Bild: © migfoto/AdobeStock

Wenn sich Müllberge auf dem Gehweg türmen oder Straßenlampen ihren Dienst versagen: Immer mehr Kommunen in Thüringen bieten über ihre Homepage sogenannte Mängelmelder an, mit denen Missstände an die Verwaltung gemeldet werden können.

Der direkte Draht von Bürgern zu den zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung hat sich bislang bewährt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Probleme lassen sich so schneller erkennen und beseitigen.

Zentraler und akzeptierter Kommunikationskanal

«Unsere Erfahrungen mit dem Mängelmelder sind überwiegend positiv», sagte Stefanie Braune von der Stadtverwaltung Jena. Bereits vor fünf Jahren sei dort die Möglichkeit zur Online-Meldung eingerichtet worden, damals nur in den drei Kategorien Müll, Straßenreinigung und Sonstiges. Inzwischen stünden 13 Kategorien zur Auswahl. «Bislang wurden mehr als 7000 Mängel gemeldet.» Der Mängelmelder sei inzwischen ein zentraler und akzeptierter Kommunikationskanal.

Auch andernorts werden die Mängelmelder den Sprechern der Stadtverwaltungen zufolge gut angenommen. So werde das Angebot etwa in Mühlhausen rege genutzt - zeitweise gingen dort täglich Meldungen ein. In Saalfeld habe sich die Nutzung nach einer sehr intensiven Anfangsphase auf zwei bis drei Meldungen pro Woche eingependelt. In Sonneberg seien seit Juli 2022 etwa 50 Meldungen eingegangen; in Schmölln jedes Jahr rund 100. In der Hauptsache würden Probleme mit Schlaglöchern, der Straßenbeleuchtung oder illegaler Müllentsorgung eingereicht, so das Fazit. Eine missbräuchliche Nutzung sei selten.

Kaum Kosten für laufenden Betrieb

Die Städte werten die Meldemöglichkeiten auch aus finanzieller Sicht als Gewinn: Weil die Systeme entweder als E-Mail-Maske angeboten werden, in die Homepage implementiert sind oder über das Thüringer Online-Verwaltungssystem «ThAVEL» angeboten werden, fielen kaum Kosten für den laufenden Betrieb an.

In den großen Kommunen ist in der Regel ein eigener Mitarbeiter zur Betreuung nötig. In kleineren Städten werden die Meldungen direkt an die zuständigen Fachabteilungen geleitet. Probleme würden mitunter zwar auch telefonisch, per Mail, in Einwohnerversammlungen oder über Social Media vorgebracht. Die Meldesysteme hätten sich jedoch als am effektivsten erwiesen, so die mehrheitliche Meinung.

Sonneberg greift auf KI zurück

Vor allem die kleineren Städte in Thüringen setzen schon länger auf die Mängelmelder: Während etwa in Schmölln und Saalfeld bereits seit 2021 und in Mühlhausen seit 2020 Mängel online gemeldet werden können, hat Weimar erst im Juli dieses Jahres nachgezogen. In der Landeshauptstadt Erfurt wird der Mängelmelder einer Sprecherin zufolge aktuell noch aufgebaut, die Umsetzung sei «nahezu fertig», hieß es.

Am weitesten fortgeschritten ist dabei wohl das kleine Sonneberg: Seit Herbst 2022 werde in der Südthüringer Stadt ein System eingesetzt, das Künstliche Intelligenz (KI) zur Erfassung von Schlaglöchern nutze, sagte Sprecherin Cindy Heinkel. Dabei werden während des Autofahrens aufgenommene Smartphone-Fotos herangezogen, um dem tatsächlichen Straßenzustand zu erfassen. Ein adäquater Ersatz für die Aufmerksamkeit der Bürger - deren Beobachtungen natürlich nicht nur auf die Straße beschränkt sind - sei das aber auf absehbare Zeit nicht, sagte Heinkel. (sg)

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