Die Verschärfung des Konflikts im Mittleren Osten sorgt derzeit für steigende Gaspreise. So notierte der Day-Ahead-Kontrakt am virtuellen Handelspunkt THE für Freitag bei 36,23 Euro/MWh. Auch am langen Ende stehen die Zeichen auf Anstieg. Der Frontjahr-Kontrakt notierte bei 40,73 Euro/MWh am 1. August und bei 40,48 Euro/MWh am 2. August.
Zum Wochenauftakt haben die Gaspreise zwar etwas nachgegeben. So notierte der THE-Day-Ahead-Kontrakt für den 5. August bei 34,38 Euro/MWh und der Cal25-Kontrakt bei 39,55 Euro/MWh. Die allgemeine Tendenz der Preisentwicklung bleibt jedoch unverändert und zeigt nach oben.
LNG-Verknappung treibt Gaspreis
Den Preissprung an den Gasmärkten erklären die Experten mit den zunehmenden Spannungen im Mittleren Osten und die Gefahr einer Ausbreitung des Konflikts in weitere Regionen.
Die anhaltende Terrorgefahr der Huthi auf den internationalen Schiffsverkehr vor der Küste Jemens. Dies führte in den letzten Wochen dazu, dass viele LNG-Schiffe das Rote Meer und den Suez-Kanal umfuhren, was zu Verzögerungen bei den europäischen Importen aber auch zu Abflüssen auf den asiatischen Markt führte.
Tiefstand seit Oktober 2021
Als Folge haben die LNG-Importe deutlich nachgegeben und sorgten damit für eine spürbare Verknappung der Ressource. Branchenexperte und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, Joachim Endress, rechnet bei einer weiteren Eskalation des Konflikts mit weiteren Verzögerungen der LNG-Lieferungen und einer weiteren Verknappung des LNG-Angebots als Folge.
Laut Ganexo sanken die Gasimporte im Juli auf den tiefsten Stand seit mindestens Oktober 2021. An den europäischen LNG-Terminals wurden im Juli nur 92 LNG-Schiffsladungen importiert. Bereits im Vormonat Juni waren die Importe auf einen Tiefststand von 100 LNG-Lieferungen gesunken.
Mäßige Nachfrage gleicht noch aus
Von den insgesamt 92 LNG-Lieferungen nach Europa kamen auch im zurückliegenden Monat mit 34 Lieferungen die meisten aus den USA. Aus Russland stammten 19 Lieferungen, vier weniger als im Vormonat. Katar lieferte nur 9 Lieferungen, im Vormonat waren es 12 LNG-Schiffslieferungen. In Deutschland wurden lediglich zwei LNG-Lieferungen importiert, gegenüber 8 Lieferungen im Vormonat.
Angesichts der milden Temperaturen lässt sich die Verknappung des Angebots aktuell noch gut durch eine mäßige Nachfrage ausgleichen. Die europäischen Gasspeicher sind zudem gut gefüllt. In europäischen Schnitt liegt der Füllstand bei aktuell fast 86 Prozent. Deutsche Gasspeicher kommen sogar auf knapp 90 Prozent. Mit den herbstlichen Temperaturen könnte das Problem der LNG-Verknappung hingegen für deutlichere Preisausschläge auf den Gasmärkten sorgen. (am)



