Von Stephanie Gust
Die Einkaufs- und Kooperationsgenossenschaft One-Metering hat ihr zweites EU-weites Ausschreibungspaket abgeschlossen. In Rahmenverträgen mit einer Laufzeit von fünf Jahren bündeln die beteiligten Stadtwerke ein Gesamtvolumen von über 40 Millionen Euro. Die Ausschreibung war in zwei Verfahren aufgeteilt: Für Gas- und Wasserzähler konnten sich Pipersberg sowie Diehl qualifizieren. Bei Stromzählern und Smart-Meter-Gateways setzten sich DZG Metering, E-BZ, EMH Metering, KDK Dornscheidt und Power Plus Communications durch.
"Damit erzielen die beteiligten Stadtwerke neben Skaleneffekten durch die Bündelung ihrer Nachfrage auch flexible Preiskanäle über die Laufzeit von fünf Jahren, die sich für Anbieter wie Nachfrager als transparente Preisgleitklausel an Indizes orientieren“, erklärten die Vorstände Thomas Schulz und Dietmar Mohr.
Stabile Lieferketten und Reserven
Ein weiterer Vorteil sei die höhere Versorgungssicherheit. Fällt ein Hersteller aus, könne die Genossenschaft den Bedarf aus dem bestehenden Pool decken. "Wir leben in einer VUCA-Welt, in der man schnell entdeckt, dass die Vorteile einer starken Gemeinschaft oft größer sind als die Skaleneffekte gemeinsamer Ausschreibung“, so Mohr. VUCA steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit: Faktoren, die auch im Messwesen zu Planungsunsicherheit führen.
"Zur Sicherheit sind in der Ausschreibung quantitative Reserven eingebaut, die selbst den Bedarf neu eintretender Mitglieder der Genossenschaft abdecken. Und weiter: "Es würde uns nicht überraschen, wenn wir dazu schon bald etwas melden könnten“, sind sich Thomas Schulz und Dietmar Mohr einig. Aktuell gehören Regionetz, Regio IT, Alliander Netz Heinsberg, Stadtwerke Jülich und Stadtwerke Velbert zur Genossenschaft.
Dritte Stufe in Planung
Aufbauend auf den bereits ausgeschriebenen Smart-Meter-Gateways sollen die Versorgungsnetze künftig durch sogenannte CLS-Steuerboxen steuerbar werden. "Daher beobachten wir die voranschreitende Marktfähigkeit dieser in der Entwicklung befindlichen CLS-Steuerboxen sehr genau. Wenn sie noch in diesem Jahr für unsere Genossenschaftsmitglieder einsetzbar werden, dann könnten wir schon im nächsten Jahr mit einer ebenfalls EU-weiten Ausschreibung unsere dritte Stufe zünden“, so Schulz und Mohr.
Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Weiterentwicklung der Genossenschaft stellen die beiden nach eigenen Angaben ein deutlich gestiegenes Interesse sowohl von Seiten potenzieller neuer Lieferanten wie aus dem Bereich potenzieller Neu-Mitglieder fest. Einerseits würden gerade für kleinere Stadtwerke vor allem die Vorteile einer genossenschaftlichen Beschaffung mit preislichen Skaleneffekten bei reduziertem Aufwand klar auf der Hand liegen. Andererseits steige auch das Interesse einiger größerer Stadtwerke.
Vorteile der Genossenschaft
Die Bündelung über die Genossenschaft reduziert den Aufwand für die einzelnen Stadtwerke deutlich. Für eine EU-weite Ausschreibung müssen sonst allein für die Vorbereitung rund zwei Mann-Monate in den Fachabteilungen aufgewendet werden. Hinzu kommen Beratungskosten, Vertragsgestaltung und Vergabestellen – meist im fünfstelligen Bereich. Hierbei spielt die Stückzahl der ausgeschriebenen Komponenten naturgemäß keine Rolle. Entsprechend hoch ist daher das Einsparungspotenzial des über die Genossenschaft gebündelten Verfahrens.



