Die fehlende Flexibilität dieser Kraftwerke bestimmt maßgeblich die Höhe des konventionellen Erzeugungssockels. In den zurückliegenden Jahren haben einige Betreiber bereits in die Flexibilisierung ihrer Anlagen investiert. Weitere Investitionen der Kraftwerksbetreiber können den konventionellen Erzeugungssockel weiter verringern.

Die fehlende Flexibilität dieser Kraftwerke bestimmt maßgeblich die Höhe des konventionellen Erzeugungssockels. In den zurückliegenden Jahren haben einige Betreiber bereits in die Flexibilisierung ihrer Anlagen investiert. Weitere Investitionen der Kraftwerksbetreiber können den konventionellen Erzeugungssockel weiter verringern.

Bild: © Achim Lückemeyer/pixelio.de

Wie kann im kommenden Jahrzehnt in Deutschland die Versorgungssicherheit gewährleistet werden, wenn gesicherte Kraftwerksleistung in Form von Kohlekraftwerken vom Netz genommen wird? Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zu dieser Frage eine Analyse vorgelegt. Das vorab: Hierzulande wird demnach die Energieversorgung aus garantiert abrufbaren Quellen nicht mehr möglich sein, deswegen blicken die Autoren auf die Entwicklung der gesicherten Kraftwerksleistung in Europa.

Die Menge an Strom, die deutsche Verbraucher nach dem Abschalten von Kern- und Kohlekraftwerken importieren müssen, wird deutlich steigen müssen. Das jedoch setzt voraus, dass auch in den Nachbarländern Deutschlands mit Blick auf das kommende Jahrzehnt genug gesicherte Leistung in Form von konventionellen Kraftwerken vorhanden ist. Dort zeigt sich aber ebenfalls ein allgemeiner Trend des Abbaus von Kohlekapazitäten sowie von Kernenergie bei gleichzeitigem starkem Zuwachs von Erneuerbaren Energien.

Ringsum die gleichen Probleme

Die derzeit noch vorhandenen Überkapazitäten an gesicherter Leistung schmelzen damit überall in Europa mittel- bis langfristig ab. Alle EU-Staaten streben – richtigerweise – den Ausbau der Erneuerbaren Energien an. Damit stehen auch die Nachbarländer vor der Herausforderung, die Versorgungssicherheit bei steigenden Anteilen volatiler Kapazitäten zu gewährleisten.

Nach Angaben des wissenschaftlichen Dienstes der EU, dem Joint Research Center, ergibt sich von 2016 bis 2025 in der EU ein Rückgang der installierten Leistung von Kohlekraftwerken von 150 Gigawatt (GW) auf 105 GW und ein weiterer Rückgang auf 55 GW bis 2030. Das entspricht einer Abnahme von 63 Prozent. Auch der Anteil der Kernenergie geht in vielen Ländern zurück.

Die Nachbarn werden den Rückbau nicht auffangen

„Deutschland ist Teil des europäischen Binnenmarktes, aber die Nachbarn alleine werden es nicht richten. Wir haben auch eine nationale Verantwortung“, sagt deshalb Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Egal, wohin man seinen Blick auf einer Europakarte auch schweifen lässt: Fast überall sollen gesicherte Stromerzeugungskapazitäten vom Netz genommen werden.“

Leider funktioniere auch die Idee nicht, die Versorgungssicherheit in Deutschland mit dem Import von mehr Erneuerbaren-Strom aus dem EU-Ausland abzusichern, so Kapferer: „Die für Wind und Photovoltaik entscheidenden Großwetterlagen führen in Zentraleuropa zu einer mehr oder weniger deutlichen Gleichzeitigkeit von Erzeugungsmangel oder Überflusssituationen.“ Es wäre demnach höchst riskant, wenn sich Deutschland zum Beispiel in einer Winter-Dunkelflaute auf Stromimporte verlassen würde.

Ausbau von Erdgas-Kapazitäten als Ausweg

Doch Kapferer hat eine mögliche Lösung für das europäische Energie-Paradoxon parat. Er setzt darauf, dass in Deutschland neue Erzeugungskapazitäten auf Basis von Gas geschaffen werden: „Die Bedingungen für Energiespeicher und Kraft-Wärme-Kopplung müssen sich verbessern sowie alle Optionen zur Nachfrageflexibilisierung ergriffen werden.“ Und er hat noch eine Forderung parat, mit der er wahrlich nicht allein steht: „Der Netzausbau muss deutlich beschleunigt werden.“ (sig)

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