Hochspannungsisolatoren in einer elektrischen Schaltanlage. Die Netzentgelte gehören zu den wichtigsten Bestandteilen des Strompreises.

Hochspannungsisolatoren in einer elektrischen Schaltanlage. Die Netzentgelte gehören zu den wichtigsten Bestandteilen des Strompreises.

Bild: AdobeStock/K

35,6 Cent pro Kilowattstunde: So viel kostete Strom für private Haushalte in Deutschland im zweiten Quartal 2026 im Durchschnitt, wie eine Preisanalyse des Vergleichsportals Verivox zeigt. Damit lag die Bundesrepublik an der Spitze der G20-Staaten. Weltweit belegte Deutschland Rang vier der teuersten Länder.

Der Durchschnitt der G20-Gruppe lag laut Verivox bei rund 16,3 Cent je Kilowattstunde. Der Strompreis in Deutschland lag damit mehr als doppelt so hoch. Insgesamt hat das Vergleichsportal Werte aus 144 Ländern verglichen. Verivox nutzte dafür Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices.

Zum Vergleich: Der Wert liegt in der Größenordnung anderer Erhebungen. Eurostat wies für Deutschland im ersten Halbjahr 2025 einen Haushaltsstrompreis von 38,35 Cent je Kilowattstunde aus, die Bundesnetzagentur kam im April 2025 auf 40,05 Cent. Wegen unterschiedlicher Zeiträume und Methoden sind die Angaben jedoch nicht direkt vergleichbar.

Deutschland bleibt im internationalen Vergleich teuer

Im weltweiten Verivox-Ranking lag Irland mit 42,6 Cent je Kilowattstunde auf dem ersten Platz. Es folgten Bermuda mit 38,8 Cent und Belgien mit 37,4 Cent. Deutschland kam auf Rang vier. Vor fünf Jahren hatte die Bundesrepublik mit durchschnittlich 31,8 Cent je Kilowattstunde noch an der Spitze gelegen. Seitdem ist der deutsche Haushaltsstrompreis laut Verivox um rund zwölf Prozent gestiegen.

Auch der weltweite Durchschnitt nahm zu. Im zweiten Quartal 2026 lag er bei 15,1 Cent je Kilowattstunde. Im Jahr 2021 waren es nach Angaben von Verivox noch 11,62 Cent. Das entspricht einem Anstieg um rund 30 Prozent.

Frankreich liegt deutlich unter Deutschland

In Italien kostete eine Kilowattstunde im zweiten Quartal 2026 durchschnittlich 34,5 Cent, in Großbritannien 32,4 Cent. Frankreich lag bei 23,3 Cent, die Vereinigten Staaten bei 18,3 Cent und Kanada bei 10,6 Cent. Noch niedriger waren die von Verivox ausgewiesenen Preise in China mit 6,7 Cent, der Türkei mit 6,6 Cent, Indien mit 6,3 Cent und Saudi-Arabien mit 4,6 Cent.

Methodik der Analyse

Verivox greift für den internationalen Vergleich auf Daten von Global Petrol Prices zurück. Die Auswertung umfasst laut Verivox 144 Länder und Gebiete und weist nationale Durchschnittspreise für private Haushalte aus. Zusätzlich berechnet das Portal kaufkraftbereinigte Werte mit einem von der Weltbank bereitgestellten Kaufkraftparitätsfaktor für den privaten Verbrauch. Nominale und kaufkraftbereinigte Preise messen unterschiedliche Aspekte und sind deshalb nicht direkt vergleichbar.

Deutsche Haushalte zahlten damit nominal mehr als fünfmal so viel für eine Kilowattstunde wie Verbraucher:innen in China oder Indien. Der Begriff "nominal" bezeichnet dabei den nicht an die unterschiedliche Kaufkraft angepassten Preis. Der Wert eignet sich für den direkten Vergleich der Rechnungshöhe, blendet aber aus, wie viel Einkommen Menschen in den jeweiligen Ländern für Strom aufwenden müssen.

"Internationale Vergleiche müssen differenziert betrachtet werden", erklärt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mit Blick auf die Vergleichbarkeit der Preisanalyse. Ein bloßer Vergleich der Strompreise pro Kilowattstunde greife zu kurz. Es gebe erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern bei Kaufkraft, Einkommen, Energiequellen und der Qualität.

Der Preisvergleich betrifft nicht die Industrie

Verivox hat lediglich Haushaltsstrompreise verglichen. Aus dem Ranking lässt sich deshalb nicht unmittelbar ableiten, dass Unternehmen in Deutschland im selben Verhältnis mehr für Strom zahlen als ihre Wettbewerber in anderen G20-Staaten. Industriestrompreise hängen unter anderem von Verbrauchsmenge, Lastprofil, Vertrag, Beschaffung und möglichen Entlastungsregelungen ab.

Ein standardisierter Vergleich von Eurostat zeigt, dass Deutschland auch bei den Strompreisen für nicht private Verbraucher weit oben liegt. Im zweiten Halbjahr 2025 kostete die Kilowattstunde für Abnehmer mit einem Jahresverbrauch von 500 bis 2.000 Megawattstunden hierzulande 22,64 Cent. Damit lag Deutschland auf Rang drei in der Europäischen Union – hinter Irland und Zypern. Der EU-Durchschnitt betrug 18,37 Cent. Der Vergleich bildet allerdings weder die größten energieintensiven Unternehmen noch die Wirkung des deutschen Industriestrompreises ab, der erst für das Abrechnungsjahr 2026 eingeführt wurde.

