Von: Eric Kallmeyer, Geschäftsbereichsleiter Metering bei Stromnetz Hamburg
Seit nunmehr über zehn Jahren versuchen wir uns in Deutschland an einem Rollout von Smart Metern. Vor 10 Jahren gab es Stimmen, die eine sofortige Umsetzung als zwingend notwendig erachteten.
Sarkastisch kommentieren könnte man das damit, dass wir bis heute auch ohne den Rollout klargekommen sind. Warum sollten wir ihn unbedingt jetzt brauchen?
Warum Steuerungs- und Kommunikationstechnik in einem Gerät?
Nicht viel anders als damals, ist auch heute die netzdienliche Steuerung, das am höchsten gewichtete Argument für einen Rollout. Und da findet sich schon einer der vielen Geburtsfehler: Warum müssen die Steuerungstechnik mit der Messung für die Abrechnung des Stromverbrauchs und die sichere Kommunikationstechnik in einem Gerät zusammengeführt werden?
Erst so treffen die verschiedenen technischen Fragen und damit auch die Zuständigkeitsbereiche der jeweiligen Behörden zusammen. Plötzlich kann nicht mehr jede Behörde für sich agieren, um Lösungen zu entwickeln. Vielmehr bedarf es einer terminlichen Koordination und einer Abstimmung der verschiedenen Inhalte. Dieser gordische Knoten hat im Zeitablauf mal mehr mal weniger, dafür aber dauerhaft, zu Schwierigkeiten in der Umsetzung geführt.
Eichpflicht beim Smart-Meter-Gateway – sinnvoll?
Könnte es sinnvoller sein, eine separate Technik zur Steuerung einzusetzen? Die darüber hinaus ausschließlich dort eingesetzt zu werden bräuchte, wo es tatsächlich etwas zu steuern gibt? Und eben nicht flächendeckend, unabhängig von Steuerungsbedarf?
Daran schließt sich die Frage an, warum das Smart-Meter-Gateway überhaupt in die Eichpflicht genommen wurde. Ursächlich ist hier wohl der damalige Designwunsch des BMWK (oder war es doch das BSI?), die Messwerte im Smart-Meter-Gateway zu tarifieren und von dort aus sternförmig zu versenden.
Bewährte Prozesse hätten Smart-Meter-Gateway-Administration erleichtert
Der Mehrwert einer solchen Lösung erschließt sich bis heute nicht. Der für die Umsetzung erforderliche Aufwand ist hingegen immens. Nicht von ungefähr gibt es die sternförmige Kommunikation bis heute nicht. Und was spricht dagegen, die Messwerte an den Messstellenbetreiber zu übermitteln, dort zu tarifieren und dann am Markt zu kommunizieren?
Wären wir bei diesen bekannten und bewährten Prozessen geblieben, würden Folgeprobleme wie das Verfahren zum Firmwareupdate, das über die Eichbehörden abzuwickeln ist, schlicht nicht existieren. Darüber hinaus wäre die Administration des Smart-Meter-Gateways deutlich erleichtert.
Aktuelle Probleme erschweren Beschleunigung
Und nun nach vorne geschaut! Wie immer haben wir auf den Meteringdays gehört, dass der Rollout läuft. Und er müsse signifikant beschleunigt werden! Wie passen solche Forderungen zu einem komplexen Systemverbund, in dem durchgängige und automatisierte Prozesse schwer umsetzbar sind?
Frau Stolzenburg vom Verband BDEW sei Dank, dass sie auf die personellen Engpässe und die hohen Kosten bei den Messstellen- und Verteilungsnetzbetreibern für die Bereitstellung der erforderlichen IT-Landschaft hingewiesen hat.
Die aktuelle Mako2022 und die Formatwechsel in den Abrechnungssystemen lasten die IT-Abteilungen und deren Dienstleister ohnehin schon mehr als aus. Und jetzt kommen noch die Komponenten des MSB/GWA via Schnittstellen dazu. Jeder Formatwechsel wird so zu einem nicht mehr kalkulierbaren Risiko für den operativen Geschäftsbetrieb.
Bürokratiemonster SiLKe
Die Behörden scheinen aber sehr wohl erkannt zu haben, dass Vereinfachungen dringend geboten sind. Ein Bürokratiemonster wie die "Sichere Lieferkette" (SiLKe) darf für Unternehmen, die auch der Wirtschaftlichkeit verpflichtet sind, keinen Bestand haben. Bundesminister Habeck hat das in der via Livestream übertragenen Veranstaltung im Future Energy Lab der dena ebenfalls deutlich hervorgehoben.
Auch wenn es „nur“ um den Stromzähler geht, bleibt der Sachverhalt insgesamt so umfangreich und komplex, dass manch offensichtlich anmutende Lösung häufig bestehende technische oder regulatorische Wechselwirkungen ignoriert. Es bedarf demnach eher grundsätzlicher und umfassender Änderungen, wenn eine Beschleunigung des Rollouts erreicht werden soll. Was nun auch immer kommen mag – wir werden jedenfalls das Beste daraus machen! (sg)



