Erstmals verbindet eine Mehrheit der Deutschen die Energiewende eher mit Risiken als mit Chancen. Mehr als drei Viertel nehmen die Energiewende als starke oder sehr starke Belastung für Haushalte und Wirtschaft wahr, kaum jemand rechnet mit sinkenden Strompreisen, wie der "Energiewende Zukunftsmonitor 2026" zeigte. Die Erhebung wurde von Allensbach im Auftrag von BMW durchgeführt.

Das ist bitter, überrascht mich aber nicht wirklich. Wer die Energiewende nur als Kostenpunkt auf der Rechnung erlebt, nie aber als Vorteil, verliert zu Recht das Vertrauen in sie. Die meisten Menschen zahlen für den Umbau des Energiesystems und bekommen dafür bislang wenig zurück. Das Versprechen günstiger Preise ist bei ihnen schlicht nie angekommen.

Günstiger Strom bleibt im System stecken

Warum nicht? Ein großer Teil der Antwort hängt im Keller, in Form von fehlenden kommunikationsfähigen Stromzählern. An sonnigen Tagen ist Strom an der Börse inzwischen regelmäßig spottbillig, immer öfter sind die Preise sogar negativ. Doch wer keinen Smart Meter hat, der viertelstundengenau misst und diese Werte übermittelt, kann diesen günstigen Strom nicht nutzen. Kein Smart Meter heißt keine zeitvariablen Tarife, kein kostenloser Strom und keine finanzielle Belohnung von netzdienlichem Verhalten. Die günstigen Preise sind da, sie kommen nur nicht durch die Kellertür.

Und trotzdem fehlen die Smart Meter weiter fast überall. Nur 5,5 Prozent aller Haushalte haben das deutsche "intelligente Messsystem". Der gesetzlich verordnete Pflichtrollout deckt ohnehin nur rund ein Drittel der Haushalte ab, in den übrigen zwei Dritteln ist der Einbau freiwillig. Viele dieser Haushalte warten seit Jahren vergebens auf einen Smart Meter, wie eine zehntausendfach unterzeichnete Petition im vergangenen Jahr gezeigt hat.

Ärgerlich daran ist, dass diese Haushalte trotzdem mitbezahlen, weil ein Teil der Rollout-Kosten über die Netzentgelte finanziert wird. Insbesondere Haushalte in Mietswohnungen finanzieren die Zähler der anderen und schauen selbst in die Röhre. Wer für den Fortschritt anderer zahlt, ohne selbst daran teilzuhaben, wird zum Energiewende-Kritiker gemacht. Nicht weil er gegen den Umbau ist, sondern weil er nie etwas davon hatte.

Haushalte kamen in der Debatte zu kurz

In der Fachdebatte kamen diese Menschen bisher kaum vor. Es ging um Netzstabilität, Schutzprofile, Zertifizierungsprozesse und viele theoretische Annahmen. Alles legitime Fragen. Nur redete nie jemand über die Haushalte und deren Stromrechnungen. Obwohl sie es sind, die am Ende alles bezahlen. 

Genau da setzt das Smart Meter Light an, ein kostengünstiger, einfacher Zähler, der misst und sendet. Ein häufiges Argument dagegen lautet, es behindere den Pflichtrollout der intelligenten Messsysteme. Die Sorge nehme ich ernst, sie trifft aber nicht zu, wenn man beides sauber trennt. Das Smart Meter Light bedient allein die Messstellen, für die ohnehin kein intelligentes Messsystem geplant ist. 

Damit nimmt das Smart Meter Light dem Pflichtrollout weder Kapazität noch Nachfrage, sondern schließt eine Lücke, die sonst offen bliebe. Kommt später eine Wärmepumpe oder Wallbox hinzu, wird die Messstelle regulär zum Pflichtfall, ohne kompletten Zählertausch. Und geschaltet wird mit dem Smart Meter Light nicht, das bleibt allein dem zertifizierten intelligenten Messsystem vorbehalten.

Unsere Nachbarn zeigen seit Jahren, dass genau das funktioniert. Frankreich hat mit dem Linky über 37 Millionen einfache Standardzähler installiert, während Deutschland ausschließlich über eine hochkomplexe Architektur diskutiert. In Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und anderswo nutzen die Haushalte längst zeitvariable Stromtarife und sparen damit Geld durch die Energiewende. 

Für den Hochlauf braucht es nur wenige Vorgaben

Den Hochlauf des Smart Meter Light wird der Markt regeln, von Behörden und Gesetzgeber braucht es wenig. Notwendig sind im Kern die Definition der eichrechtskonformen Zeitstempel durch die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, die Öffnung des § 19 MsbG für das Smart Meter Light und die Sicherstellung eines fairen Marktzugangs für wettbewerbliche Messstellenbetreiber, die das Smart Meter Light auf freiwilliger Basis verbauen können.

Übrigens drängt auch Europa auf mehr Tempo. Die EU-Kommission will vorschreiben, dass bis 2033 drei Viertel aller Messstellen mit Smart Metern ausgestattet sind. Dieses Ziel ist nur mit einem Smart Meter Light zu erfüllen, das intelligentes Messsystem wäre dafür zu teuer.

Gute Digitalisierung erkennt man eben nicht an der raffiniertesten Spezifikation. Man erkennt sie daran, dass sie bei Millionen Menschen ankommt und echten Mehrwert schafft. Genau das fehlt heute: Drei Viertel empfinden die Energiewende als Belastung, weil sie sie nur zahlen, aber nicht erleben. Das Smart Meter Light ändert das nicht morgen, aber es öffnet die Kellertür für die günstigen Preise, die längst da sind. Nur so wird aus einer Kostenfrage wieder eine Erfolgsgeschichte – und nur so sichert Digitalisierung die Akzeptanz der Energiewende.

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