Die Woche hindurch sind häppchenweise Informationen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) zur Forcierung der Speicherbefüllung durchgesickert. Ministerin Reiche (CDU) vollzieht damit eine heikle und zu späte Kehrtwende, um eine mögliche Gasversorgungskrise im Winter zu verhindern.

Anfangs der Woche kursierten Informationen, dass das BMWI den bundeseigenen Gasimporteur Sefe dazu bewegt haben solle, Erdgas einzukaufen, um den Füllstand der deutschen Gasspeicher zu erhöhen.

Und sm Mittwoch kursierten Meldungen, wonach Reiche die Trading Hub Europe (THE) beauftragt habe, sogenannte Long-Term-Options (LTOs) auszuschreiben. Eine für den Herbst geplante Ausschreibung für Long-Term-Options (LTOs) soll anscheinend um ein noch nicht festgelegtes Gasvolumen aufgestockt werden.

Long-Term-Options

Long Term Options sind ein Regelenergie-Produkt von Trading Hub Europe (THE). THE kauft damit weit im Voraus das Recht, im Winter bei Bedarf Gas abzurufen. Wer eine LTO gewinnt, muss im Abruffall liefern können. In der Praxis heißt das: Gas im Speicher halten oder anderweitig Flexibilität absichern. Der Leistungspreis bezahlt dieses Vorhalten.

Bisher wurden nur die sogenannten Short-Call-Balancing-Services (SCBs) ausgeschrieben, das Kurzfrist-Gegenstück zu den LTOs. THE sichert sich damit Flexibilität, die innerhalb von höchstens 60 Minuten abrufbar ist. Das Produkt dient für lokale, stündliche Engpässe, nicht der Versorgungssicherheit über den Winter.

Für den Winter 2026/27 hat THE nach allem, was öffentlich ist, noch keine LTOs unter Vertrag. Im letzten Winter waren es 14,4 GWh/h. Laut Medienberichten, will nun das Ministerium für den anstehenden Winter um eine noch unbestimmte Menge aufstocken und bis 21. September entscheiden.

Eine gefährliche Gratwanderung

Die Ministerin hat zu lange auf eine rein marktbasierte Lösung vertraut. Die Gasspeicher sind in Deutschland nur zu 56 Prozent gefüllt, so leer wie nie zuvor im Monat September. Nun zwingt die Angst vor leeren Speichern im Winter und einer möglicherweise ernsthaften Versorgungskrise die Ministerin zum Handeln.

Schon gegen Ende des letzten Winters, als Deutschland mit niedrigen Speicherständen aus dem Winter gekommen war, zeichnete sich aufgrund der gravierend verschlechterten geopolitischen Lage ein Szenario ab, das eine rein marktbasierte zügige Befüllung der Gasspeicher fast unmöglich machte.

Andere europäische Länder reagierten mit regulatorischen Maßnahmen (Anreize Einspeicherung, garantierte Erlöse, etcetera), in Deutschland hörte man nichts außer Beschwichtigungen, der Markt werde das schon regeln. Die Angst, dass ein Markteingriff die Preise in die Höhe treiben könnte, überwog und man verschloss die Augen vor der fundamentalen Realität im Markt.

U-Boot-Strategie war ein Fehler

Würde das BMWI nun in aller Öffentlichkeit, wie in der Notlage 2022 zu Recht, den Marktgebietsverantwortlichen THE mit Einkäufen beauftragen, könnten die Preise in die Höhe schießen.

Daher wurde zunächst monatelang auf den Markt verwiesen. Auch die Bundesnetzagentur (BNetzA) beschwichtigte zuletzt, es sei zur Wintervorsorge genügend Gas in den Speichern. Nun also kleine Schritte, man könnte es auch U-Boot-Strategie nennen, um nicht die Spekulanten am Markt anzulocken. Man "bewegt" Sefe und wohl auch Uniper (dazu gibt es widersprüchliche Meldungen) zum Gaseinkauf und stockt wahrscheinlich die LTOs mit Hilfe von THE im September auf.

Ob die kleinen Schritte reichen werden, um die Speicher rechtzeitig doch noch angemessen zu befüllen, wird sich zeigen. Die Wette der Spekulanten ging in jedem Fall voll auf. Denn jetzt wird es eng und teuer und das BMWI hätte dies durch einen frühzeitigen maßvollen Eingriff in den Markt verhindern können.

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