Smart Meter für Haushalte können das Klima durchaus schützen. Dafür müssen Haushalte über den Nutzen informiert werden, und es muss komfortable Angebote und Geschäftsmodelle geben. Auch sollten Geräte möglichst lange genutzt werden.
In der Studie „Erkenntnisse zu Umweltwirkungen von Smart Metern – Erfahrungen aus dem Einsatz von Smart Metern in Europa“ hat das IÖW die Umweltwirkung von Smart Metern in Privathaushalten untersucht und wichtige Handlungsempfehlungen formuliert, die eine möglichst lange und intensive Nutzung ermöglichen. Dafür wurde auf Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern aufgebaut und ökologische Bewertungen wurden vorgenommen.
Die Studie gibt hier vier Handlungsempfehlungen:
- Die technische Lebensdauer der Smart Meter sollte durch die Möglichkeit von Updates und angemessene Eichfristen möglichst hoch sein.
- Die Daten des Stromverbrauchs müssen den Haushalten differenziert und aufbereitet zur Verfügung stehen, um die Einsparpotenziale zu heben. Dazu muss es ausreichend Angebote und Geschäftsmodelle geben.
- Die Haushalte müssen über den Austausch ihres Zählers informiert werden und über den Zusatznutzen, den sie durch den Zugang haben. Damit erhöht sich auch die Akzeptanz des Rollouts.
- Da eine positive Umweltwirkung auch bei Haushalten mit geringem Stromverbrauch erreicht werden kann, sollten Maßnahmen ergriffen werden, die den Rollout auch über die bisherigen Zielgruppen hinaus fördern. Dies muss in Kombination mit entsprechend differenzierten Feedback erfolgen, um die Einsparungen sicherzustellen.
Die Analyse im Detail
Bei den meisten EU-Mitgliedsstaaten ist die von der EU Richtlinie 2009/72/EG geforderte Kosten-Nutzen-Analyse positiv oder unentschieden ausgefallen. Eine negative Bewertung für einen vollständigen Rollout gab es lediglich in Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Tschechischen Republik.
EU-Ausbauziele
Ein Großteil der Mitgliedsstaaten plant daher den von der EU Kommission vorgesehenen 80-prozentigen Rollout oder hat diesen schon durchgeführt. Der zeitliche Zielhorizont hat sich allerdings aufgrund teilweise fehlender Rahmenbedingungen zum Teil verschoben.
Einige Länder, etwa Polen, Rumänien und Irland, haben das 2013 festgesetzte Ziel daher nach hinten verschoben. Andere wiederum, wie Litauen und Slowenien, beabsichtigen das Ausbauziel früher zu erreichen, weil die Kosten-Nutzen-Analyse ergab, dass der Rollout schnell durchgeführt werden sollte.
In Deutschland wurde hingegen erst nach der Kosten-Nutzen-Analyse ein Zeitraum definiert. Allerdings peilt die Bundesrepublik keinen 80-prozentigen-Rollout intelligenter Messsyteme an, sondern nur für die jenigen mit einem Jahresstromverbrauch von über 6000 kWh oder diejenigen, die über §14a-EnWG geregelt werden sowie Anlagen mit einer installierten Leistung über sieben Kilowatt.
Stand des wirklichen Ausbaus
Bis 2018 hatten laut der Untersuchung des Bundesumweltamts sieben Mitgliedsstaaten das Ausbauziel von 80 Prozent erreicht. Dazu zählen Finnland und Schweden, die 2013 bzw. 2009 den vollständigen Rollout erreicht hatten, sowie Estland, Italien und Spanien, die über 90 Prozent der Zählpunkte mit Smart Metern ausgestattet haben und Dänemark sowie Malta, die über der 80-Prozent-Marke liegen.
EU-weit sind demnach bis 2018 etwa 34 Prozent der knapp 300 Mio. Stromzähler zu Smart Metern umgerüstet worden. Eine hohe Anzahl davon wurden in Italien (36 Mio.), Schweden (26 Mio.) Frankreich (9 Mio.), Großbritannien (6 Mio.) und Spanien (5 Mio.) installiert.
