Für den Monat Juni zeichnet sich damit ein Jahrestief der europäischen LNG-Importe ab. Bis zum Mittwoch wurden insgesamt nur 83 LNG-Lieferungen an den europäischen Terminals importiert. Im Vormonat Mai waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 95 Ladungen.
Bis zum Monatsende könnten damit im optimistischen Szenario insgesamt nicht mehr als 100 bis 110 LNG-Ladungen importiert worden ein. Das wären dann die niedrigsten Importe seit August letzten Jahres.
Aus den USA kamen bis zum Mittwoch im laufenden Monat nur 44 Lieferungen, im Vormonat waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 51.
Asien stark von Sperre der Straße von Hormus betroffen
Asien war die Region, die am stärksten von der Sperrung der Straße von Hormus betroffen war. Die Region bezieht insgesamt mehr als 25 Prozent ihrer LNG-Importe über diese Meerenge.
Die Einstellung der Produktion in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten führte dazu, dass die LNG-Importe der fünf größten asiatischen Gasverbraucher (China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien) im März und April dieses Jahres deutlich gegenüber den Vormonaten und auch Vorjahresmonaten einbrachen.
Allein auf China entfiel fast die Hälfte dieses Rückgangs, was seine wachsende Rolle als Ausgleichsmarkt im globalen Gassystem unterstreicht. Die fünf Länder importierten im März nur 239 LNG-Ladungen (Feb-26: 266, Mrz-25: 262) und im April nur 244 LNG-Ladungen (Apr-25: 250).
China und Indien legen zu
Im laufenden Monat Juni haben die fünf asiatischen Großverbraucher jedoch bereits rund 215 Lieferungen importiert. Das entspricht gegenüber dem Vormonat einem Plus von 21 Lieferungen (+10 Prozent).
Die Erholung im Juni wird einerseits durch China aber auch durch preisempfindliche Märkte wie Indien angetrieben. Indien hat im laufenden Monat bereits rund 40 LNG-Ladungen importiert – deutlich mehr als im Durchschnitt der gesamten Vormonate, als im März und April durchschnittlich nur 30 Lieferungen pro Monat importiert wurden.
China hatte im März und April durchschnittlich 52 Lieferungen pro Monat importiert, aktuell im laufenden Monat Juni stehen bereits jetzt über 60 Lieferungen zu Buche.
US-Lieferungen gehen bevorzugt nach Asien
Die sommerlichen Hitzewellen in Asien sorgen dort für einen steigenden Kühlbedarf. Der damit verbundene höhere Strombedarf wird in Teilen durch flexible Gaskraftwerke gedeckt. Erdgas hat nach wie vor in vielen asiatischen Ländern eine wichtige und unverzichtbare Rolle in den dortigen Energiesystemen.
Zuletzt waren beispielsweise US-LNG-Lieferungen über den Atlantik auf der Suez-Route nach Nordost-Asien gegenüber einer Lieferung nach Nordwesteuropa im Geld.
Beispielsweise lag die gerundete Marge eines US-Exporteurs für eine LNG-Lieferung nach Japan zuletzt um rund 3 bis 4 Euro/MWh über der Marge für eine Lieferung nach Großbritannien.