EnBW-Digitalexperte Deist rät dazu, KI zentral in einem Unternehmen zu steuern.

EnBW-Digitalexperte Deist rät dazu, KI zentral in einem Unternehmen zu steuern.

Bild: © Foto Vogt GmbH

Beim Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) steht die Energiebranche noch am Anfang. Dabei lernen Unternehmen gerade: KI spart nicht nur, sondern verursacht auch Kosten. Der richtige Einsatz wird entscheidend sein, lautete ein Fazit auf der "Handelsblatt"-Konferenz "AI in Energy". "Jeder ist ein McKinsey-Berater", sagt etwa René Deist, Chief Information Officer und Chief Digital Officer bei der EnBW. Sein Unternehmen hat dafür ein internes KI-Tool entwickelt, um Fragen durchzuspielen, bevor eine externe Beratung beauftragt wird.

In dem Prompt seien dazu mehr als 130 reale Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Journalismus als KI-Personas hinterlegt worden. Je nach Fragestellung setze die KI passende Personas auf die Lösung an. Und im Einkauf könne KI Anfragen automatisiert versenden, Angebote auswerten und sogar Nachfragen stellen. Ein Prozess, der sonst erheblichen manuellen Aufwand erfordere.

Millionen gespart

Insgesamt hat die EnBW in der IT laut Deist bislang einen "dreistelligen Millionenbetrag" gespart. Er rät dazu, KI in Unternehmen zentral zu steuern. Die EnBW hat mit der "Agentic Factory" dafür ein bereichsübergreifendes Team geschaffen. Auch um die Kosten im Blick zu behalten. Denn tatsächlich werden Tokens, also Nutzungseinheiten, nach denen viele KI-Systeme abgerechnet werden, zunehmend teurer. Zugleich wissen viele Unternehmen oft nicht, was sie dafür mittlerweile ausgeben.

Eine aktuelle globale Studie der Unternehmensberatung KPMG zeigt: Während sich der Anteil derjenigen Unternehmen, bei denen KI nach eigener Aussage zum Arbeitsalltag gehört, innerhalb eines Quartals von 13 auf 22 Prozent gesteigert hat, bleibt der Weg vom Pilotprojekt zum messbaren Mehrwert steinig: Nur sieben Prozent der befragten Führungskräfte weltweit geben an, einen nachgewiesenen Return on Investment (ROI) erzielt zu haben.

Als zentrales Hindernis nennt KPMG mangelnde Kostentransparenz – ausgerechnet bei den Tokens, der KI-Währung. Unternehmen, die hier den Überblick behalten, erzielen laut der Studie fünfmal häufiger einen ROI als jene ohne klares Kostencontrolling.

Geschwindigkeit vor Perfektion – die Datenfrage spaltet

Ein zentrales Thema, das die Energiebranche beschäftigt: Datengovernance. Daten müssten in der richtigen Form und Qualität vorliegen, sagt Anne Michaelis, Innovationsmanagerin bei den Stadtwerken Solingen. Sie mahnt, dies etwa bei Systemumstellungen von Anfang an mitzudenken.

Oliver Koch, CEO des Batteriespezialisten Sonnen, setzt dabei auf "Geschwindigkeit vor Perfektion." Wer zum Beispiel als Stadtwerk warte, bis alle "Datenhausaufgaben" gemacht seien, werde nie in die Umsetzung kommen. "Es ist nicht schwarz-weiß." Ein Kompromiss sei unausweichlich.

Allerdings: Der Betrieb von KI-Systemen ist ein massiver Energieverbraucher. Katharina Peterwerth, Vice President Business Strategy bei Siemens Energy, bringt es direkt auf den Punkt: "KI frisst Strom." Gleichzeitig werde es durch die Energiewende mit ihren dezentralen Anlagen immer komplexer, das Stromnetz zu steuern. Umgekehrt sei KI aber auch das wichtigste Werkzeug, um diese beherrschbar zu machen, so Peterwerth.

Standortfaktor Strom: Rechenzentren suchen den Norden

Die nicht zuletzt durch KI wachsende Nachfrage nach Rechenkapazität bleibe nicht ohne Folgen, warnt Jannis Lange, Global Lead Datacenter Solutions bei Eon Energy Infrastructure Solutions. Der Standort Frankfurt am Main etwa sei auf Jahre ausgebucht. Betreiber von Rechenzentren in Europa orientierten sich zum Beispiel in Richtung der skandinavischen Länder, wo kühles Klima und günstiger Ökostrom locken, und in den Süden, wo reichlich Photovoltaikstrom verfügbar ist.

Die Dringlichkeit dieser Entwicklung sei in der Politik aber noch nicht angekommen, meint Lange. Johann Heller, Geschäftsführer und Mitgründer von "deeeper.technology", einem Start-up für KI-gestützte Geodatenanalyse, betont: Energieversorgung sei längst kein potenzieller Standortfaktor mehr, sondern ein bestehender. "Computing könnte zu einer neuen Abhängigkeit werden – vergleichbar mit der Abhängigkeit von Gas." Im Norden komme vieles zusammen: nicht nur Strom, sondern auch Wasser. "Der Infrastrukturausbau muss insgesamt deutlich schneller voranschreiten."

Die Energiewirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: Sie soll KI einsetzen, um effizienter zu werden und gleichzeitig die Infrastruktur bereitstellen, die KI überhaupt erst möglich macht. Beides erfordert Tempo, Ressourcen und politischen Willen. Die Praktikerinnen und Praktiker auf der Konferenz waren sich einig: Warten ist keine Option.

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