Aufgrund der Erdbebenproblematik wächst bei vielen Niederländern der Unmut über die Erdgasförderung.

Aufgrund der Erdbebenproblematik wächst bei vielen Niederländern der Unmut über die Erdgasförderung.

Bild: © Bayerngas

Die Bundesregierung sieht den intensiv diskutierten Umstieg der Gaswirtschaft auf "grünen" und "blauen" Wasserstoff eher als ein mittel- bis langfristiges Thema. Nachdem in Köln auf der Rednerliste der Gasfachlichen Aussprachetagung in Köln auffallend viele Protagonisten eines zeitnahen Beginns eines Wasserstoff-Zeitalters zu Wort gekommen waren, unter anderem der Vizepräsident des Wuppertal-Institutes Manfred Fischedick oder Gunnar Luderer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, warnte Stefan Rolle vor einer Überforderung der Gesellschaft.

"Wir sehen jetzt, nach dem der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen ist und der Ausstiegspfad aus der Kohleverstromung klar ist, dass auch die Abkehr von Erdgas gefordert wird", sagte der Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium in Köln. Doch das sei angesichts dessen, dass Politik immer auch die Umsetzung des Machbaren sei, nicht realistisch. "Erdgas ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre", so Rolle. Anders sei eine Versorgungssicherheit, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und auch der soziale Frieden nicht zu gewährleisten.

Kritik an restriktiverer Finanzierung von Gaskraftwerken

Deshalb setze Deutschland weiter auf die Diversifizierung der Bezugsquellen, zu der der Bau von Nordstream 2 ebenso gehört wie die Suche nach einen Standort für einen LNG-Port. Für letztere werde Anfang nächsten Jahres belastbares Material für die untersuchten Standorte vorliegen. Die russische Gaspipeline hingegen wird zwar bis Anfang 2020 fertig sein, ihre Inbetriebnahme hingegen sei offen, weil die Sanktionsdrohungen der USA hier offenbar Wirkungen zeigen. Deutschland sei für eine Inbetriebnahme, wie auch für eine Sicherung der Bezugsquelle über die Ukraine-Pipelines. Die Liefer- und Transitverträge dort werden derzeit zwischen den Russen und Ukrainern verhandelt. Deutschland vermittle nach besten Kräften und sei zuversichtlich, das es eine Lösung geben werde.

Kritisch äußerte sich Rolle zur Entscheidung der Europäischen Investitionsbank (EIB), die Finanzierung von Gaskraftwerken restriktiver zu handhaben. "Wir haben in Deutschland einen Energiebedarf von rund 2500 TWh pro Jahr, davon sind gerade mal 600 TWh Strom. Um den Anteil der Erneuerbaren von jetzt etwa 14 Prozent signifikant zu erhöhen, benötigen wir viel Zeit, in der wir Erdgas als Brückentechnologie sehen."

Heitmüller: Potenziale grüner Gase nutzen

Mehr Realitätssinn forderte auch die neue BDEW-Chefin Kerstin Andreae. "Wenn wir 2050 wirklich klimaneutral sein wollen, müssen wir den Menschen auch erklären, was das konkret im Leben bedeutet", sagte sie. Es sei nach dem Beschluss der Kohlekommission zunächst viel Zeit verstrichen, jetzt aber sei zu befürchten, dass manche politischen Entscheidungen zu schnell durchgedrückt werden. "Wir brauchen vernünftige Lösungen, die rechtssicher sind, da ist es weniger wichtig, ob die Gesetze im Dezember oder im Januar beschlossen werden", sagte sie.

Der BDEW hat unterdessen für das kommende Jahr eine "Roadmap grüne Gase" angekündigt. Diese solle aufzeigen, wie die "vielfältigen Potentiale genutzt werden können", sagte Ulf Heitmüller, BDEW-Vizepräsident und Vorstandsvorsitzender der VNG AG am Dienstag auf der Gasfachlichen Aussprachetagung in Köln. Moderne Gasheizungen ließen sich schon heute ohne technische Umstellung mit grünen Gasen wie Biomethan betreiben. Künftig werde zudem auch im Wärmemarkt ein zunehmender Anteil von Wasserstoff eingesetzt werden können. Völlig unverständlich sei deshalb, dass im aktuellen Entwurf für das neue Gebäudeenergiegesetz der Einsatz von Biomethan zur Wärmeerzeugung in städtischen, verdichteten Gebieten faktisch verhindert werde, erklärte Heitmüller.

Kritik an geplanten KWK-Regelungen

Heitmüller nahm zudem die von der Bundesregierung geplanten Regelungen zu Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in den Blick, die den Ersatz von Kohle durch Erdgas honorieren sollen: "Der Gesetzesentwurf verschenkt hier eine große Chance: Zwar soll es einen Bonus geben, wenn mehr als 50 Prozent der in der KWK-Anlage gewonnenen Wärme mit Erneuerbaren Energien erzeugt werden. Dass ausgerechnet grüne Gase hier nicht als erneuerbare Energien anerkannt werden, ist hingegen völlig unverständlich. Das wäre ein sehr guter Ansatz, um grünem Wasserstoff den Weg in den Markt zu bereiten. Die Politik sollte hier nachbessern und auch grüne Gase in die Regelung einbeziehen", so der VNG-Chef und BDEW-Vizepräsident. (masch/hil)

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