Wo steht der Rollout intelligenter Messsysteme aktuell? Die ZfK hat beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nachgefragt. Aktuell erfüllen alle Smart-Meter-Gateways, die nach BSI TR-03109-1 v1.1 zertifiziert sind, vollständig die gesetzlichen Mindestanforderungen und entsprechen zudem der Stufe 3 des Stufenmodells v2.1. Aktuell erfüllt diese Technische Richtlinie offiziell nur der Mannheimer Hersteller PPC. Der Nachweis dieser TR dient den Anforderungen, die an die Interoperabilität der Geräte gestellt werden und wurde erst durch den OVG-Eilbeschluss und der sich anschließenden Novellierung des Messstellenbetriebsgesetzes nötig.
Die Bonner Behörde geht davon aus, dass zeitnah weitere TR-Zertifizierungen folgen werden. Zudem, darauf weist Gateway-Hersteller Theben hin: Der Rollout kann aufgrund einer Übergangsregelung und der Bedingung eines späteren Nachweises dieser TR-Zertifizierung fortgesetzt werden. Bei Theben geht man davon aus, spätestens im Januar 2022 erfolgreich zertifiziert zu sein.
Auch Gatway-Hersteller EMH Metering erwartet diese Zertifizierung zeitnah, allerdings ob das klappt, "hängt nicht allein von uns ab".
TR 03109-1
Neben dem Nachweis zur Interoperabilität sind die nach der TR 03109-1 zerfizierten Geräte zudem für die Anbindung und Steuerung von Anlagen geeignet und benötigen keine zusätzliche Zertifizierung, so das BSI. Zum Sachstand der referenzierten § 14a EnWG-Novelle (SteuVerG) könne man derzeit nichts sagen, hier sei das Bundeswirtschaftsministerium verantwortlich.
TR-03109-5
Die Bonner Behörde arbeitet nach eigenen Angaben aktuell an der Technischen Richtlinie TR-03109-5, die für weitere Systemeinheiten die entsprechende Grundlage zur Zertifizierung darstelle. Damit wird die Anbindung zwischen Gateway, Energiemanagementsystem und Lademanagement geregelt. In dieser TR werden zudem die Anforderungen der Stufe 3 an weitere Systemeinheiten wie, eine HAN-Kommunikationseinheit (HKE) gestellt. Diese ist notwendig, wenn Ladesäulen eine weitere WAN-Anbindung für die Kommunikation nutzen.
EMH Metering begrüßt es ausdrücklich, dass die Kommunikation an die Anlagen des Endkunden nicht ausschließlich über Smart-Meter-Gateways erfolgen müsse, sondern, dass das BSI alternative WAN-Anbindungen für nichtenergiewirtschaftliche Daten ermögliche. So würde die Anwendungen noch kunden- und verbraucherfreundlicher.
Zeit- und kosteneffizientes Verfahren angestrebt
Mit der TR-03109-5 soll also letztlich die sichere Fernsteuerung von Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen, die sichere Fernauslesung von Submetern und die sichere Anbindung von technischen Einrichtungen gewährleistet werden, erläuterte das BSI. Man strebe hier zudem ein zeit- und kosteneffizientes Konformitätbewertungsverfahren an, erklärte die Bonner Behörde. Die sichere Auslieferung der Systemeinheit müsste mit Herstellererklärungen nachgewiesen werden, erklärte ein BSI-Sprecher auf Nachfrage.
RLM-Bereich für Stufe vorgesehen
Auf Nachfrage, wann RLM-Zähler bei den Pflichteinbaufällen berücksichtigt werden, erklärte die Behörde, der RLM-Bereich ist für Stufe 4 vorgesehen. Eine Viertelstunden-Bilanzierung sowie eine Abrechnung nach Jahresleistungspreis und Arbeitspreisen sei zudem schon mit den vom Smart-Meter-Gateway bereitgestellten Zähelrstandsgängen (TAF 7) realisierbar. Für weitere mit der RLM-Messung assoziierte Funktionalitäten wie die Vier-Quadranten-Messung gebe es derzeit keine mit dem Smart-Meter-Gateway kompatible Messeinrichtungen.
Datenschutz und Informationssicherheit sollen zentrale Rolle spielen
Insgesamt zeigte sich das BSI zufrieden mit dem Start des Rollouts 2020. Hier konnte das Potenzial der sicheren Gateway-Kommunikationsplattform bereits umfangreich genutzt und wertvolle Erfahrungen für die Weiterentwicklung der technischen Standards gesammelt werden. Die Förderung des Rollouts unter Beachtung von Datenschutz und Informationssicherheit soll besonders in der neuen Legislaturperiode eine zentrale Rolle einnehmen.
"Die Eignung der Smart-Meter-Gateways auch für komplexe Anwendungsfälle wie etwa der Direktvermarktung oder Anwendungen im Bereich der Elektromobilität, konnte bereits in einer Vielzahl von PIlotprojekten gezeigt werden", so der BSI-Sprecher. Für eine massengeschäftstaugliche Umsetzung im Bereich Steuern müssen jedoch noch weitere Voraussetzungen im Markt geschaffen werden, dazu zählen etwa die Backendprozesse. Dazu gebe es weiterhin Rechtunsicherheiten durch das Fehlen der §14a-Verordnung.
Ende Januar wird zudem die Veröffentlichung der Marktanalyse erwartet. Für die Parteien, die gegen die Markterklärung geklagt hatten (OVG Münster Eilbeschluss), sei der Vollzug zudem bis zu einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung ausgesetzt. Für alle anderen gilt die Markterkärung weiterhin.
