Im Falle einer zweiten Corona-Welle im vierten Quartal könnte der Stromverbrauch in Deutschland bis Jahresende um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr sinken. Das entspricht einem Minderverbrauch von rund 25 TWh. Das geht aus dem aktuellen Corona-Energiemarktradar des Berliner Beratungsunternehmens Team Consult hervor. Laut diesem wurde bisher in Deutschland vier Prozent weniger Strom in Haushalten und Unternehmen konsumiert. In einem optimistischen Szenario mit einer schrittweisen Aufhebung der Einschränkungen im zweiten Quartal und einer anschließenden Normalisierung innerhalb von zwei bis drei Monaten wird auch eine Rückkehr zu einem Nachfrageniveau erwartet, das in etwa auf der Höhe vor Beginn des Shutdowns lag. In diesem Fall würden aufs ganze Jahr gesehen in etwa vier Prozent weniger Strom verbraucht als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang um etwa 20 TWh für das gesamte Jahr.
"In den letzten drei Jahren variierte die Stromnachfrage maximal um zehn Terawattstunden. Ein Rückgang um vier bis fünf Prozent wäre da schon eine deutliche Verringerung", kommentiert Madjid Kübler, Geschäftsführer und Inhaber des Beratungshauses. In den ersten acht bis neun Wochen dieses Jahres sei die Stromnachfrage so hoch wie in den Vorjahren gewesen. "Es hängt jetzt alles davon ab, wie schnell die Wirtschaft wieder hochgefahren werden kann", so Kübler. Gehe es das schnell, bleibe unterm Strich eventuell nur ein Quartal mit einer Delle und und die Auswirkungen fielen aufs ganze Jahr gesehen weniger dramatisch aus als befürchtet.
Gasverbrauch um bis zu zehn Prozent gesunken
Auch die Entwicklung der Gasverbräuche wurden in dem "Corona-Energiemarktradar" untersucht. Diese gingen bisher um rund sechs Prozent zurück, das entspricht rund 60 TWh. Im Fall des Positivszenarios mit einer schrittweisen Lockerung der Einschränkungen im zweiten Quartal und anschließender schneller Normalisierung wird bis Ende des Jahres ebenfalls eine Minderung der Stromnachfrage um sechs Prozent erwartet, hierbei wurden auch temperaturbedingte Effekte berücksichtigt. Im pessimistischen Szenario wird für das Gesamtjahr mit einem Gesamtrückgang von 100 TWh gerechnet. Das entspricht einem Einbruch von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Deutliche Nachfragerückgänge im verarbeitenden Gewerbe
Team Consult zeigt in der Analyse auch den aktuellen Nachfragerückgang einiger Schlüsselbranchen des verarbeitenden Gewerbes auf. Die Schätzungen basieren auf der Erhebung des aktuellen Ifo-Index. In der Metallindustrie liegt dieser sowohl beim Strom als auch beim Gas bei je 18 Prozent. In der Chemischen Industrie beträgt das Minus beim Strom neun Prozent und vier Prozent beim Gas. In der Fahrzeugindustrie liegen die Rückgänge beim Strom bei 14 und beim Gas bei 15 Prozent. Im Vergleich dazu fallen die Minderverbräuche in der Papierindustrie mit 0,5 Prozent beim Strom und sechs Prozent beim Gas deutlich niedriger aus, ebenso in der Glas- und Keramikindustrie mit einem Minus von drei Prozent (Strom) und vier Prozent (Gas). (hoe)