Zwischen einer und fünf Millionen installierte Smart Meter gibt es in den Niederlanden, Finnland, Dänemark, Polen und Portugal. In Deutschland lasse sich der verzögerte Rollout vor allem mit der späten Zertifizierung der ersten der Smart-Meter-Gateways begründen, heißt es weiter.
Verbesserungsvorschläge der EU-Kommission
Zwar liegen zum bisherigen Rollout unterschiedliche Erfahrungen und Erfahrungsberichte vor, die Europäische Kommission schlägt auf Basis der gemachten Erfahrungen unter anderem folgende nächste Schritte für die Einführung von Smart Metern vor:
- Erhöhung des Verbrauchervertrauens durch Kommunikationsmaßnahmen,
- Förderung eines innovativen Energiedienstleistungsmarktes mit Anreizen für alle beteiligten Akteure des Energiesystems durch regulative Maßnahmen,
- Gewährleistung des Datenschutzes durch Prüfung und Anpassung der geltenden Vorschriften, die besondere Berücksichtigung bestimmter Akteure und Funktionen (v. a. Netzbetrieb, Endkundenwettbewerb, Synergien der Datennutzung),
- die Sicherstellung eines Mindestfunktionsumfangs von Smart Metern sowie
- die nochmalige Prüfung der langfristigen Kosten und Vorteile in der Kosten-Nutzen-Analyse.
Schlüsselfaktor: Akzeptanz der Verbraucher
Als wichtiger Punkt wird die Akzeptanz der Verbraucher*innen herausgestellt. So wurde in fast allen Mitgliedsstaaten Kritik an Smart Metern bezüglich der Messgenauigkeit, der elektromagnetischen Strahlung und dem Datenschutz geäußert. Die EU nennt in ihrem Bericht hier als Grund, dass sich die Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen eher auf die Vorteile von Smart-Metern bezogen, anstatt auf die Bedenken der Bürger*innen einzugehen. Die Kommission folgert daraus, dass die Verbraucher*innen überzeugt werden müssen, um die Vorteile von Smart Metern zu kennen und zu nutzen.
Ein Erfolgsschlüssel sei auch, dass die Verbraucher*innen einen direkten Nutzen von den Smart Metern haben. So fehlen passende Angebote für diese womöglich, weil der rechtliche Rahmen der Mitgliedsstaaten verhindere, dass Dienstleister ihr volles Potenzial ausschöpfen können, heißt es weiter.
Umsetzung Funktionen von Smart Metern
Ein Großteil der empfohlenen Funktionsanforderungen der Europäischen Kommission ist laut der Untersuchung des UBA europaweit bereits vorgesehen oder installiert. Am wenigsten verbreitet sei Betrugsprävention und -aufdeckung (21 von 24 Mitgliedsstaaten).
Geringer sei die Anzahl der Mitgliedsstaaten, in denen die Funktionen kostenlos zur Verfügung gestellt werden und standardmäßig installiert sind. Nur in 15 von 24 Ländern wird die Unterstützung erweiterter Tarifsysteme und die Weitergabe der Messwerte direkt an die Verbraucher als Standard installiert.
Anwendungsfälle
Zur Verbreitung der Anwendungsfälle in den Mitgliedsstaaten gebe es derzeit allerdings nur wenige Aussagen. In Schweden habe man durch die lange Erfahrung mit Smart Metern seit 2009 schon einige Funktionen für den zweiten Rollout festgelegt, die als wichtig erachtet wurden. Da es beim ersten Rollout kaum Vorschriften gab, konnten bis 2014 nur etwa 20 Prozent der installierten Smart Meter dort stündlich messen und 80 Prozent monatlich.
Für den zweiten Rollout sollen der Energieverbrauch viertelstündlich aufgenommen und auch Stromausfälle gemessen werden, damit die Verbraucher für den Ausfall kompensiert werden. Zudem sollen mehr Daten wie Spannung, Strom, Wirk- und Blindleistung sowie Wirkenergie aufgenommen und dem Endnutzer aufbereitet werden.
Nutzungsdauer der Smart Meter
Anhaltspunkte liefert hier Italien, wo mehr als 30 Mio. Smart Meter mit einer Nutzungsdauer von 10 bis 15 Jahren installiert sind. Im Sommer 2017 wurde die zweite Generation vorgestellt, die in den nächsten 15 Jahren installiert wird.
