Deutschland galt lange Zeit als Biogasland Nummer 1, doch Anlagenbetreiber ächzen unter dem wettbewerbsorientierten Ausschreibungssystem bei gleichbleibenden Substrat-Preisen. Hinzu kommt die Konkurrenz durch die Erneuerbaren am Energiemarkt und die E-Mobilität im Verkehrssektor. Die Biomethan-Branche tut sich schwer, einen Platz für sich zu behaupten, dabei könnte sie vor allem die Klimapolitik auf Deutschlands Straßen rasend beschleunigen. Aus Sicht des Biogasrates ist das dringend nötig, bedarf aber auch des Abbaus von Hemnissen.
Im Vergleich zu 1990 müssen die Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich bis 2030 um 40 bis 42 Prozent gesenkt werden, was circa gut 67 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent entspricht. Mit Biogas im Tank käme man laut Biogasrat dieser Marke einen großen Schritt näher, denn so ließen sich 40 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Dabei wäre Biogas im Gegensatz zu anderen „grünen“ Kraftstoffen sofort verfügbar.
Verfügbarkeit ist Trumpf
Allein vergangenes Jahr verfügten die 213 Biomethananlagen in Deutschland über eine Einspeisekapazität von insgesamt 10 TWh. Der Biogasrat geht davon aus, dass durch Umrüstung und Pooling von bestehenden Anlagen, die aus der EEG-Förderung fallen, und den Neubau von Anlagen bis 2030 120 TWh an Kapazitäten vorhanden sein werden. Damit könnten 2030 potenziell 36 Prozent des heutigen Pkw-Bestandes in der Bundesrepublik betankt werden.
Genau an dieser Verfügbarkeit mangelt es der E-Mobilität derzeit noch. Nicht nur Lithium-Vorkommen sind weltweit begrenzt, auch die ökologischen und sozialen Begleiterscheinungen des Rohstoffabbaus sorgen für einen bitteren Beigeschmack. Hinzu kommt der stockende Ausbau der Erneuerbaren, der das 65-Prozent-Ziel empfindlich gefährdet. Und selbst wenn dieses Ziel erreicht wird, geht der Biogasrat davon aus, dass die Öko-Strommengen nicht für die Erreichung der Klimaziele in allen Sektoren reichen werden.
Es braucht Technologieoffenheit
Es ist also Technologieoffenheit gefragt und ein starker Fokus auf Biokraftstoffe. So fordert der Biogasrat eine Anhebung der energetischen Unterquote für fortschrittliche Biokraftstoffe wie Biomethan auf 3,5 Prozent bis 2030. Zudem soll eine verbindliche Nutzung konventioneller Biokraftstoffe von sieben Prozent ab 2020 festgeschrieben werden und eine transparente Kennzeichnung von grünen Kraftstoffen an der Tankstelle eingeführt werden. Auch auf Europa-Ebene hat sich der eingetragene Verein Gedanken gemacht: Erneuerbare Kraftstoffe sollten auf die CO2-Flottengrenzwerte der Automobilhersteller angerechnet werden können. Dazu wäre eine Reform der CO2-Flottengrenzwerte für Pkw und Nutzfahrzeuge notwendig. (ls)