Die Situation sei "deutlich besser als im vergangenen Jahr", sagte Präsident der Regulierungsbehörde Klaus Müller, bei der Vorstellung der aktualisierten Gasversorgungsszenarien. Die Gasspeicher seien sehr gut gefüllt und die Importe und Einsparungen bleiben stabil. Für eine vollständige Entwarnung sei es aber zu früh.
In drei der sechs untersuchten Szenarien reichen die verfügbaren Gasmengen aus, um die Versorgung zu sichern. Voraussetzungen dafür seien Im- und Exporte auf demselben Niveau wie im Vorjahr sowie eine Auslastung der LNG-Kapazitäten von mindestens 50 Prozent.
Sollte der Winter besonders kalt ausfallen, würde der Gasverbrauch deutlich ansteigen. Wenn es dann zu einem Lieferstopp der verbleibenden russischen Gaslieferungen nach Südosteropa kommt, müssten diese Staaten in einer Mangellage über Deutschland mitversorgt werden.", sagte Müller weiter. Bereits im Sommer sprach Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) über ein solches Szenario.
Der Minister erinnerte hat an die Pflicht Deutschlands, seinen EU-Partnern bei der Gasversorgung beizustehen. Für eine solche Situation, beispielsweise aufgrund eines russischen Lieferstopps über die ukrainische Route, hat die Regulierungsbehörde einen höheren Exportbedarf unterstellt. Angenommen werde, dass Südosteuropa ab November 2023 zusätzlich zu den bestehenden Exportkapazitäten mit Erdgas aus Deutschland in Höhe von 20 GWh/h versorgt werden müsste.
Fall der Mitversorgung von Südosteuropa nicht wahrscheinlich
Dass eine solche Situation bei einem normalen Winter eintritt, sei allerdings nicht wahrscheinlich, teilte die Bundesnetzagentur weiter mit. Ein Grund dafür sei die deutlich verbesserte Versorgungssituation. Zum einen seien die Einspeisemöglichkeiten aus LNG-Anlagen erweitert. Zum anderen konnten die ausleibenden Gasflüsse aus Russland durch Gaslieferungen aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien weitgehend kompensiert werden. Für Entspannung auf dem Gasmarkt sorgen auch Gasspeicher auf einem aktuellen Füllstand von 99,65 Prozent.
Sparmaßnahmen greifen
Im vergangenen Winter haben die Verbraucher "beachtliche Einsparerfolge" erzielt, sagt Müller weiter. Die Einsparungen zwischen Oktober 2022 und September 2023 hätten die Kosten für einen Durchschnittshaushalt um rund 440 Euro reduziert. Die Einsparungen von rund 20 Prozent hatten zudem einen wesentlichen Einfluss auf die Wiederbefüllung der Gasspeicher. Das führte dazu, dass sie zum Ende des Winters noch relativ gut gefüllt waren, so die Regulierungsbehörde weiter.
Risiken nur bei besonders kaltem Winter
Müller hoffe nun, dass die Haushalte auch in diesem Winter sparsam mit der Ressource umgehen würden. Das wird nicht einfach sein, wenn der Winter besonders kalt ausfällt. Die Verbrauchsdaten des letzten, eher milden Winters zeigen nämlich, dass bereits bei kleineren Kältephasen die Einsparungen stark zurückgingen. In ihren Modellierungen geht die BNetzA von einer Verbrauchsersparnis von maximal 10 Prozent aus. Das europäische Einsparziel, auf das sich die EU-Mitgliedsstaaten im Sommer 2022 verständigt haben, liegt bei 15 Prozent. Als Referenzwert nimmt die Regulierungsbehörde den durchschnittlichen Verbrauch der Jahre 2018 bis 2021.(am)