Nächste Schritte bei den Gateway Herstellern
Nachdem PPC schon die Zertifizierung zur TR-03109-1 durchlaufen hat, erfüllen die Geräte auch die Anforderungen für die Steuerung oder das Submetering. Auch die Betriebsunterstützung der Kommunikationsmodule durch ein Netzwerkmanagement habe man systematisch fortentwickelt. 2022 will sich PPC Innovationen und den neuen TAFs für E-Mobilität und der Einbindung des Submeterings widmen. "Darüber hinaus werden wir mit dem LTE450-SMGW eine weitere Option für die WAN-Anbindung liefern", erklärte PPC-Chef Ingo Schönberg.
Theben erklärte, man sehe aktuell beim Smart-Meter-Gateway keine große funktionalen Erweiterungen mehr. "Das sind eher Optimierungen oder die Unterstützung von zusäztlichen Möglichkeiten im Detail", erklärte Ruwen Konzelmann, Head of Business Unit Smart Energy. Optimieren wolle man auch den Bestell- und Liefer- und Produktionsprozess. "Dazu gehört auch, dass wir uns gerade intensiv Gedanken um die Vereinfachung der Sicheren Lieferkette machen und hier im nächsten Jahr Fortschritte für unsere Kunden erreichen wollen".
Darüber hinaus wolle man zeitnah die Testgeräte für die WAN-Kommunikation über 450-MHz bereitstellen.
Neue SiLKe geplant
Gedanken um die Sichere LIeferkette (SiLKe) macht sich auch EMH Metering: Der Gateway-Hersteller entwickelt eine zusätzliche Alternative zur SiLKe. Ansonsten sei der Funktionsumfang der rezertifizierten Geräte schon sehr groß, weshalb nun ebenfalls wie bei Theben Optimierungen der Prozesse im Vordergrund stünden.
"Außerdem konzentrieren wir uns auf die n:1-Straegie, bei der mehrere Zähler an ein einziges Gateway angebunden werden. Optionale Einbaufälle lassen sich dadurch wirtschaftlich erschließen", sagt Peter Heuell, Geschäftsführer von EMH Metering. So wolle man eine ganz andere Dynamik und Wirtschaftlichkeit in den Rollout bringen. Aktuell laufen die Feldtests hier erfolgreich und die Zähler sollen 2022 für diese Lösung zugelassen werden.
Rollout läuft
Trotz der äußerst schwierigen Umstände wie Corona und einer noch nie dagewesenen weltweiten Beschaffungskrise laufe der Rollout, so Heuell. Da die Abläufe noch für alle Beteiligten neu sind, sei es auch nicht verwunderlich, dass am Anfang vieles noch nicht rund lief. "Allerdings zeigt sich bereits heute eine deutliche Effizienzsteigerung bei den Prozessen".
Entscheidend sei, so Heuell, dass alle am Ball bleiben – und zwar am besten mit höheren Stückzahlen als vom Gesetzgeber gefordert. "Es geht ja nicht nur um die Einbauquoten von zehn Prozent, sondern um noch deutlich höhere Einbauvolumen in den kommenden Jahren, das Bundeswirtschaftsministerium geht von über 15 Mio. Einbaufällen 2030 aus.
450-MHz-Frequenz mit viel Potenzial
Neben dem n:1-Prinzip, einer verbesserten SiLKe, sieht Heuell großes Potenzial in der 450 MHz-Frequenz. "Wenn Energieversorger jetzt die entsprechende Infrastruktur aufbauen, können sie künftig Daten aus Smart-Metern auch dort nutzen, wo dies sonst nicht oder nur eingeschränkt möglich war. Das schafft mehr Spielraum für die Anbindung von Kunden und neue Geschäftsmodelle – und dann macht der Rollout auch richtig Spaß", so Heuell.
Auch Konzelmann von Theben erwartet mit Blick auf das novellierte Klimaschutzgesetz und den Koalitonsvertrag der neuen Bundesregierung eine forcierte Energiewende verbunden mit einer weitgehenden Elektrifizierung der Sektoren Wärme und Mobilität. "Das bedeutet, allein bis 2030 – nur ein Zwischenziel auf dem Weg zur Klimaneutralität – müssen 15 Mio. Elektroauts, sechs bis sieben Mio. Wärmepumpen und sehr viele neue EEG-Anlagen in die Netze integriert werden. Da sind wir de facto nicht mehr weit von einem Rollout weg", so Konzelmann.
Mehr Tempo nötig
Seiner Wahrnehmung nach beschleunige sich der Rollout auch gerade erheblich. Um das zehn Prozent Ziel mache man sich daher keine großen Sorgen. "Dahinter warten allerdings noch 90 Prozent einer dynamisch steigenden Grundgesamtheit in nur fünf weiteren Jahren."
PPC mahnt zu einem schnelleren Rollout: Zwar habe das Tempo mit geschätzt 130.000 bis 150.000 Gateways im Jahr 2021 deutlich angezogen, "aber für die Rollout-Ziele im Klimaschutz braucht es jetzt mehr als 1,5 Millionen Gateways pro Jahr", sagt Schönberg von PPC. "Eine Beschleunigung im Rollout ist daher dringend geboten und alle dazu hilfreichen Maßnahmen sind herzlich willkommen." Der Mannheimer-Hersteller hat dazu passend seine Produktion erhöht: Die Kapazität wurde auf 800.000 Geräte pro Jahr gesteigert. (sg)
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