"Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark. Wer den Adler auf dem Smart-Meter-Gateway trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott." So oder so ähnlich stelle ich mir einen Tweet des Bedauerns der Bundesregierung vor, wenn wir in Kürze freiwillig(!) aus der Export-Weltmeisterschaft für Smart-Meter ausscheiden.

Dabei hatten wir schon unsere Solarindustrie abgetreten und Mercedes hatte die Technik für die ersten E-Autos großzügig Tesla überlassen. Bei intelligenten Stromnetzen jedoch sind wir technologisch führend – noch. Wir stehen im Sechszehntelfinale des Smart-Meter-Rollouts und machen deutsche Stromnetze entschlossen cybersicher.

Deutschland setzt auf einen vertrauenswürdigen Smart-Meter-Rollout, der Fähigkeiten für ein sicheres Smart-Grid beinhaltet. Das ist weltweit einzigartig, im positiven Sinne. Denn nur mit einem Smart-Grid lassen sich erneuerbare Energien optimal nutzen und abrechnen. Wer den deutschen Smart-Grid-Rollout mit einfachen Smart-Meter-Rollouts gleichsetzt, verkennt die Qualität und den Anspruch der Umsetzung hierzulande. Ein sicheres Smart-Grid ist komplex und wird weltweit benötigt. Wenn das ein Land kann, dann Deutschland. Technische Exzellenz hat uns immer wieder goldene Jahrzehnte ermöglicht.

Was also ist davon zu halten, wenn der Koalitionsausschuss "zur Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts" für Millionen Kunden eine längst veraltete Technologie vorschlägt, die nur messen, aber eben gerade nicht steuern kann und die weder mit Blick auf Datenschutz noch auf Cybersicherheit entworfen wurde? Ich meine: gar nichts.

Wenn wir billige Messsysteme haben möchten, dann können wir sie in China oder Indien längst preiswert kaufen. Ich habe mir Fabriken in Shengzen angesehen: fussballfeldergroß und als Dark-Factories 365 Tage 24/7 fast ohne Personal in Betrieb. Dort laufen Millionen "Smart-Meter-Light" vom Band und Deutschland braucht ja nur 50 Millionen Zähler. Das ist weniger als eine Jahresproduktion. Deutschland würde bestimmt zügig bedient. Nur: sicher ist die Technik nach unseren Ansprüchen nicht.

Cybersicherheit für Stromnetze ist Bevölkerungsschutz

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wird zitiert mit "das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat zu hohe Anforderungen gestellt". Was sie nicht sagt, ist, welche Anforderungen ihr zu hoch sind.

Das BSI stellt sicher, dass Energieanlagen mit dem Smart-Meter-Gateway eine harte Firewall bekommen, bevor wir sie im Internet mit den Geheimdiensten der Welt verbinden. Auch stellt das BSI sicher, dass Daten nur in einem grundgesetzlich zulässigen Umfang erhoben und ausgewertet werden, damit die Digitalisierung der Energiewende nicht zu einem Big Brother wird. Beide Anforderungen halte ich für unverzichtbar.

Am 26. Januar gab es einen Brandanschlag auf eine einzelne Kabelbrücke im Süden Berlins. Das führte zu vier Tagen Stromausfall und billiger Empörung in Richtung Stromnetz Berlin: "Das darf euch nicht passieren, das ist doch völlig inakzeptabel!"

Ohne Firewalls könnten statt einer Kabelbrücke bundesweit tausende Wechselrichter oder Energiemanager gehackt werden. Es käme großflächig zu physischen Schäden an Transformatoren und Stromnetzen. Das sind veritable Katastrophenszenarien. Sie ließen sich nicht in vier Tagen beheben, vielleicht nicht einmal in vier Wochen.

Ich meine, der Koalitionsausschuss kann so etwas unmöglich wollen. Wir sollten nicht Milliarden Euro in die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes investieren und gleichzeitig den grundlegenden Schutz unserer Stromnetze abrüsten.

Smart Meter werden gerade sicher und in Masse installiert

Für Hausheld wären "Smart-Meter-Light" und "iMSys" aus einer Hand vertrieblich attraktiv. Stolz darauf wären unsere 270 Smart-Meter Expertinnen und Experten vermutlich nicht sonderlich. Wir sind angetreten, die Energiewende tatsächlich zu ermöglichen. Mit richtig guter, sicherer Technik für Massenrollouts. Viele Städte realisieren mit Hausheld heute schon Voll-Rollouts mit intelligenten Messsystemen. Sie statten jeden ihrer Kunden mit Technik zum Messen und Steuern aus und schaffen das innerhalb der Preisobergrenzen.

Ich fürchte, dass selbst die Initiatoren von "Smart-Meter-Light" die Bremswirkung und Unwägbarkeiten ihres neuen Matchplans unterschätzen, denn auch sie wollen steuern und abrechnen. In der Fußballsprache: womöglich ein Eigentor. Auch sie sind auf einheitliche Smart-Meter angewiesen.

Lieber machen wir gemeinsam mit der Branche, mit dem Bundeskanzler und mit der Wirtschaftsministerin die verfügbare Smart-Grid-Technologie zum Welterfolg "Made in Germany". Der Tweet des Kanzlers wäre dann vielleicht: "Deutschland ist Weltmeister bei Smart-Metern! Wir sind stolz, dass wir die Energienetze von Europa bis Australien sicherer und smarter machen. Uns war klar, dass mit mehr Wind- und Sonnenenergie auch intelligente Messsysteme zur Schlüsseltechnologie werden würden."

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