Herr Seitz, Sie haben eine App entwickelt, mit der sich Bäume erfassen lassen. Was bringt mir als Stadtwerk so eine Funktion?
Sebastian Seitz, Mitgründer von EineStadt: Wir haben mit “EineStadt” eine Software entwickelt, die es ermöglicht, effizient die öffentlichen Objekte in einer Stadt digital zu verwalten – damit lassen sich eben auch Bäume erfassen. Die übersichtliche Darstellung und Bearbeitung der Daten sind aber nur ein Feature unserer App. Auch die Kontrolle und Pflege von beispielsweise Bäumen kann wesentlich schneller und einfacher erledigt werden. Stadtwerke, Bauhöfe, Wasser- und Klärwerk aber auch Hausmeister oder andere Dienstleister sparen mit Hilfe von EineStadt mittlerweile richtig viel Zeit und Aufwand bei der Kontrolle von unterschiedlichsten Objekten im öffentlichen Raum.
Wie funktioniert Ihre App?
Seitz: Unser System beruht auf der Nahfunkkommunikation, auf Englisch “Near-Field-Communication". Für einen Großteil der zu kontrollierenden Objekte werden also NFC-Chips genutzt, die unkompliziert an Objekten wie beispielsweise Bäumen, aber auch an Mülleimern, Straßenlaternen, Hydranten, Schächten und Co. angebracht werden können.
So viel zur Theorie – die Praxis ist dann im Prinzip ganz einfach. Jeder Kontrolleur wird mit einem Smartphone oder Tablet ausgestattet und muss das Gerät bei seinem Kontrolldurchgang nur nah genug an den NFC-Chip halten. Dadurch öffnen sich automatisch das Eingabeformular und alle Infos über das jeweilige Objekt. Mängel und Fehler können dann vor Ort einfach per Spracheingabe oder mit einem Foto dokumentiert werden, Tätigkeiten werden lückenlos und rechtssicher festgehalten. Nicht zuletzt können anstehende Aufträge über das System direkt vergeben werden – auch an externe Nutzer. Das Auslesen der Chips vor Ort stellt stets sicher, dass Mitarbeiter und Firmen auch wirklich am Objekt waren.
Die NFC-Chips sind extrem robust, wetterfest und benötigen keine Batterie. Als Schraubchip, Magnetchip, Aufkleberchip oder an einem Kabelbinder können die Chips von jedem Mitarbeiter an den Objekten angebracht werden – der Vorgang kann praktisch und zeitsparend bei einem Kontrollgang stattfinden.
Und auch kontrollrelevante Flächen, die nicht so einfach bechippt werden können, lassen sich mittlerweile ideal mit EineStadt verwalten! Beispielsweise Straßen oder Grünflächen werden direkt als Fläche in die digitale Karte eingezeichnet und von dort aus aufgerufen. Auf Wunsch kann durch Positionierungsdienste, die im Hintergrund auf den Smartphones laufen, automatisch sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter wirklich vor Ort waren. Und natürlich gibt es in allen Bereichen auch noch viele weitere praktische Funktionen.
Das heißt, eigentlich kann Ihre App mehr als Bäume zählen? Was ist alles möglich?
Seitz: Ganz richtig. EineStadt ist zwar seit Anfang an auf die Kontrolle und Pflege von Bäumen spezialisiert. Allerdings wird unsere App auch erfolgreich in ziemlich vielen weiteren Bereichen genutzt. Die Anwendung ist auch ideal geeignet für die Verwaltung von Straßenlaternen, Mülleimern, Hundetoiletten, Spielgeräten und Friedhöfen. Wie bereits angesprochen ist auch die Straßenkontrolle und die Pflege von Grünflächen, das Fuhrparkmanagement, das Facility Management und Gerätemanagement einfach möglich. Wir haben unsere App in den letzten Jahren auch auf die Verwaltung im Bereich Wasser, also rund um Hydranten, Schieber, Klappen oder Wasserzähler und Abwasser, sprich Kanäle und Schächte spezialisiert. Nicht zuletzt können aber auch Brücken und Straßenschilder sowie alle denkbaren anderen Objekte mit EineStadt verwaltet werden!
Sie haben den LEW Innovationspreis für #smarteRegion erhalten. Die Lechwerke sind also Kunden von Ihnen? Wie viele Unternehmen der Kommunalwelt haben Sie bereits für sich gewinnen können?
Seitz: Genau – und darauf sind wir natürlich auch ein bisschen stolz. Genauso wie auf alle anderen erfolgreichen Projekte, die wir mittlerweile mit über 30 Unternehmen gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Wir arbeiten zum Beispiel mit den Stadtwerken Bochum und den Mobilitätsbetrieben des Landes Rheinland-Pfalz zusammen. Und auch die Stadt Schwabmünchen zählt seit Anfang an zu unseren zufriedenen Kunden. Das macht uns natürlich glücklich!
Was ist als nächstes geplant?
Seitz: Nicht zuletzt durch das großartige Feedback der Städte und Betriebe, die EineStadt nutzen, entwickeln wir die Anwendung natürlich kontinuierlich weiter. Und wir haben auch große Pläne für die Zukunft! Wir bieten die App nun auch für einen reibungslosen Ablauf des Winterdienstes an. Da punktet EineStadt mit spannenden Funktionen: In der App färben sich beispielsweise abgefahrene Straßensegmente automatisch grün, vorher sind diese rot. Das verschafft nicht nur einen perfekten Überblick, sondern sorgt auch dafür, dass keine Arbeit doppelt getan wird.
Aber auch in weiteren technischen Bereichen treiben wir die Anwendung voran: Wir arbeiten momentan an 3-D Modellen der Gebäude im Bereich Facility Management. Durch solche modernen Funktionen ist dann beispielsweise eine virtuelle Begehung der Objekte möglich. Und nicht zuletzt wollen wir unsere Lösung bald auch international in den USA sowie in ganz Europa anbieten. EineStadt wächst also. Denn wir sind uns sicher: Die Zukunft liegt im digitalen Management – und die Möglichkeiten sind unendlich!
Die Fragen stellte Stephanie Gust



