Die Gaspreise sind in dieser Woche über das bisherige Jahreshoch vom 20. März gestiegen, als es im Laufe des Krieges zwischen den USA und Iran zur Sperrung der Straße von Hormus und zum Ausfall der katarischen LNG-Produktion kam.
Noch vor einer Woche bewertete die Energy Union Taskforce der EU die Preisvolatilität als vergleichsweise gering und es bestünden mittels der LNG-Importkapazitäten keine Bedenken für die Versorgungssicherheit für den Winter 2026/27 trotz der aktuell niedrigen Speicherfüllstände.
Die Marktpreise sprechen nun eine andere Sprache, die Situation ist dramatischer als zu Beginn des Konflikts und auch von der EU Taskforce eingeschätzt. Es scheint, dass die geopolitische Realität jetzt beginnt, sich in den Gaspreisen darzustellen; die Preise könnten weiter steigen.
LNG-Importe könnten im Juli auf neues Jahrestief fallen
Bis zum 21. Juli waren im laufenden Monat nur 63 LNG-Lieferungen an den europäischen Terminals importiert. Das sind elf Lieferungen weniger als im schwachen Vormonat Juni, als mit insgesamt 98 Lieferungen ein neues Jahrestief markiert wurde.
Schaut man auf die erwarteten Ankünfte bis zum Ende des Monats, so sind bisher 23 Lieferungen angekündigt. Bei Vorausschau von mehr als fünf bis sieben Tage haben die Zahlen zu den erwarteten Ankünften naturgemäß eine recht große Unschärfe; das könnte sich im besten Falle auch ein wenig nach oben korrigieren.
Unser Best-Case-Szenario für den Monat Juli anhand der vorliegenden Zahlen liegt daher bei 95 Lieferungen insgesamt. Der Grund sind einerseits deutlich rückläufige Lieferungen aus den USA (mehr Lieferungen nach Asien) und auch stark rückläufige Lieferungen aus Russland. Aus Russland werden noch drei Lieferungen erwartet, was dann insgesamt zehn Lieferungen im gesamten Juli wären, die niedrigste Importrate seit September 2025.
Füllstände der Gasspeicher auf Allzeittief
Schwache LNG-Importe sorgen für niedrige Einspeicherungen. Die Gasspeicher in Deutschland sind mit rund 45 Prozent Füllstand so niedrig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr gefüllt.
Die Einspeicherungen in Deutschland fallen in dieser Woche auf durchschnittlich 300 Gigawattstunden (GWh) pro Tag, so niedrig wie zuletzt im April dieses Jahres. Im Vorjahr lagen die Einspeicherungen in der zweiten Julihälfte bei rund 1000 GWh pro Tag.
Der größte deutsche Gasspeicher Rehden ist nur zu 6,5 Prozent gefüllt, Breitbrunn nur zu 10 Prozent und der große Storage Hub Bernburg, Lauchstädt und Katharina ist aggregiert nur zu 46 Prozent gefüllt.
Negative Saisonspreads verhindern Einspeicherungen
Die Preisdifferenz zwischen Spotpreis und Preis für Winter-26 war in der letzten Woche wieder in negatives Terrain gefallen, am Mittwoch lag der Spread bei rund -1,5 Euro pro Megawattstunde (MWh).
Die Preisdifferenz ist negativ, weil die geopolitische Krise sich in erster Linie auf die Sommerkontrakte auswirkt und man bisher hoffte, dass sich die Situation im Winter normalisieren könnte.
Negative Spreads geben keinen wirtschaftlichen Anreiz für die Einspeicherung. Dies wirkt sich kurzfristig in niedrigen Speicherständen aus. Es bedroht akut die Versorgungssicherheit, falls in Deutschland die Gasspeicher zum 1. November geringer als 60 Prozent gefüllt sein sollten.
Längerfristig können die negativen Spreads die Stilllegung von Gasspeichern nach sich ziehen. Die Füllstände der Gasspeicher Rehden und Breitbrunn sind im zweiten Winter in Folge auf Tiefstständen.