Ab sofort informiert das Beratungshaus Enerchase die ZfK-Leser in einem wöchentlichen Bericht über das Geschehen auf dem CO2-Markt.
Von Tobias Waniek, Enerchase
In der zweiten Hälfte der vergangenen Handelswoche kam es zu einem Anstieg des Kaufinteresses bei den Emissionszertifikaten (EUA). Der EUA Dez24-Future ging mit einem Plus von vier Prozent auf 70,89 Euro/t CO2 an der ICE Endex ins Wochenende. Die aktuelle Handelswoche startete dann am Montag mit leichten Abschlägen und schlossen letztlich bei 70,18 Euro/t CO2 (minus 1,0 Prozent).
Am Mittwoch stieg der Kaufdruck deutlich an, und es ging 4,1 Prozent fester bei 74,01 Euro/t CO2 aus dem Handel. Hintergrund war insbesondere die Enttäuschung aus dem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin, was die Energiemärkte insgesamt gestützt hat.
Am Donnerstag (20. März) sortiert sich der CO2-Markt nach der kräftigen Aufwärtsbewegung neu. Am Nachmittag gegen 16 Uhr notierte der CO2-Dezember-Future mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 73,31 Euro/t CO2. Intraday zeigte sich die Unentschlossenheit mit einem Tageshoch bei 74,19 Euro/t CO2 und einem Tagestief bei 72,88 Euro/t CO2.
CoT-Report im Emissionshandels-Markt bearish
Laut jüngstem Commitments of Traders-Report (CoT-Report) der ICE Endex (Stand 14. März) halten die Investmentfonds 81,8 Mio. Tonnen CO2-Zertifikate in Long-Positionen. Die Fonds haben nur in sehr begrenztem Umfang zusätzliche EUAs gekauft, was auf eine abwartende Haltung hindeutet.
Auf der Short-Seite ist jedoch eine deutlichere Bewegung zu erkennen. Die Short-Positionen sind von 44,9 Mio. t am 7. März auf 50,7 Mio. t angestiegen, was einer Erhöhung um 5,8 Mio. t entspricht (plus 12,88 Prozent). Dies bedeutet, dass Investmentfonds zunehmend auf fallende CO2-Preise setzen oder bestehende Positionen absichern. In der Netto-Position zeigt sich ein markanter Rückgang. Dies bedeutet, dass der Markt weniger bullish gestimmt ist als in der Vorwoche, und dass Investmentfonds zunehmend skeptischer hinsichtlich steigender CO2-Preise werden.
Bemerkenswert ist aber die relative Stärke der EUAs. Während Gas und Strom unterhalb der Kurse zu Jahresbeginn notieren, ist der EUA-Dez25-Future in der indexierten Preisentwicklung seit Jahresbeginn der stärkste im Vergleich zu den übrigen Commodities. Seit Jahresanfang stieg das CO2-Zertifikat zum aktuellen Zeitpunkt um 1,9 Prozent an Wert, während das TTF Gas Frontjahr einen Verlust von 6,4 Prozent zu verzeichnen hat und der Strom Cal 26 Base-Future mit minus 2,1 Prozent erwartungsgemäß dazwischenliegt.
Preis für Optionsverfall im CO2-Markt bei 75 Euro/t CO2
Der aktuelle EUA-Future-Preis liegt bei 73,31 Euro/t CO2, während der Max-Pain-Preis für den Optionsverfall am 26.03.2025 bei 75 Euro/t CO2 liegt. Die Max-Pain-Theorie besagt, dass der Kurs am Verfallstag möglichst nahe am Max-Pain-Wert notiert, da dies den größten finanziellen Verlust für Optionsinhaber bedeutet und den Gewinn der Optionsverkäufer maximiert.
Betrachtet man das Open Interest (OI) für die Call- und Put-Optionen, fällt die hohe Anzahl an Call-Open-Interest im Bereich von 75 bis 85 Euro/t CO2 sowie ein signifikantes Put-Open-Interest bei 70 bis 75 Euro auf. Dies deutet auf eine starke Marktmeinung hin, dass der Preis eher steigen könnte.
Der Max-Pain-Wert liegt derzeit bei 75 Euro/t CO2. Dies ist der Ausübungspreis, bei dem die kombinierte Geldsumme aus Calls und Puts am geringsten ist. Der aktuelle Marktpreis liegt mit 73,31 Euro/t CO2 knapp darunter, was auf eine potenzielle Aufwärtsbewegung bis zum Verfallstag hindeutet. Die Daten deuten also darauf hin, dass es im Interesse der Stillhalter liegt, den Kurs bis zum 26.03. in Richtung 75 Euro/t CO2 zu bewegen, um den finanziellen Verlust der Optionskäufer zu maximieren. Dies könnte kurzfristig zu einer weiteren Aufwärtsbewegung führen.
Die Experten des Beratungshauses Enerchase analysieren wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel für das ZfK-Morning Briefing.