Der größte deutsche Energiewirtschaftsverband BDEW nennt für Lieferverträge kleiner und mittlerer Industriebetriebe im Jahr 2026 bislang 17,2 Cent je Kilowattstunde. Für die Verbrauchsgruppen mit 20 bis 70 Gigawattstunden sowie 70 bis 150 Gigawattstunden weist die Analyse für das vergangene Jahr 15,9 beziehungsweise 14,4 Cent je Kilowattstunde aus.

Zwei Drittel entfallen auf Netze und Staat

Verivox führt die Höhe des deutschen Strompreises vor allem auf die staatlichen Preisbestandteile und die Netzkosten zurück. Nach Angaben des Vergleichsportals entfallen aktuell mehr als 60 Prozent des Haushaltsstrompreises auf Steuern, Umlagen, Abgaben und Netzentgelte.

"Die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit. Das liegt auch daran, dass die Stromproduktion selbst nur etwa ein Drittel des Strompreises für Haushalte ausmacht", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. Die Analyse von Verivox zeigt nicht, wie stark die einzelnen Bestandteile im internationalen Vergleich jeweils vom deutschen Niveau abweichen.

Der VKU erklärt, dass das Stromnetz in Deutschland eines der zuverlässigsten der Welt sei: "Haushalte und Unternehmen profitieren von einer außerordentlich hohen Versorgungssicherheit. Diese Qualität hat ihren Wert."

Die Einschätzung von Verivox deckt sich mit Angeben der Bundesnetzagentur. Diese teilt den Haushaltsstrompreis in eine wettbewerbliche Komponente aus Beschaffung, Vertrieb und Gewinnmarge, eine Infrastrukturkomponente aus Netz- und Messentgelten sowie staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen auf. Die aktuelle BDEW-Strompreisanalyse beziffert den Anteil von Netzentgelten sowie Steuern, Abgaben und Umlagen für 2026 zusammen auf rund 59 Prozent.

Kaufkraft verschiebt das Ranking

Ein zweites Verivox-Ranking berücksichtigt das allgemeine Preisniveau der Länder. Dafür rechnete das Portal die Strompreise mit dem von der Weltbank 2025 veröffentlichten Kaufkraftparitätsfaktor in die gemeinsame Einheit "International Dollar" um. Die Kaufkraftparität soll abbilden, wie viele Einheiten einer Landeswährung nötig sind, um eine vergleichbare Menge an Gütern und Dienstleistungen zu kaufen.

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Unter dieser Betrachtung lag Sierra Leone mit 96,6 kaufkraftbereinigten Dollarcent je Kilowattstunde an der Spitze, gefolgt von Ruanda mit 93,7 Dollarcent. Deutschland kam auf 50,1 Dollarcent und landete damit auf Platz 24. Insgesamt umfasst dieses Ranking 141 Länder und Gebiete. Wobei Platz eins den höchsten kaufkraftbereinigten Preis dartellt.

Für Stadtwerke zählt der Blick auf die Preisbestandteile

Der Unterschied zwischen beiden Rankings ist für die Einordnung wichtig. Ein hoher Strompreis in einem wohlhabenden Land kann gemessen am allgemeinen Preisniveau weniger stark ins Gewicht fallen als ein niedrigerer Strompreis in einem Land mit deutlich geringerer Kaufkraft. Umgekehrt zeigt der kaufkraftbereinigte Wert, dass Strom in Deutschland auch relativ zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vieler Vergleichsländer teuer bleibt.

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Für Stadtwerke und andere kommunale Versorger ist entscheidend, welchen Teil des Endpreises sie selbst beeinflussen können und welche Kosten durch Netze, staatliche Vorgaben oder den Einkauf entstehen. Die Verivox-Analyse macht diesen Unterschied sichtbar, quantifiziert ihn für einzelne Versorger aber nicht.

Stromsteuer bleibt politischer Streitpunkt

Wirtschaftsverbände, Opposition und Verbraucherschützer fordern seit Längerem, die Stromsteuer für Unternehmen und private Haushalte zu senken. Auch in der politischen Debatte wird der internationale Preisvergleich als Argument für eine Entlastung genutzt. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Michael Kellner, forderte zuletzt, die von der Bundesregierung angekündigte Senkung der Stromsteuer für alle umzusetzen. Er begründete dies mit der hohen Abgabenlast.

Eine Entlastung bei der Stromsteuer könnte den Endpreis zwar senken. Aber sie würde weder die Netzkosten noch die Beschaffungskosten automatisch verändern. Auch der VKU gibt zu bedenken: "Wichtig ist, dass eine Senkung von Stromkosten nicht zulasten der Investitionsfähigkeit in die Netzinfrastruktur geht." Es müsste also geklärt werden, wie die Finanzierung der Netzinfrastruktur und mögliche soziale Ausgleichsmaßnahmen künftig organisiert werden.

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