Der Windenergie-Branche könnten dunkle Zeiten bevorstehen.

Der Windenergie-Branche könnten dunkle Zeiten bevorstehen.

Bild: © Bundesverband Windenergie e.V.

Nie wurden in Deutschland in einem ersten Halbjahr so viele Windenergieanlagen genehmigt wie 2026. Dennoch warnt der Bundesverband Windenergie (BWE) vor einem drohenden Ausbaustopp. Der Grund sind zwei Gesetzentwürfe des Bundeswirtschaftsministeriums: das Netzanschlusspaket und die EEG-Novelle.  

Der Windenergieverband sieht die gesamte Branche in Gefahr, aber auch die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland: "Einen Ausbaustopp für die Windenergie können wir uns in dieser Situation nicht leisten. Es führt zu einem fossilen Rollback und auch zu einer Deindustrialisierung", mahnt BWE-Vorstandspräsidentin Bärbel Heidebroek. 

Gesetzentwürfe als Investitionsbremse 

Das Netzanschlusspaket sieht in sogenannten kapazitätslimitierten Gebieten vor, dass bis zu 20 Prozent der abgeregelten Strommengen künftig nicht mehr entschädigt werden, sobald ein Redispatch-Anteil von fünf Prozent in einem einzigen Jahr überschritten wird. Die Ausweisung dieser Gebiete würde sechs Jahre lang gelten. Der BWE hält diese Schwelle von fünf Prozent in einem Jahr für unbegründet: "Diese Berechnung ist einfach nicht seriös. Man müsste mehrere Jahre einbeziehen", sagt Heidebroek. 

Hinzu kommt eine bundesweite Wirkleistungsbegrenzung: Ab 2027 soll der Netzanschluss auf maximal 280 Watt je Quadratmeter Rotorfläche begrenzt werden. Laut Jürgen Quentin von der Fachagentur Wind und Solar liegen 75 Prozent der derzeit rund 8000 genehmigten Anlagen oberhalb dieser Grenze. Betroffen wären damit vor allem die modernen Großanlagen. In kapazitätslimitierten Gebieten addierten sich Wirkleistungsbegrenzung und Redispatch-Vorbehalt, was für Heidebroek eine "unzulässige Kumulation" darstellt. Aus ihrer Sicht wären damit viele dieser Gebiete für wirtschaftliche Projekte faktisch nicht mehr nutzbar.  

Auch die EEG-Novelle steht in der Kritik. Die geplante Einführung von Contracts for Difference (CfD) schafft laut Heidebroek "Planwirtschaft statt Marktwirtschaft". Ausschreibungszuschläge würden verteuert, "weil wir keinen Marktwertkorridor haben", erklärte die BWE-Vorstandspräsidentin. 

Außerdem problematisch für den Windverband: Wer sich einmal für den EEG-Rahmen entscheide, könne innerhalb von zehn Jahren nur einmal wechseln. Hineinzuwechseln sei gar nicht möglich. Das sei ein Hemmnis für Power Purchase Agreements (PPAs), die gerade für den Mittelstand an Bedeutung gewönnen.  

Die vorgeschlagene Pachthöhenbegrenzung auf 2,5 Prozent hält Heidebroek für praxisfern und bürokratisch belastend: "Der Vorschlag löst ein Problem, das wir heute nicht haben, und schafft neue Bürokratie, statt sie abzuschaffen." Die Mitglieder ihres Verbands berichteten bereits von sinkenden Pachtpreisen durch die Marktentwicklung. 

Folgen für kommunale Projekte 

Auf Nachfrage der ZFK, wie sich die aktuelle Unsicherheit konkret auf kommunale Projektierer und Stadtwerke auswirke, antwortet Heidebroek: "Diese Unsicherheit ist Gift für die gesamte Branche, auch natürlich für kommunale Projektierer und Stadtwerke. Projekte, die für das nächste oder übernächste Jahr geplant sind, werden natürlich mit Vorsicht betrachtet – beziehungsweise werden dann auch nicht realisiert werden, wenn die Gesetzentwürfe so umgesetzt werden."  

Eine BWE-Analyse für Niedersachsen zeige, dass die Gesetzespläne Investitionen von bis zu 32 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren gefährden könnten. Kleinere, kommunal getragene Windprojekte träfen die neuen Risiken dabei härter als große Projektierer: "Natürlich ist die Auswirkung für kommunal getragene Projekte, die eventuell keinen Puffer haben, noch größer als für große Projektierer", erklärt Heidebroek. 

Zubau steigt, Jahresziel dennoch schwer erreichbar 

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland Windenergieanlagen mit einer Bruttogesamtleistung von 2363 Megawatt (MW) neu in Betrieb genommen – ein Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 770 MW auf Repowering, also ein Drittel des gesamten Bruttozubaus. Führend waren Nordrhein-Westfalen mit 539 MW und Niedersachsen mit 516 MW. Bemerkenswert dabei ist, dass Baden-Württemberg auf knapp 170 MW kam: In dem Bundesland spielte der Ausbau von Windenergie bisher nur eine kleine Rolle. 

Dem Bruttozubau stehen Stilllegungen von 436 MW gegenüber. Der Nettozubau liegt bei 1927 MW. Die Gesamtleistung aller deutschen Windenergieanlagen an Land beträgt aktuell 70 Gigawatt (GW). Dabei lag das EEG-Ziel für Ende 2026 bei 84 GW. Dieses Ziel wird wahrscheinlich nicht erreicht, selbst wenn die Jahresprognose erfüllt wird. Diese sieht einen möglichen Bruttozubau von weiteren 8 GW vor – was Jürgen Quentin von der Fachagentur Wind und Solar für "sehr, sehr ambitioniert" hält.  

Ein strukturelles Problem verschärft die Lage: Die Zeit von der Genehmigung bis zur Inbetriebnahme ist auf durchschnittlich 31 Monate gestiegen – im vergangenen Jahr lag sie noch bei knapp 27 Monaten. Als Ursachen nennt Quentin verzögerte Netzanschlüsse sowie langwierigere Genehmigungen für Schwerlasttransporte. 

Nadelöhr Ausschreibungen

9150 MW wurden im ersten Halbjahr 2026 genehmigt, also 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Regional zeigt sich eine ausgeglichenere Verteilung als im Vorjahr: Niedersachsen führt mit 1860 MW knapp vor Nordrhein-Westfalen mit 1800 MW. Bayern verzeichnete mit über 740 Megawatt mehr Genehmigungen in einem Halbjahr als in manchem früheren Zweijahresraum. 

Die eigentliche Engstelle sind die Ausschreibungen: Aktuell stehen 19.200 MW genehmigte, aber noch nicht bezuschlagte Projekte bereit. Bis Ende 2026 könnten nach BWE-Schätzungen über 25.000 MW genehmigt, aber ohne Ausschreibungszuschlag sein. Quentin fasst die Problematik zusammen: "Wir sehen, dass wir mit dem, was wir jetzt im EEG an zusätzlichem Ausschreibungsvolumen sehen, relativ wenig von der Genehmigungswelle entsprechend mit Ausschreibungszuschlägen versorgen können." 

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