur ein technisches Gerät. Dynamischer Stromtarif, Energiemanagement, intelligentes Messsystem und netzdienliche Steuerung müssen ebenfalls zusammenspielen. Für Installationsbetriebe und Stadtwerke entsteht daraus schnell ein Angebot mit vielen Beteiligten und noch mehr Schnittstellen.

Genau an dieser Stelle setzt die Energy Systems Alliance, kurz ESA, an. Gegründet wurde sie 2025 von Solarwatt, Tibber und Kiwigrid. Solarwatt bringt dezentrale Energielösungen ein, Kiwigrid das Energiemanagement und Tibber den dynamischen Stromtarif sowie die Anbindung an den Energiemarkt. Die Allianz richtet sich bislang vor allem an unabhängige Installationsbetriebe, die ihren Kunden ein abgestimmtes Gesamtsystem anbieten sollen. Dazu gehören auch Schulungen, Zertifizierungen, technischer Support und Unterstützung beim Vertrieb.

Bislang fehlte jedoch ein zentraler Baustein: das intelligente Messsystem einschließlich Steuerung. Diese Lücke sollen nun die beiden wettbewerblichen Messstellenbetreiber Metrify und Inexogy schließen. Im Mittelpunkt des neuen Angebots von Metrify stehen der Einbau und Betrieb von Smart Metern und Steuerungseinrichtungen sowie die technische Anbindung an das Energiemanagement von Kiwigrid. Metrify verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 75.000 intelligente Messsysteme im aktiven Betrieb und hat mehr als 12.000 Steuerungseinrichtungen installiert.

Ohne Smart Meter bleibt das System unvollständig

"Ohne Smart Meter geht es nicht", erklärt Tina Hadler, Senior Vice President Sales bei Metrify. Für ein durchgängiges Angebot reichten dezentrale Energietechnik, Energiemanagement und dynamische Tarife allein nicht aus. Metrify soll daher die Messtechnik einbauen und betreiben und zugleich die Verbindung zum Energiemanagement sicherstellen. Dabei gehe es nicht allein um die Erfassung von Messwerten, sondern auch um die Steuerfähigkeit der angeschlossenen Anlagen.

Für den Endkunden soll die Arbeitsteilung möglichst wenig sichtbar werden. Nach außen steht ein Gesamtangebot, im Hintergrund verteilen sich die Aufgaben auf mehrere spezialisierte Unternehmen.

Anne-Katrin Wehnert von Kiwigrid erläutert: "Nach außen soll ein einheitliches Vertragsangebot entstehen, während im Hintergrund mehrere einzelne Leistungen und Vertragspartner zusammenwirken." Dazu könnten etwa Verträge mit dem Stadtwerk, dem Messstellenbetreiber oder weiteren Dienstleistern gehören. Ziel sei, die Vertragsanbindung für den Kunden zu vereinfachen.

Stadtwerk bleibt an der Kundenschnittstelle

Obwohl die ESA zunächst für Installationsbetriebe aufgebaut wurde, sehen die beteiligten Unternehmen auch Stadtwerke als Partner und Kunden. Viele kommunale Versorger vertreiben inzwischen selbst Photovoltaikanlagen, Speicher, Wallboxen oder Wärmepumpen. Über die Allianz könnten sie diese Angebote um Messstellenbetrieb, Energiemanagement und dynamische Tarife ergänzen, ohne alle technischen und energiewirtschaftlichen Bausteine selbst aufbauen zu müssen.

Die beteiligten Dienstleister treten dabei nicht zwangsläufig selbst gegenüber dem Haushaltskunden auf. "Wir übernehmen den Messstellenbetrieb und stellen die technische Anbindung sicher. Die Kundenschnittstelle kann beim Stadtwerk oder Installationsbetrieb bleiben", erklärt Hadler.

Ähnlich positioniert sich Kiwigrid. "Wenn das Angebot über ein Stadtwerk läuft, sind wir in der Regel im White-Label-Modell tätig", erklärt Wehnert. Kiwigrid liefert die Software und die notwendigen Schnittstellen im Hintergrund, während das Stadtwerk gegenüber den Kunden unter eigener Marke auftritt.

Messstellenbetrieb über das eigene Netzgebiet hinaus

Interessant könnte das Modell auch dort sein, wo das Vertriebsgebiet eines Stadtwerks über das eigene Netzgebiet hinausreicht. Im eigenen Netzgebiet ist häufig der zum Stadtwerk gehörende grundzuständige Messstellenbetreiber verantwortlich. Außerhalb dieses Gebiets fehlt dem Vertrieb dagegen unter Umständen ein Partner, der Smart Meter und Steuerung nach einem einheitlichen Modell bereitstellt.

"Das Vertriebsgebiet ist häufig größer als das Netzgebiet", erläutert Hadler. Viele Anfragen an wettbewerbliche Messstellenbetreiber bezögen sich deshalb zunächst auf Gebiete, in denen das Stadtwerk zwar Kunden beliefert, aber nicht selbst für den grundzuständigen Messstellenbetrieb verantwortlich ist. Dort könnten Stadtwerke Erfahrungen mit einem wettbewerblichen Messstellenbetreiber sammeln und ihre Angebote planbarer ausrollen.

Viele Regeln, ein Angebot

Die Allianz reagiert zugleich auf die wachsende regulatorische und technische Komplexität dezentraler Energielösungen. Neben § 14a EnWG spielen unter anderem Vorgaben für die Steuerung von Anlagen und Einspeisern, dynamische Tarife und eine stärkere Einbindung in den Energiemarkt eine Rolle.

Wehnert verweist auf den Aufwand, der hinter einem solchen Komplettangebot steht: "Nicht jedes Stadtwerk kann alle regulatorischen, technischen und energiewirtschaftlichen Anforderungen selbst abbilden. Dafür braucht es spezialisierte Partner und ein belastbares Netzwerk." Die ESA soll Stadtwerken damit ermöglichen, solche Angebote aufzubauen, ohne sämtliche technischen und energiewirtschaftlichen Leistungen selbst erbringen zu müssen.

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