Mit steigenden Rolloutzahlen wird die sichere Lieferkette für Smart-Meter-Gateways vom Spezialprozess zum Massenthema. Für Messstellenbetreiber (MSB) geht es nicht mehr nur darum, zertifizierte Geräte zu beschaffen. Entscheidend ist auch, wie diese Geräte sicher, nachvollziehbar und mit vertretbarem Aufwand zum Monteur oder an den Einbauort kommen.
Die befragten Hersteller setzen dabei nicht auf ein einheitliches Modell. Die klassische sichere Lieferkette mit Safetybox, Skybox oder Safebag bleibt bei allen Anbietern relevant. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Wege, die den Versand flexibler machen sollen. Dazu gehören MSB-Lieferketten, Direktversandmodelle, digitale Prüfprozesse und herstellereigene Konzepte wie EMELIE bei EFR, FOX bei PPC oder theSI bei Theben Smart Energy.
Boxen bleiben die etablierte Basis
Die klassische SiLKe, Akronym für "Sichere Lieferkette", setzt auf speziell gesicherte Transportlösungen. Dazu zählen Safetyboxen, Skyboxen oder Safebags. Der Vorteil: Die Prozesse sind etabliert, die Sicherheitslogik ist nachvollziehbar und der Transport manipulationsgeschützt organisiert.
Im Massenrollout entstehen damit aber zusätzliche Anforderungen. Boxen müssen verfügbar sein, berechtigte Personen geschult werden, Rückführungslogistik muss organisiert und Prüfprozesse müssen eingehalten werden. PPC verweist darauf, dass Transportboxen eine abgestimmte Vorwärts- und Rückwärtslogistik zwischen den Partnern erfordern.
Alle befragten Hersteller bieten solche klassischen Boxen- oder Verpackungsmodelle weiterhin an. EFR, PPC, Sagemcom Dr. Neuhaus und Theben Smart Energy nennen Safetybox und Skybox, EMH metering Safebag, Skybox und Safetybox.
Unterschiede zeigen sich vor allem bei Skalierung, Handhabung und Praxiserfahrung. PPC nennt die konkretesten Rolloutzahlen. Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits 2,4 Millionen Smart-Meter-Gateways über die klassische SiLKe ausgeliefert. Das alternative Modell FOX, bei dem Geräte ohne zusätzliche SiLKe-Transportverpackung per Paketdienst geliefert werden können, sei bereits für mehr als 30.000 Gateways genutzt worden.
Sagemcom Dr. Neuhaus und Theben Smart Energy liefern konkrete Angaben zur Kapazität einzelner Transportlösungen. Bei Sagemcom passen bis zu 80 Siconia Smarty IQ-LTE in eine Safetybox und bis zu 1500 Geräte in eine Skybox. Theben nennt ebenfalls bis zu 1500 Smart Meter Gateways in einer Skybox. Während PPC auf 80 Smart-Meter-Gateways in der Safetybox und 1660 Stück in der Skybox verweist.
Zweiter Weg über MSB-Lieferketten
Parallel dazu gewinnt die MSB-Lieferkette an Bedeutung. Sie ersetzt die klassische SiLKe mit Spezialverpackungen nicht vollständig, eröffnet aber einen zweiten Weg. Sicherheit wird dabei stärker über definierte Prozesse, Prüfungen, Nachverfolgbarkeit und ein Sicherheitskonzept des Messstellenbetreibers hergestellt. Die Verantwortung liegt bei SiLKe und MSB-Lieferkette nach dem Wareneingang in beiden Fällen immer beim Messstellenbetreiber. Er verantwortet die Umsetzung der entsprechenden Vorgaben.
EFR nennt ihr Modell EMELIE. Dabei übernimmt das Unternehmen nach eigenen Angaben Lagerung, Prüfung und die Vorgaben des BSI-Sicherheitskonzeptes im Rahmen der kundenseitig zu verantwortenden MSB-Lieferkette. Geräte können direkt an Monteure geliefert werden. Im regulären Prozess benötigen Monteure laut EFR keine zusätzliche App und müssen keine zusätzliche Dokumentation für die Lieferkette vornehmen. Nur bei Auffälligkeiten muss eine Meldung erfolgen.
PPC bietet mit FOX ein Modell an, das für "Flexibel ohne Box" steht. Smart-Meter-Gateways können dabei ohne zusätzliche SiLKe-Transportverpackung über Paketdienstleister an Empfängeradressen geliefert werden. Grundlage sind digitale Lagerbestandsführung, Sendungsverfolgung und der Eigenschutz der Geräte. Wareneingangsprüfung, Lagerung, Versand und Dokumentation übernimmt bei FOX ein durch PPC befähigter Logistikdienstleister im Auftrag des Messstellenbetreibers.