In Schweden muss die erste Generation der Geräte, die zwischen 2003 und 2009 eingebaut wurden, ab 2020 ersetzt werden, da die erste Generation den technischen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Ein zweiter Rollout ist auch in Finnland geplant.
Stromverbrauch der Smart Meter
Wenige Aussagen gibt es zum Stromverbrauch: Laut der Untersuchung liegt dieser nach Angaben der Hersteller zwischen 7,0 und 56,9 kWh im Jahr. Der Mittelwert der abgegebenen 24 Angaben beläuft sich dabei auf 17,78 kWh.
Der Verbrauch der Geräte ist zum Teil abhängig vom Anwendungsfall und den dafür notwendigen Datenmengen, heißt es weiter. Im Vergleich zu den Verbräuchen von Smart Metern liegt der jährliche Stromverbrauch von Ferraris-Zählern im Bereich von 8,75 kWh.
Welche Länder konnten Strom sparen?
In Schweden bestätigte eine Studie nicht, dass es durch die Nutzung von Smart Metern zu einer Senkung des Energieverbrauchs kam. Haushalte, die im Energieverbrauchsprofil am besten abschnitten, gehörten oft zu den Nutzergruppen „Senioren“ und „Hausbesitzer“.
Eine Studie der EU-Kommission kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass in den Niederlanden seit der Einführung von Smart Metern Energiekosten in Höhe von etwa 1,5 Mrd. Euro eingespart wurden. In Irland konnten Verbraucher in ersten Pilotprojekten ihren Energiebedarf um elf Prozent senken. Unklar sei aber, wie langfristig diese Effekte gehalten werden, heißt es weiter.
In einer Studie in England mit Haushalten mit Smart Metern und In-Home-Displays sank der Strom- bzw. Gasverbrauch im Schnitt um drei Prozent – auch im Vergleich zu einer Kontrollgruppe und über einen Zeitraum von zwei Jahren.
In einer anderen Studie, in Österreich, sank der Energieverbrauch in Haushalten mit Smart Metern und Verbrauchsfeedback über ein In-Home-Display und ein Webportal im Schnitt um 3,9 Prozent – bei einer Vergleichsgruppe hingegen nur um 1,1 Prozent.
Je detaillierter das Feedback, desto besser?
Unterschiedliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Höhe der Einsparung unter anderem von der Art des Feedback-Systems, der Visualisierung bzw. Datenbereitstellung sowie von demographischen Faktoren abhängt. Die erzielten prozentualen Einsparungen würden allgemein durch Verbrauchs-Feedback in der Regel im (niedrigen) einstelligen Bereich liegen.
Bei Einführung eines Feedbacks auf Basis einer detaillierten Geräteerkennung können die Einsparungen jedoch noch deutlich höher liegen. Nach Feldversuchen liegen die Einsparungen in Deutschland nach Angaben von zwei Anbietern zwischen acht und zehn Prozent.
Bei einem einfachen Feedback hingegen gab es maximale Einsparungen von drei Prozent, im Mittel nur bei einem Prozent.
Einsparungen im Netzausbau
Laut Kosten-Nutzen-Analyse verschiedener Länder liegt die Bandbreite, die sich durch Verschiebung von Spitzenlasten ergibt, zwischen 0,5 und 9,9 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Eine konkrete Berücksichtigung der Einsparungen im Netzausbau gibt es allerdings nur bei Großbritannien und Deutschland.
Demnach belaufen sich in Großbritannien die aufgeschobenen oder eingesparten Investitionen auf 4,5 Euro pro Zählerpunkt im Verteilnetz und 25,4 Euro pro Zählerpunkt an Stromerzeugungskapazitäten. Deutschland gibt in seiner Kosten-Nutzen-Analyse eingesparte Investitionen von 26,3 Euro pro Zählerpunkt im Verteilnetz und 7,7 Euro pro Zählerpunkt im Übertragungsnetz sowie 62,6 Euro pro Zählerpunkt an Stromerzeugungskapazitäten an und liegt damit deutlich über den Einschätzungen von Großbritannien. (sg)
