Herr Plum, Sie sind neuer Edna-Geschäftsführer, worauf legen Sie besonders Wert in Ihrer Amtszeit?
Richard Plum: Es geht darum, das Profil von Edna zu schärfen und die Alleinstellungsmerkmale dieses Verbands und damit die Mehrwerte für seine Mitgliedsunternehmen noch deutlicher herauszuarbeiten. Denn Edna ist kein herkömmlicher Industrieverband, der die Partikularinteressen einzelner Unternehmen einer Branche vertritt. Edna steht für E wie Energie, D wie Digitalisierung, N wie Netzwerke und A wie Automatisierung: Funktionierende Marktprozesse, Standards und Interoperabilität tragen dazu bei, dass alle Marktteilnehmer von der Mitarbeit bei Edna profitieren, egal ob Softwareanbieter, Beratungshaus, Dienstleister oder EVUs beziehungsweise Stadtwerke. Eine funktionierende standardisierte Kommunikation als Basis für eine effiziente Marktinfrastruktur sollte für stabile, schnelle sowie Anwendungsfall-optimierte Prozesse zwischen den Marktpartnern sorgen und damit am Ende für alle Kosten und Aufwand einsparen. Ein Thema, das vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen aktueller denn je ist.
Für diejenigen, die Edna nicht so gut kennen, könnten Sie sich und Ihren Werdegang kurz vorstellen?
Gelernt habe ich mein „Handwerk“ nach meinem Studium der Elektrotechnik an der RWTH Aachen bei Trianel, wo ich die spannende und intensive Schule der Geschäftsentwicklung und des Energiehandels durchlaufen habe. Danach war ich bei Volue, ehemals ProCom, als Produktmanager Consulting für das Beratungsgeschäft und später als International Business Manager für das Geschäft in China und Lateinamerika verantwortlich. 2022 habe ich gemeinsam mit Burkhard Steinhausen und Thomas Westerhausen die PSW Energy GmbH gegründet, die sich auf Beratung, Coaching, Implementierung und Umsetzungsunterstützung im Energiehandel und -vertrieb mit Fokus auf erneuerbare Energien konzentriert. Parallel dazu bin ich auch Lehrbeauftragter am Fachbereich Energietechnik der FH Aachen. Mit Edna bin ich schon seit mehr als sechs Jahren verbunden, seit 2018 als Mitglied des Edna-Vorstands und parallel dazu als Leiter der Technologie Initiative Energie+, kurz tie+, vormals Blockchain-Initiative.
Welche Bereiche wollen Sie weiterentwickeln und wo drückt der Schuh bei Ihren Mitgliedsunternehmen gerade besonders?
Ein Schwerpunkt bleiben die Themen der Marktkommunikation: Wir setzen uns dafür ein, die Komplexität in den klassischen aber auch in neuen Marktprozessen nicht ausufern zu lassen, sondern sie umsetzbar zu gestalten. Gerade auch im Sinne der kleinen und mittleren Versorgungsunternehmen, die sich als Initiative evu+ unter dem Edna-Dach zusammengefunden haben. Denn diese Unternehmen sind durch die immer neuen Gesetzes- und Regulierungsvorgaben vor besonders große Herausforderungen gestellt. Sie benötigen Lösungen, die sie weder organisatorisch noch wirtschaftlich überfordern – und das war in den letzten Jahren leider oft genug der Fall.
Dazu kommt als dritte Säule unter dem Edna-Dach die Technologie-Initiative tie+, die sich mit dem Einsatz und konkreten Anwendungsfällen neuer Technologien im Kontext der Energiewirtschaft und ihrer Marktprozesse beschäftigt. Hier fokussiert sie sich derzeit auf die Praxis und die Einsatzmöglichkeiten der künstlichen Intelligenz (KI) entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Energiewirtschaft – eine super Möglichkeit für interessierte Unternehmen, das Thema KI in der Energiewirtschaft und individuelle Einsatzmöglichkeiten für sich im Rahmen der tie+ zu erarbeiten und so gleichzeitig den Verband kennenzulernen.
Mit Blick auf die Ausbaupfade der erneuerbaren Energien (EE) in Deutschland und das EEG 2023 ist bereits klar, dass der kurzfristige Stromhandel weiter massiv an Bedeutung gewinnen wird. Darum werden wir mit Edna künftig auch die Prozesse im Energiehandel stärker mitgestalten. Zudem werden wir die Industrie dazu einladen, bei Edna mitzuarbeiten. Denn nicht nur die energieintensiven Unternehmen stehen vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Versorgungswirtschaft, sondern jeder Betrieb, der sich aktiv in die Bemühungen einbringt, die Energiewende und Dekarbonisierung zu einem Erfolg zu machen. (sg)
Die Fragen stellte Stephanie Gust


