Schleswig-Holstein verzeichnet eine steigende Zahl dezentraler Anlagen.

Schleswig-Holstein verzeichnet eine steigende Zahl dezentraler Anlagen.

Bild: © Soonthorn/Adobe Stock.com

Die Nachfrage nach Netzanschlüssen für Erneuerbare und Batteriespeicher erreicht in Schleswig-Holstein eine neue Größenordnung. Bei der Hansewerk-Tochter Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) lägen Anträge über knapp 60.000 Megawatt (MW) vor, teilte diese mit. Das entspricht etwa dem Vierfachen der Leistung, die der Verteilnetzbetreiber in den vergangenen rund 40 Jahren insgesamt an Erneuerbarenanlagen und Speichern angeschlossen hat. Das Unternehmen spricht von einer "Riesenwelle".

Auf Photovoltaik entfallen nach Angaben des Unternehmens 21.000 MW der angefragten Leistung, auf Windenergie 11.500 MW und auf Batteriespeicher 27.000 MW. Zum Vergleich: Derzeit sind bei SH Netz rund 14.500 MW aus Erneuerbarenanlagen und Speichern angeschlossen. Die Jahreshöchstlast im Netz liegt bei etwa 2.000 MW. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark Projektentwickler auf einen Ausbau der regionalen Erzeugung und auf Speicher setzen, die Überschüsse aus Wind- und Solarstrom aufnehmen können.

Milliardeninvestitionen geplant

Hansewerk und SH Netz reagieren mit einem zusätzlichen Netzausbau-Paket. Bis 2030 sollen rund 2,5 Milliarden Euro in die Stromnetze fließen – ungefähr so viel, wie zuvor binnen zehn Jahren investiert wurde. Geplant sind nach Unternehmensangaben rund 120 neue Umspannwerke, 1.000 Kilometer Hochspannungsleitungen, 9.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungskabel sowie etwa 7.000 Ortsnetzstationen.

Neben dem konventionellen Ausbau setzt SH Netz auf eine stärkere Digitalisierung. Das Unternehmen will unter anderem das Monitoring von Freileitungen und Kabeln ausweiten, um vorhandene Netzkapazitäten besser auszulasten. Zudem sollen weitere digitale Ortsnetzstationen und moderne Messsysteme die Steuerung des Verteilnetzes verbessern.

Flexible Verträge sollen Anschlüsse beschleunigen

Ein zentraler Baustein sind flexible Netzanschlussverträge. Sie sollen Anlagen einen früheren Anschluss ermöglichen, auch wenn die volle beantragte Leistung zunächst nicht jederzeit verfügbar ist. Mehrere Erzeuger können sich dabei Anschlusskapazitäten teilen und ihre Einspeisung zeitlich oder mengenmäßig abstimmen. Der Ansatz kann den Netzausbau effizienter machen, setzt bei Projektierern aber Bereitschaft zu flexibler Fahrweise voraus.

Trotz der zusätzlichen Maßnahmen rechnet SH Netz regional mit Engpässen – insbesondere bei großen Anlagen. Material- und Fachkräftemangel sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren bleiben aus Sicht des Unternehmens begrenzende Faktoren. Kleinere Vorhaben wie PV-Dachanlagen, Wärmepumpen, Wallboxen und übliche Hausanschlüsse sollen in der Regel nicht betroffen sein.

Drei Viertel Grünstrom

Schleswig-Holstein ist eines der Länder mit der höchsten Erneuerbarenquote: Nach Angaben von Hansewerk deckt das Land rechnerisch rund drei Viertel seines jährlichen Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen und erzeugt übers Jahr mehr als doppelt so viel Grünstrom, wie es bilanziell verbraucht.

Zum Vergleich: Laut dem Umweltbundesamt deckte Gesamtdeutschland im Jahr 2025 rund 55 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren. Die neue Antragswelle zeigt jedoch: Der Ausbau der Netze wird zum entscheidenden Taktgeber für die nächste Phase der Energiewende.

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