Sagemcom Dr. Neuhaus nennt keinen eigenen Markennamen für die MSB-Lieferkette, bietet aber ebenfalls beide Wege an: die klassische SiLKe über den Hersteller und ein vereinfachtes Modell über den Messstellenbetreiber. Dabei verantwortet der Messstellenbetreiber ab Warenannahme den manipulationsfreien Transport auf Basis eines Sicherheitskonzepts. Sagemcom stellt Liefer- und Gerätedaten bereit, die der Messstellenbetreiber in seine Systeme integrieren kann. Ein Direktversand an Monteure kann im Rahmen einer MSB-Lieferkette umgesetzt werden.
EMH Metering hebt vor allem die Prozessvereinfachung durch die MSB-Lieferkette hervor. „Die Prozessvereinfachung, die die MSB-Lieferkette bringt, ist im Massen-Rollout ein echter Game-Changer“, sagt Geschäftsführer Peter Heuell. Zugleich verweist EMH darauf, dass die klassische SiLKe mit Safebag für viele Messstellenbetreiber weiterhin ein eingespielter Standardprozess bleibt. Das Unternehmen bietet neben Safebag, Skybox und Safetybox auch eine MSB-Lieferkette an.
Theben Smart Energy setzt neben der klassischen SiLKe auf das eigene Konzept theSI. Dabei werden bis zu 64 Smart-Meter-Gateways in manipulationsdetektierender Verpackung direkt an berechtigte Personen, Monteure oder Einsatzorte versendet. Für größere Mengen kombiniert Theben theSI mit der klassischen SiLKe, etwa über die Skybox.
Rund die Hälfte der Smart-Meter-Gateways liefert Theben nach eigenen Angaben schon über das eigene Konzept theSI aus. Darüber hinaus sei das Gateway auch für die MSB-Lieferkette zertifiziert und könne damit problemlos in prozessbasierte Liefermodelle integriert werden. Mit einem einfachen Onboarding lasse sich theSI beim Messstellenbetreiber zudem schnell und ohne großen Implementierungsaufwand einführen, heißt es weiter.
Verantwortung bleibt beim Messstellenbetreiber
So unterschiedlich die Modelle heißen, eine Gemeinsamkeit bleibt: Die Verantwortung verschwindet nicht. Hersteller können Prozesse, Tools, Schulungen oder Logistikbausteine bereitstellen. Für Messstellenbetreiber bleibt jedoch entscheidend, welche Aufgaben sie selbst übernehmen müssen und ab welchem Punkt sie die sichere Lieferkette verantworten.
EMH metering verweist darauf, dass der Messtellenbetreiber die gesetzliche Letztverantwortung nicht übertragen könne. Die Verantwortung für das Sicherheitskonzept und dessen Umsetzung bleibt damit ein zentraler Punkt für Messstellenbetreiber. Dies gilt auch für die EFR.
Digitale Prüfung oder möglichst wenig Zusatzaufwand
Ein weiterer Unterschied liegt in der Dokumentation. EMH setzt bei Safebag-Transporten auf die ELKE-App. Damit können Seriennummern geprüft, Siegel kontrolliert und Aufträge mobil dokumentiert werden.
Theben Smart Energy arbeitet bei theSI mit einem digitalen Montagebegleiter im Kundenportal. Jedes Siegel und jedes Gateway muss einzeln gescannt werden. Der Status des Entpackungsprozesses wird dokumentiert und ist für den Theben-Service einsehbar.
EFR setzt bei EMELIE anders an. Der reguläre Prozess soll möglichst wenig Zusatzaufwand auslösen. Monteure brauchen nach Angaben des Unternehmens keine App und müssen bei erfolgreichem Ablauf keine zusätzliche Lieferkettendokumentation vornehmen. Erst bei Auffälligkeiten wird eine Meldung erforderlich.
Für Messstellenbetreiber ist damit nicht allein entscheidend, ob ein Modell als klassische SiLKe oder als MSB-Lieferkette organisiert ist. Wichtiger ist, wie gut das Modell zum eigenen Rollout passt. Große Stückzahlen, Direktlieferung an Monteure, Dokumentationspflichten, Rückführungslogistik und die interne Organisation des Messstellenbetreibers können jeweils zu unterschiedlichen Entscheidungen führen.



